Kein Geld für mehr Jugendarbeit

Kein Geld für mehr Jugendarbeit

Kein Geld für mehr Jugendarbeit

Für einen Ausbau der Jugendarbeit in Kölliken fehlte bisher das Geld – oder der politische Wille

«Wer in die Jugendarbeit investiert, macht Präventionsarbeit – viele Probleme entstehen so gar nicht», sagt Jugendarbeiterin Silvana Lindt. Mit ihrem 20-Prozent-Pensum ist das aber kaum möglich.

Nadia Rambaldi

Tiefe Bässe tönen aus der grossen Soundanlage im Jugendtreff Kölliken. Es ist Freitagabend, kurz nach 19 Uhr. Der Jugendtreff beginnt sich langsam zu füllen, seit die Jugendarbeiterin Silvana Lindt die Türen geöffnet hat. Immer mehr Buben und Mädchen strömen herein, begrüssen die Jugendarbeiterin und verteilen sich im grosszügigen Treff. Die Kellerräume in der Villa Matter an der Berggasse erstrahlen in fast neuem Glanz: Erst vor einem Jahr wurden sie durch den Trägerverein und zusammen mit den Jugendlichen umgebaut.

Vier Räume haben die Jugendlichen zur Verfügung, ein weiterer ist gerade noch im Umbau. Ein Dancefloor mit DJ-Pult, eine Lounge mit Töggelikasten und ein kleiner Kinosaal mit Sitzkissen und Videobeamer gehören zum Jugendtreff Kölliken. «Im vierten Raum wird in nächster Zeit ein Sitzungszimmer entstehen», sagt Michael Leutwyler, Präsident des Fördervereins.

Offenes Ohr für Jugendliche

Silvana Lindt ist seit etwas mehr als einem Jahr in einem 20-Prozent-Pensum als Jugendarbeiterin angestellt. Ihre Aufgabe ist es, die Jugendlichen jeden Freitagabend bis 22 Uhr im Treff zu betreuen. Ausserdem plant sie zusammen mit dem Leiterteam, bestehend aus 12 Jugendlichen, mehrere Anlässe im Jahr, organisiert den Barbetrieb und bestimmt, wer als DJ Musik auflegen darf. «Das Leiterteam bringt die Ideen, und ich helfe ihnen, sie umzusetzen», erklärt die 23-Jährige. Im letzten Jahr haben sie diverse Konzerte, eine Basketballnacht, einen Breakdance-Nachmittag und einen Beatbox-Abend organisiert. Zu Silvanas Aufgabe gehört es auch, ein offenes Ohr für die Jugendlichen zu haben. Manchmal sprechen sie mit der Jugendarbeiterin auch über ihre persönlichen Probleme.

Stimmung meist friedlich

Je nach Jahreszeit wird der Jugendtreff mehr oder weniger genutzt. Im Sommer sind die Jugendlichen vermehrt rund um den Treff zu finden, im Winter kommen die meisten nach drinnen in die Wärme. Derzeit sind es vor allem 12-Jährige, die den Treff am meisten nutzen. Das Angebot richtet sich aber an alle Oberstufenschüler zwischen 12 und 16 Jahren. Auch Jugendliche aus den Nachbargemeinden Entfelden, Muhen und Safenwil nutzen den Treff regelmässig. «Meistens ist die Stimmung friedlich, die Jugendlichen kommen untereinander gut klar», sagt Silvana Lindt.

Dieser Eindruck bestätigt sich am Freitagabend im Treff: «Die Disco ist super, man trifft sich hier und hat Spass», sagt die 12-jährige Stefanie Werfeli. «So haben wir wenigstens etwas zu tun», pflichtet ihr ihre Freundin Soraya Schärrer bei. Einzig Delia Maurer ist mit dem Angebot im Treff nicht ganz zufrieden: «Der Treff sollte auch in den Schulferien und am Mittwochnachmittag offen sein.»

Finanzen fehlen

Genau das wünschen sich auch Jugendarbeiterin Silvana Lindt und der Trägerverein des Treffs. «Wir möchten am Mittwochnachmittag zum Beispiel ein Jugendtreff-Café organisieren, um so auch andere Gruppen von Jugendlichen anzusprechen», erklärt Präsident Michael Leutwyler. Doch dazu fehlt das Geld, Silvanas Pensum von 20 Prozent müsste erhöht werden. Mit der Gemeinde ist man im Gespräch.

Die zuständige Gemeinderätin Edith Wittich hat den Förderverein früher selber mal präsidiert und kennt die Anliegen des Vereins. «Ein 20-Prozent-Pensum ist zu wenig», sagt sie. Doch das Thema sei schwierig, es liege an den fehlenden Finanzen. Die Gemeinde Kölliken hat auch schon die Nachbargemeinden um Unterstützung angefragt, da auch viele Jugendliche von auswärts den Treff besuchen. Bisher ohne Erfolg. «Dieses Jahr werden wir mit dem Förderverein und auch mit den Nachbargemeinden Muhen, Entfelden und Safenwil das Gespräch suchen», erklärt Wittich.

Seit diesem Jahr ist die Jugendarbeit Kölliken Mitglied von Jugendarbeit Aargau (agja), einer fachlichen Vernetzung der Jugendarbeiten im Kanton Aargau. «Das ist spannend, weil ich dadurch auch Einblick in andere Jugendtreffs erhalte», sagt Silvana Lindt. Sie hofft, dass die Jugendarbeit in Kölliken in Zukunft einen höheren Stellenwert einnehmen wird: «Wer in die Jugendarbeit investiert, macht Präventionsarbeit – viele Probleme entstehen so gar nicht erst.»

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