Waffen

Kaninchentöter bis Kalaschnikow

Zu vernichten: 89 Faustfeuerwaffen, die im Februar und März bei der Kantonspolizei abgegeben wurden.

Kaninchentöter bis Kalaschnikow

Zu vernichten: 89 Faustfeuerwaffen, die im Februar und März bei der Kantonspolizei abgegeben wurden.

Die ungewöhnliche «Entrümpelungsaktion» der Kantonspolizei Solothurn ist zu Ende. Waffen und Munition können aber weiterhin an jedem Polizeiposten abgegeben werden. Das gilt auch für Berner Polizeiposten.

Thaïs in der Smitten

Drei grosse Holzkisten voll mit Gewehren, 261 Stück; zwei lange Tisch beladen mit Faustfeuerwaffen, 89 Stück; ein Tisch bedeckt mit Bajonetten und Messern, 62 Stück; dazu noch zwei Schachteln mit 12 Knallpatronen für Übungshandgranaten, 1,5 Kilogramm Schwarzpulver und 260 Kilogramm Munition. Was die Solothurner Bevölkerung an Waffen in den vergangenen zwei Monaten bei der Kantonspolizei abgegeben hat, ist beachtlich. Polizeikommandant Thomas Zuber wertet die Waffenabgabeaktion an der gestrigen Medienkonferenz als Erfolg. Die Summe der abgegebenen Waffen liegt im Rahmen der Erwartungen. Was Josef Mäder, Sachbearbeiter Waffen, hingegen erstaunt hat, ist die Zahl der Faustfeuerwaffen. Rund ein Drittel der abgegebenen Waffen seien «Mafiapistolen», so Mäder. «Ich hätte mehr Ordonanzwaffen erwartet.»

Anlass für die Aktion war das neue Waffengesetz, dass seit dem 12. Dezember 2008 gilt. Man habe auf damit auf die Neuerungen aufmerksam machen wollen, sagt Zuber. Obschon die Aktion nun abgeschlossen ist, können aber weiterhin Waffen an jedem Polizeiposten im Kanton abgegeben werden. Tatsächlich sind seit Mittwoch verganger Woche bereits weitere dreissig Waffen abgegeben worden.

Waffen werden nicht weiter verkauft

Unter den Waffen befinden sich auch echte Raritäten. So hat beispielsweise die Enkelin eines Solothurner Kantonspolizisten eine nun historische Pistole abgegeben. Der Polizist mit Jahrgang 1858 war 1923 pensioniert worden. Diese Waffe sowie eine Bajonett der Aargauer Kantonspolizei und weitere Raritäten werde dem historischen Verein der Kantonspolizei als Museumstücke abgegeben, sagt Zube. Alle übrigen Waffen würden aber vernichtet. Auch Anrufern, die sich erkundigt hatten, ob man Waffen abkaufen könne, sei ein negativer Bescheid gegeben worden. «Es kommen keine dieser Waffen wieder auf den Markt», stellte Zuber klar. Der Waffenmarkt sei jedoch durchaus noch intakt. Umso mehr erstaune es, dass ein Waffensammler gleich mehrere Seriefeuerwaffen, darunter eine Kalaschnikow, abgegeben habe. «Für jede einzelen Waffe hätte er auf dem Markt 1000 Franken bekommen.»

Für Erstauen hat wohl die Tatsache gesorgt, dass vier der abgegebenen Waffen bei der Überprüfung in den Schengen-Fahndungssystemen der Polizei aufgetaucht sind. «Das heisst nicht, dass die Person, die die Waffe gebracht hat, etwas Lusches damit gemacht hat», beschwichtigt Mäder. Die Betroffenen seinen befragt worden, der Hintergrund habe indes nicht aufgeklärt werden können.

Bis anhin wurden solche Waffen beim Industriebetrieb Stahl Gerlafingen eingeschmolzen. Anschliessend wurde der Stahl als Baustahl verwendet. Nun übernimmt die Arme die Entsorgung respektive Vernichtung der Waffen. Sie werden entweder eingeschmolzen oder geschreddert.

Bei Gefahr Waffe weg

Das neue Waffengesetz bringt eine weitere Neuerung mit sich: Nun können Ärzte und Psychologen Gefährdungsmeldungen bei der Polizei machen. Fürchtet ein Arzt, dass eine Person sich selber oder andere gefährdet und im Besitz einer Waffe ist, kann er die Polizei damit beauftragen, die Waffen wegzunehmen. Das sei dieses Jahr schon zwei Mal angewendet worden. Die betroffenen Personen seien über das Erscheinen der Polizei nicht sehr erfreut gewesen, hätten sich aber gefügt, berichtet Zuber.
Der Erfolg der Aktion führt Mäder auf einen neuen Zeitgeist zurück. «Heute hat der Karabiner des Grossätti nicht mehr den selben Stellenwert als Erinnerungstück wie früher.» Zumindest in den Städten sei dies noch so, denn die meisten Waffen seien in Olten, Solothurn und Grenchen abgegeben worden, das Wasseramt und der Bucheggberg, die ländlichen Gegenden seien untervertreten gewesen.

Weiter-e Informationen unter www.polizei.so.ch unter «Waffen» oder www.fedpol.admin.ch auch unter «Waffen»

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