Kein Brot mehr von Kochers

Zum letzten Mal öffnen am kommenden Samstag Heinz und Heidy Kocher ihre Ladentüre. Gesundheits- und altershalber geben sie ihre Bäckerei nach 35 Jahren auf.

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Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

Der weiss-schwarze Dalmatiner Aro knurrt zufrieden unter dem Tisch. So als hätte er verstanden, dass mit ihm nach der Pensionierung seiner Meister grössere Spaziergänge geplant sind. Bei vielen Flumenthalern ist die Freude wohl eher weniger gross. Ein letztes Mal können sie sich am Samstag mit Spezialitäten wie Butterschildkröten und Schwarzwäldertorten eindecken. Heidy und Heinz Kocher schliessen ihre Bäckerei und den Lebensmittelladen gesundheits- und altersbedingt. Vor 35 Jahren kamen sie als junge Familie mit zwei kleinen Kindern nach Flumenthal, vorerst als Pächter der Bäckerei. 15 Jahre später kauften sie das Geschäft und bauten Backstube und Verkaufsladen um. Im Lebensmittelbereich legten sie, nach dem Rückzug von Usego, stets grossen Wert auf regionale Lieferanten. «Die Kunden werden den Laden vermissen, sie zeigen aber Verständnis dafür, dass wir aufhören», sagt Heidy Kocher. Ein Nachfolger wurde nicht gesucht, weil das Ehepaar im Hause wohnen bleibt, und sich die Räumlichkeiten deswegen für eine Verpachtung nicht eignen.

«Morgeten-Alpkäse» zum Abschied

«Ich habe mit Leib und Seele ‹glädelet›», erzählt die Geschäftsfrau. Am Morgen die heissen, knusprigen Brote und die frischen Backwaren einzuräumen, sei für sie etwas ganz Besonderes gewesen. «Das Verhältnis zu den Kunden war herzlich. Der Kontakt wird mir fehlen», fügt sie an. «Viel Schönes durfte ich erleben, etwa wenn die kleinen Kinder stolz das erste Mal alleine einkauften und dann diese ‹Kinder› wieder mit ihrem Nachwuchs erschienen sind.» Oft hätten ihr die Kunden ihre Sorgen und Freuden anvertraut. Heidy Kocher erlebte aber auch Schreckminuten, als ein Räuber sie am helllichten Tag mit einer Waffe bedrohte und das Geld aus der Kasse verlangte.

«Bäcker ist ein strenger Beruf und die Präsenzzeit enorm», untermauert sie den Entschluss zur Geschäftsaufgabe. Man könne nicht einfach ein bisschen reduzieren. Flumenthals Bewohner seien aber gottlob in der komfortablen Lage, noch einen Dorfladen zu haben. «Obwohl, die Einkaufsgewohnheiten haben sich geändert», sagt Heinz Kocher. Da im Dorf praktisch keine Arbeitsstellen zur Verfügung stünden, kauften die Leute vielfach auswärts ein. Der 69-Jährige, der während 12 Jahren auch Lehrlinge ausbildete, ist überzeugt, dass er sich nicht ganz definitiv von seiner Backstube trennen kann und seine Familie zwischendurch mit Backwaren verwöhnen wird. Am Samstag bedankt sich das Ehepaar bei seiner Kundschaft mit einem Glas Wein, Butterzopf und Morgeten-Alpkäse, einer Spezialität aus dem Simmental, wo Heidy Kocher aufgewachsen ist.

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