Kanton will blühenden Steingarten zum Verschwinden bringen

Kanton will blühenden Steingarten zum Verschwinden bringen

Der Steingarten von Priska Mathys. Steht hier bald eine Betonwand statt des Gartens?

Steingarten in Zeihen

Der Steingarten von Priska Mathys. Steht hier bald eine Betonwand statt des Gartens?

Der Kanton verlangt von Priska Mathys, dass sie ihren blühenden Steingartens in Zeihen zurückbaut. Gurnd: Ein Teil des Pflanzenparadieses befindet sich in der Landwirtschaftszone.

Christine Fürst

Im UNO-Jahr der Biodiversität passiert in Zeihen etwas, das nicht zum Erhalt der Artenvielfalt passt. Der Steingarten von Priska Mathys soll rückgebaut werden, denn ein Teil befindet sich in der Landwirtschaftszone.

Priska Mathys hat in Zeihen in einer schönen Hanglage ein Haus gebaut. Ein Haus für und von der Natur. Die Wände aus Lehm, eine Holzfassade, ein Flachdach mit Begrünung und auf dem stillen Örtchen eine Komposttoilette.

Die Umgebung grünt, jeder Pflanzenstandort ist genau überlegt, auch Unkraut darf wachsen. Auf der Südseite hat Priska Mathys vor fünf Jahren einen Steingarten im Steilhang erbauen lassen. Mittlerweile ist die Steintreppe kaum mehr sichtbar, die Pflanzen sind gewachsen wie im Nu. Die grossen Lavendelbüsche stechen sofort ins Auge, bei näherem Betrachten findet man auch Salbei, wilden Majoran und Pfefferminze. Überall summen Bienen umher, Eidechsen sonnen sich auf den heissen Steinen und auch Blindschleichen, Igel und Kröten suchen hier einen Unterschlupf.

Die Biodiversität und der Erhalt der Artenvielfalt ist der Zeiherin ein grosses Anliegen. «Einen Teil des Lavendels werde ich ernten und dann destillieren, den Rest überlasse ich der Natur. Lavendel ist entspannend, heilt Wunden und hält Zecken fern», sagt Priska Mathys. Sie ist Tierhomöopathin und besitzt in ihrem Haus in Zeihen eine Praxis. Die meisten Heilpflanzen, die man für die Behandlung kranker Tiere einsetzen kann, findet sie in ihrem Garten.

Im Dezember 2009 kommen Wolken auf über dem kleinen Paradies. Ein Brief des Kantons Aargau verlangt den Rückbau des Steingartens mit den mediterranen Pflanzen. Bei einer Luftaufnahme habe man gesehen, dass der Garten einen Teil der Landwirtschaftszone beansprucht. Dort befindet sich die Pferdeweide von Priska Mathys. «Zuerst habe ich gedacht, das ist ein Witz», sagt die Tierhomöopathin, «wenn ich gewusst hätte, dass der Steingarten in die Landwirtschaftszone hineingerät, hätte ich das niemals gemacht.» Weder der Baggerführer noch der Architekt, noch das Vermessungsamt haben den Fehler bemerkt. Auch die Gemeinde hatte keine Einwände und hat vor fünf Jahren den gesamten Bau mit Steingarten abgenommen.

Ein Rückbau würde bedeuten, dass der Steilhang durch eine Betonmauer stabilisiert werden müsste. Denn ohne Stabilisierung fliessen bei Unwetter grosse Wasser- und Dreckmengen auf die Terrasse von Priska Mathys. Eine Betonwand anstelle eines Steingartens voller Leben. Eine Betonwand, die das Wasser umleiten, aber nicht aufhalten kann - im Gegensatz zu den Pflanzen im Steingarten, die das Wasser binden können. «Dieser Rückbau verdreht mir das Herz», sagt Priska Mathys mitgenommen.

Weit über 10000 Franken müsste Priska Mathys für den Rückbau ausgeben für eine Betonwand, einen grossen Einschnitt in die Natur. Am 1. September werden die Behörden den Garten in Augenschein nehmen und über die Notwendigkeit des Rückbaus urteilen.

Bis dahin bleibt Priska Mathys eine Zeit voller Bangen und Hoffen. Ein Hoffen, dass das kleine Naturparadies nicht dem Erboden gleichgemacht wird und es nicht einer Betonwand Platz machen muss. Ein Hoffen, dass sich weiterhin viele Bienen, Schmetterlinge und Eidechsen umgeben von Lavendel im Steingarten tummeln können.

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