Kanton verspricht Sanierung des Ottenbacher Streichwehrs

Tote Fische und zerfallende Uferböschung im Haas-Fabrikkanal: Ottenbacher Fischer sind verärgert über die Verzögerung der Streichwehr-Sanierung in der Reuss. Der Kanton verspricht nun eine Instandstellung auf Herbst/Winter 2010.

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Fabrikkanal Ottenbach

Fabrikkanal Ottenbach

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Seit rund drei Jahren ist das Streichwehr in der Reuss oberhalb des Fabrikgebäudes Haas in Ottenbach defekt. Dadurch gelangt derzeit nur sehr wenig Wasser zum parallel fliessenden Fabrikkanal - mit fatalen Folgen: Die Fischereipächter mussten dort wiederholt tote Fische bergen. «Wir haben andererseits im Bereich der Turbinenanlage bei der Fabrik etwa 1500 Fische retten können. Das sind aber längst nicht alle», sagt Pächter Ruedi Egli. Er und seine Mitstreiter ärgern sich über den Umstand, dass der Kanton das Problem seit rund drei Jahren vor sich herschiebt - und damit auch in Kauf nimmt, dass der Fabrikkanal weiter beschädigt sind. «Wenn kein Wasser fliesst, drohen die Ufer weiter zusammenzubrechen», halten die Fischer fest. Und in einem Protokoll heisst es: «Der Kanalgrund ist heute bis zu einem Meter und mehr mit Sand bedeckt. Im und vor dem Turbinenraum bei der Fabrik hat es noch mehr Sand». Ausserdem kann die jeweils für Führungen offene Turbinenanlage nicht betrieben werden.

Geschichtliche Zeugen «verlottern»

Nicht nur Fischer ärgern sich über den jetzigen Zustand. Für alt Nationalrat Rolf Hegetschweiler ist es nicht verständlich, dass die kantonale Denkmalpflege bei ihrer (negativen) Stellungnahme zum Umfahrungsprojekt auf die geschichtliche Bedeutung von Fabrik und Turbinenanlage hinweist - und das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) andererseits nichts gegen den Zerfall von Anlagen, Wehr und Kanal unternimmt.

Tatsächlich heisst es in der denkmalpflegerischen Stellungnahme zur Umfahrung: «Diese Anlagen sind wichtige Zeugen der um 1870 einsetzenden dritten Industrialisierungsphase mit dem raschen, von ständigem technischen Wandel begleiteten Wachstum der Textilindustrie. Die Wasserkraftanlage selbst ist ein bedeutender technikgeschichtlicher Zeuge. Aussergewöhnlich ist die Verbindung der technischen Einrichtung mit der gestalteten Natur.» Rolf Hegetschweiler dazu: «Jeder Privatperson würde nicht zugestanden, eine solche Anlage verlottern zu lassen.»

Weitere Gewässerschutzabklärungen

Laut René Loner von der Medienstelle der Baudirektion haben zusätzliche Gewässerschutzabklärungen das Wehr-Instandstellungsprojekt verzögert. «Es ist nun geplant, das Projekt im kommenden Herbst/Winter auszuführen.» Der von der Baudirektion verfügte Objektkredit für die Instandstellung der Wasserbauten beim Oberwasserkanal beläuft sich auf rund 625 000 Franken. Dies umfasst die Planung und die Realisierung.

«Wir sind auch nicht glücklich darüber, dass sich das Instandstellungsprojekt verzögert. Aber jetzt sind wir auf gutem Weg. So wie die Dinge aufgegleist sind, wird sich die Situation im kommenden Herbst/Winter verbessern», sagt René Loner. Die Fischer zweifeln allerdings, dass der Kredit für die Arbeiten ausreicht.