Numerus Clausus
Kein genereller Numerus Clausus

An der Universität Bern sollen keine generellen Zulassungsbeschränkungen eingeführt werden. Dass die Uni mehr Autonomie und damit Verantwortung erhält, befürworten Parteien und Verbände. Rektor-, Professoren und Studien-Wahlen will der Regierungsrat allerdings nicht an die Uni abtreten.

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Samuel Thomi

Am Grundsatz des neuen Universitätsgesetzes, wie es der Grosse Rat in der Januar-Session beraten wird, soll nicht gerüttelt werden. Geht es nach den Resultaten der Vernehmlassung des Gesetzesentwurfs bei Parteien und Verbänden, würde die Uni Bern im 176. Jahr ihres Bestehens und mit ihr die Fachhochschulen und die Pädagogische Hochschule Bern (PH) mehr Autonomie und auch mehr Verantwortung erhalten. Dies zeigten die eingelangten 65 Stellungnahmen, teilte der Kanton gestern mit.

Aus der nun verabschiedeten Vorlage ans Parlament strich der Regierungsrat allerdings die Einführung genereller Zulassungsbestimmungen für die Uni. So hätten deren Bestimmungen an jene der Fachhochschulen und der PH angeglichen werden sollen. Der Regierungsrat sieht für die Uni nur noch einen zusätzlichen Numerus Clausus für die Sportwissenschaften vor. Das fordert auch eine bereits vom Grossen Rat überwiesene Motion. Bisher gibts an der Uni Bern nur in medizinischen Fächern vergleichbare Zulassungsbeschränkungen.

Zankapfel Rektor-Wahl

Gegenteilig zur Mehrheit der Vernehmlassungs-Rückmeldungen will der Regierungsrat aber an der Schaffung respektive Aufhebung von Professuren sowie der Wahl der Professoren festhalten. Laut dem Kanton forderten die bürgerlichen Parteien sowie die betroffenen Hochschulen selbst hingegen eine erheblich weiter gehende Autonomie in Personalfragen, beim Recht zum Kauf und der Miete von Liegenschaften sowie beim Erlass aller Hochschulreglemente.

Zu Diskussionen Anlass geben dürfte Anfang 2010 hingegen die Forderung der Regierung, bei der Wahl der Uni-Leitung künftig stärker mitreden zu können. Bisher hatte der Senat, ein aus Fakultäts-, Dozierenden-, Assistierenden- und Studierenden-Vertretern bestehendes Gremium, Vorschlagsrecht zu Handen der Regierung. Dass dies mit der Gesetzesänderung nun beschnitten werden solle, bewog Uni-Rektor Urs Würgler am kürzlich abgehaltenen Dies Academicus zu heftiger Kritik. Diese Gesetzes-Neuerung gehe «entschieden zu weit»; «verpolitisiere» den Posten des Rektors.

Die Regierung will aber auch hier an ihrer Version festhalten. Bildungsdirektor Bernhard Pulver wies gestern darauf hin, dass der Senat bei Wahlen in die Uni-Leitung auch künftig beteiligt ist und die Regierung laut Entwurf das Einvernehmen mit dem Senat suchen muss. «Die Wahl der Uni-Leitung ist ein ganz wichtiger Entscheid und wird sicher nicht verpolitisiert werden», so Pulver.

Laut dem Kanton ist die Regierung aufgrund der Vernehmlassung der Haltung, dass ihre Vorlage «gesamthaft die breiteste Akzeptanz» geniesst. Somit verzichte sie auf eine Anpassung der Vorlage in Bezug auf den Autonomiegrad der Institute. Ebenfalls nicht zu Konzessionen bereit ist die Regierung bezüglich eines neuen Beirats. Dieses konsultative Gremium hätte die Aufgabe, den Rat in der Unipolitik zu unterstützen und diese breit abzustützen.