Samuel Thomi

Vielleicht schliesst sich der Kreis? Einst wurden zahlreiche Täufer - von der Reformierten Kirche und dem Alten Bern verfolgt - auf Schloss Trachselwald im Burgfried-Turm eingesperrt und gefoltert. Nachdem der Kanton gestern mit dem Regierungsstatthalter- und Grundbuchamt nach Langnau respektive Wangen an der Aare seine dezentrale administrative Verwaltung definitiv abgezogen hat, mehren sich die Anzeichen, dass am historischen Ort der Unterdrückung, Verfolgung und Deportation und später der Staatsgewalt bald friedlichere Zeiten Einzug halten.

Friedensimpulse vom Schloss

«Wir haben ein grosses Interesse an einer zukunftsgerichteten Nutzung von Schloss Trachselwald», kommentiert Martin Hunziker. Der Prediger der Langnauer Alttäufergemeinde Emmental betont, «wie wichtig» es vorab für Nachfahren verfolgter Täufer im Ausland sei, dass diese den Ort besuchen können: «Ein Verkauf hätte für sie entsprechend tragische Folgen», so Hunziker. «Wir wollen aber nichts im Alleingang durchsetzen», hält er fest.

«Wie bereits das Täuferjahr 2007 gezeigt hat, ist der Weg des gemeinsamen Austausches der vielversprechendere Ansatz». Als ersten Schritt in diese Richtung wird in zwei Jahren im benachbarten Sumiswald die alle sechs Jahre stattfindende Konferenz der europäischen Mennoniten-Gemeinden stattfinden. «Man kann dies durchaus als ersten Schritt unsererseits für ein ‘Täufer-Zentrum' auf Schloss Trachselwald interpretieren», so Hunziker; «wir wollen Brücken bauen.»

Das übergeordnete Thema der neuen Nutzung solle den Paradigmenwechsel klar machen: «Mindestens für die nächsten 600 Jahren sollen von Schloss Trachselwald Friedensimpulse ausgehen», solle den Menschen die Ehre zurückgegeben werden. Aus all diesen Gründen arbeitet Hunziker seit bald zwei Jahren auch in einer Arbeitsgruppe mit die sich Gedanken zur künftigen Nutzung des Schloss macht.

Geschichte verankern

Mit dabei von Amtes wegen aber auch aus persönlichem Interesse ist der bisher auf Schloss Trachselwald domizilierte Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher: «Ein Ziel ist sicher, die Täufer-Geschichte am Ort des Geschehens zu behalten und verankern.» Dass dies eine gute Stossrichtung sei, habe ihm nicht zuletzt eine Erfahrung mit einer Gruppe amerikanischer Täufer-Nachfahren gezeigt.

Auf einem Rundgang durchs Schloss seien einige Mitglieder in Tränen ausgebrochen nachdem er sich für Vorgefallenes Leid entschuldigte (vgl. Text unten): «Für sie liegt das geschehene Unrecht weniger weit zurück als für uns.» Von den jährlich bis zu 2000 Gästen im Schloss hätten etwa ein Drittel einen Täufer-Hintergrund.

Unterhalt ein Armutszeugnis?

Hörte man sich am gestrigen Abschiedsfest für Bevölkerung und Behörden im Schlosshof jedoch um, fehlen auf Anhieb griffige Ideen oder gar schon Konzepte: «Was mit dem Schloss passier ist mir zwar nicht egal», sagt etwa Walter Stettler aus Grünenmatt; «ich wüsste nicht einmal wenn ich genug Geld hätte was damit anzufangen.» Ähnlich argumentiert Otto Mumenthaler aus Heimisbach: «Auf dem Weg zur Predigt ging ich schon vor 76 Jahren hier vorbei, mir ist aber bis jetzt keine bessere Nutzung dafür eingefallen.»

Als «ersten, positiven Schritt» wertet er den Entscheid des Kantons, von einem voreiligen «Ausverkauf der Geschichte» bis auf weiteres abzusehen (vgl. Update). Eine klare Meinung von der Zukunft hat dagegen Alfred Wüthrich: «Wer das Schloss erwirbt, muss daraus etwas machen das zu unserem Dorf und der Geschichte passt», so der Kommandant der Feuerwehr Trachselwald. Über alles gehe dabei, dass das historische Areal der Öffentlichkeit zugänglich bleibe: «Jahrelang hat die Öffentlichkeit zum Schloss geschaut. Soll das jetzt nicht mehr möglich sein so ist das ein Armutszeugnis für unser Land.»

Laut Grossenbacher will die Arbeitsgruppe «idealerweise bis Ende 2010 ein erstes, grobes Konzept mit Finanzplan erarbeiten.» Darüber hinaus gebe es keinen Zeitplan: «Nur wenn wir ein breit abgestütztes Projekt haben, können wir damit auch langfristig Erfolg haben», sagt Hunziker.