Julian Perrenoud

Vor 50 Jahren hat Wengen die erste Gefahrenkarte der Schweiz erstellt. Dank dieser raumplanerischen Pioniertat blieben die lawinengefährdeten Ortsteile bis heute unverbaut. Anlässlich des Jubiläums sprach Regierungsrat Andreas Rickenbacher (SP) auf dem Männlichen klare Worte: Der Kanton Bern müsse in das Naturgefahren-Management investieren. Dies, weil wissenschaftliche Prognosen zum Klimawandel zunehmende Ereignisse prognostizierten, wie einer Mitteilung zu entnehmen war.

Der Kanton Bern räume diesem Bereich einen hohen Stellenwert ein, sagte Rickenbacher. Einerseits seien die Gebiete dicht besiedelt, andererseits seien sie topografisch, geologisch und meteorologisch für Naturereignisse disponiert: «Es ist die Aufgabe der Politik, daraus eine Anpassungsstrategie abzuleiten.»

Kein Wald kostet 17,5 Mia. Franken

Gerade im Dorf Wengen sind die Lawinenniedergänge bis weit in die Vergangenheit genau dokumentiert. 1770 forderte die verheerenste Lawine acht Todesopfer. Für den Schutz der gefährdeten Menschen und der erheblichen Sachwerte kommen drei Massnahmen zum Tragen, die den integralen Lawinenschutz bilden: Es sind dies raumplanerische Massnahmen (Lawinengefahrenkarte), organisatorische Massnahmen (Gemeindelawinendienst) und technische Verbauungen, Schutzwald. Daneben lösen die Berggemeinden zum Schutz etwa auch künstlich Lawinen aus.

Im Kanton Bern befinden sich 17 500 Hektare Lawinenschutzwald. Müsste dieser durch Lawinenstützverbau ersetzt werden, entstünden Kosten von 17,5 Milliarden Franken.
Nun hat der Kanton Bern veranlasst, dass alle Gemeinden bis Ende 2011 eine Gefahrenkarte vorlegen müssen.

Zirka 40 Prozent der Gemeinden haben diese Arbeit bereits abgeschlossen - es handelt sich um diejenigen mit den grössten Naturgefahr-Konflikten. Eine vorläufige Auswertung zeigt: 24 000 oder 13 Prozent der ständig bewohnte Häuser des Kantons stehen in ausgeschiedenen Gefahrenzonen.

Wengen ist diesbezüglich einen Schritt weiter: Im Sommer hat das Dorf die letzte Etappe der Lawinenverbauung in Angriff genommen. Diese soll das Risiko für 40 teilweise stark gefährdete Häuser senken.