Tokio
Kapitulation 30 Jahre nach Kriegsende: Japans «ewiger Soldat» stirbt mit 91 Jahren

Japans Kapitulation im Zweiten Weltkrieg wollte er nicht glauben. Deshalb kämpfte Soldat Hiroo Onoda als Guerillero 30 Jahre im Dschungel der philippinischen Insel Lubang weiter. Erst 1974 gab er auf. Nun ist er mit 91 Jahren in Tokio gestorben.

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Hiroo Onoda übergibt seinen Säbel als Zeichen seiner Kapitulation dem philippinischen Präsidenten

Hiroo Onoda übergibt seinen Säbel als Zeichen seiner Kapitulation dem philippinischen Präsidenten

Keystone

Geschichten von japanischen Soldaten, welche auf abgelegenen Inseln auch Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch eisern weiterkämpften, gibt es einige. Keiner hielt es jedoch so lange aus wie Hiroo Onada.

Als sich die kaiserliche Armee Japans 1945 wegen dem Vormarsch der Amerikaner von der strategisch wichtigen Insel Lubang in den Philippinen zurückzog, wurde dem damals 23-jährigen Hiroo Onada und seinen Kameraden befohlen, die Stellung zu halten und weiterzukämpfen. Mit drei Untergebenen zog er sich als Guerillos in den Dschungel zurück.

Flugblätter, auf denen das Ende des Krieges verkündet wurde, schenkte er keinen Glauben. Sie waren in teils fehlerhaftem Japanisch verfasst, worauf Onada einen Trick des Feindes vermutete.

Ernährt haben sich die Soldaten von Kokosnüssen, Bananen und Nahrungsmittel, welche sie den einheimischen Bauern stahlen. Sie versteckten sich erfolgreich von Suchtrupps, welche sie von ihrem Dienst endgültig erlösen wollten.

Im Verlauf der Jahre wurden zwei seiner Kameraden von der Polizei getötet und einer ergab sich. Hiroo Onoda jedoch kämpfte weiter.

Nach 30 Jahren Guerilla-Kampf salutiert Hiroo Onoda 1974 der philippinischen Air Force und ergibt sich
6 Bilder
Onoda bei einer Pressekonferenz 1996
Hiroo Onoda übergibt seinen Säbel als Zeichen seiner Kapitulation dem philippinischen Präsidenten
Hiroo Onoda mit einem Foto von sich selber 1996
Hiroo Onoda bei seiner Kapitulation 1974
Hiroo Onoda kapituliert

Nach 30 Jahren Guerilla-Kampf salutiert Hiroo Onoda 1974 der philippinischen Air Force und ergibt sich

Keystone

Erst als 1974 sein ehemaliger Vorgesetzter Taniguchi persönlich aus Japan nach Lubang reiste, liess sich Japans letzter Soldat zur Kapitulation bewegen. Seinen Säbel überreichte er dabei, sinnbildlich für sein Aufgeben, dem philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos. Dieser begnadigte Onoda schliesslich; dies obwohl der 30-jährige Widerstand des japanischen Soldaten mit seinen Weggefährten insgesamt 39 Tote und über 100 Verletzte forderte.

Zurück in Japan wurde Hiroo Onoda von vielen als der japanische Held schlechthin und die Verkörperung von traditionellen Werten wie Mut und Treue angesehen.

Jedoch konnte er sich in die sich rasant verändernde japanische Gesellschaft nie mehr richtig einordnen. Zwischenzeitlich emigrierte Onada nach Brasilien und betrieb dort einen Landwirtschaftsbetrieb. Nach der Rückkehr nach Japan in den 1980er Jahren gründete er eine Ausbildungsstätte, wo er Jugendliche in Survival-Techniken unterrichtete.

Am Donnerstag ist Hiroo Onoda in Tokio mit 91 Jahren gestorben. (rhe)