Aarau

Kein Aarauer Gewerbe im neuen Bahnhof

Shoppingmeile: Noch sieht es trostlos aus – doch bald machen Geschäfte hier satte Umsätze. (Foto: Thomas Röthlin)

Bahnhof Aarau

Shoppingmeile: Noch sieht es trostlos aus – doch bald machen Geschäfte hier satte Umsätze. (Foto: Thomas Röthlin)

Der Buchladen kommt aus Solothurn, der Coiffeur aus Bern und die Apothekerkette aus Zürich: Am neuen Bahnhof entsteht ein bunter Mietermix. Doch das städtische Gewerbe fehlt.

Deborah Balmer

Die Ausgangslage ist vielversprechend: 45000 Menschen kommen jeden Tag am Bahnhof Aarau vorbei - Menschen, die konsumieren und Dienstleistungen beanspruchen. Geschäfte in Bahnhöfen wie Bern und Zürich machen Riesenumsätze. Seit November 2009 ist klar, welche Läden und Gastrobetriebe ab Sommer präsent sein werden. Darunter das Buchhaus Lüthy aus Solothurn, Coiffeur Lüdi aus Bern und der Apotheker Bähler aus Zürich. Auch Aarauer Detailhändler und Gewerbler liebäugelten damit, einzuziehen. Dennoch ist kein Einziger von ihnen unter den 22 Geschäften.

«Jeder konnte sich bewerben»

Der Besitzer eines alteingesessenen Fachgeschäfts erklärt es so: «Wir haben uns zwar interessiert und uns bei den SBB beworben, doch als wir die Bedingungen erfuhren, haben wir abgesagt.» So hätte man eine umsatzabhängige Miete zahlen müssen - abgerechnet in Quadratmetern. Je nach Branche variiert diese: Ein Bäcker zahlt einen anderen Betrag als ein Coiffeur oder ein Kleidergeschäft. «Nur schon um eine ausgeglichene Rechnung zu erhalten, hätte wir den doppelten Umsatz des heutigen Geschäfts erwirtschaften müssen», sagt der Betroffene, der nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen will. Die SBB fordern, dass die Geschäfte täglich von acht Uhr morgens bis um 20 Uhr geöffnet haben. «Dadurch entstehen natürlich hohe Personalkosten.»

Und nicht zu jeder Tageszeit lasse sich jedes Produkt gleich gut verkaufen. Auch ein anderes bekanntes Aarauer Geschäft hat sich am Ende gegen den Einzug entschieden. Hier heisst es: «Die Risiken waren mir zu gross - eine grosse Kette kann das natürlich anders anschauen.» Geht es den SBB darum, möglichst viel Geld zu verdienen? Dafür spräche auch, dass Ladenplätze an den Meistbietenden versteigert wurden. Sprecher Roman Marti wiegelt ab: «Wären möglichst hohe Mieteinnahmen das Ziel, hätte der Bahnhof Aarau nicht dieses breite Angebot an Mietern.» Und: Jeder, der Interesse hatte, konnte sich bewerben. «Zwingen können wir niemanden», so Marti.

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