Bettina Hamilton-Irvine

Wer zurzeit bei einem Limmatspaziergang zwischen Dietikon und Unterengstringen die Überlandstrasse unterqueren will, sollte wasserfeste Schuhe tragen. Denn die Limmat führt so viel Wasser, dass sie sich selbst auf dem Fussweg breit gemacht hat. Weiter flussaufwärts zeigen zwei im Wasser stehende Bäume unmissverständlich, wie breit die Limmat geworden ist.

Und wer sich am Sonntagnachmittag auf eine Überfahrt mit der kleinen Fähre zwischen dem Kloster Fahr und dem Schlieremer Zelgliweg gefreut hat, wird enttäuscht: Die Fähre ist aufgrund des hohen Wasserstandes ausser Betrieb. Die «Maurizius» liegt verlassen im reissenden Wasser, der Steg ist überschwemmt. «Der Ein- und Ausstieg in die Fähre ist zurzeit zu gefährlich», bestätigt Werner Wenk, Präsident des Wasserfahrvereins Schlieren, der die Fähre betreibt. «Die Sicherheit der Fahrgäste geht vor.»

Befindet sich der Wasserpegel der Limmat schon im kritischen Bereich? Matthias Oplatka vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) winkt ab: «Gar nicht.» Doch der Wasserstand des Zürichsees sei momentan etwa 45Zentimeter höher als normal.

Dies sei 15 Zentimeter unter dem kritischen Wert, bei welchem eine Warnung ausgelöst würde, erklärt Oplatka. Trotzdem senke sich der Seepegel nur sehr langsam. Denn: «Das Engnis beim Zürcher Rathaus und der Gemüsebrücke bestimmt, wie viel Wasser aus dem See ablaufen kann.» Dies, obwohl das Wehr vollständig offen sei.

«Sie wird noch eine Weile lang ziehen»

Etwas Rückstau gibt es auch vom Kraftwerk Dietikon. Wie Thomas Arnet von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich sagt, werde dort momentan der Normalpegel von 385,3Meter über Meer gehalten. Durch den hohen Abfluss von 260 Kubikmeter pro Sekunde und die hohe Fliessgeschwindigkeit sei der Anstieg des Flusspegels Richtung Zürich jedoch recht steil. Gemäss Abmachung mit dem Awel werde der Pegel aber erst ab 320Kubikmeter pro Sekunde gesenkt.

Ein Grund zur Besorgnis bestehe für das Limmattal also nicht, beteuert Oplatka. «Man muss sich einfach bewusst sein: Die Limmat wird nun noch eine Weile lang recht stark ziehen, selbst wenn das Wetter trocken ist.» Solange jedoch kein zusätzliches Wasser von der Sihl in die Limmat fliesse, sollte diese in einer guten Woche wieder ihren normalen Wasserstand erreichen.