Katatura sei in den 50er Jahren unter dem südafrikanischen Einfluss der Apartheidspolitik entstanden, erklärte uns Tour Guide Philadelphia. Die Stadtverwaltung habe die schwarzen Familien aus der Stadt in die Aussenbezirke verbannen wollen. Dazu sei eine völlig neue Siedlung aus dem Boden gestampft worden - Katatura eben.

Der Name heisse in der Sprache der Ovambo (Volksstamm in Namibia) denn auch: "Der Ort, an dem wir nicht leben möchten". Ungeachtet eines historischen Aufstands im Dezember 1959, seien bis fast Ende der 60er Jahre Menschen zwangsumgesiedelt worden.

Wieviele Einwohner Katatura heute zählt, konnte Philadelphia nicht sagen. Es sei etwa die Hälfte aller Einwohner der Hauptstadt (Windhoek zählte 2008 ca. 400 000 Einwohner). Die einzelnen Siedlungen seien inzwischen zusammengewachsen. Katatura würde nun auch gern "Matatura" genannt, was so viel heisst wie "der Ort, wo wir gerne leben möchten".

Von diesem Ort träumen auch die Zuwanderer aus dem Norden. Unzählige Männer sitzen tagelang stadtauswärts am Strassenrand und warten auf Arbeit. "Hier gilt das Prinzip Hoffnung", erzählte Philadelphia, "eines Tages wird es ihr Glückstag."

Einige von ihnen wohnen wohl auch in Hakahana, einem Aussenquartier von Katatura. Hakahana ist ein sogenanntes "informal settlement", bestehend aus Blechhütten. Hier kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch. Ich erzählte ihr, dass ich künftig in Katatura arbeiten würde. Mein Arbeitgeber setze sich für von Waisen- und benachteiligten Kinder ein - hier und im ganzen Land.

Das sei gut, sagte sie, das hätten die Kinder nötig. Und dann meinte sie: "Eines Tages komme ich dich besuchen in deinem Büro, ganz bestimmt. Dann zeigst du mir alles." Wir fuhren zurück ins Stadtzentrum, wo die Tour endete. Ich werde das Mädchen wohl die nächsten drei Jahre nicht mehr sehen. Auch das ist Katatura.