Strompreis
Kampf gegen höhere Strompreise

Stromverband wehrt sich gegen geplanten Aufschlag von Axpo und AEW Energie AG: Die Axpo will 2011 den Strompreis um 20 Prozent erhöhen. «Völlig überrissen», sagt der Verband Aargauischer Stromversorger (VAS). Preisüberwacher und Elcom sollen einschreiten.

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Kampf gegen höhere Strompreise

Kampf gegen höhere Strompreise

Hans Lüthi

Den Aufschlag von 1,2 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) begründet die Axpo mit dem Ausbau der Wasserkraft und mehr Strom aus Biomasse. Zudem habe sich der Einkauf am Europäischen Markt massiv verteuert. «Eine Anpassung lässt sich nicht weiter vermeiden», betont die Axpo. Ganz anderer Meinung sind die Stromkunden.

Brief an Preisüberwacher

Die Kosten für die Stromproduktion könne sich ja nicht in kurzer Zeit um 20 Prozent verteuert haben, betont VAS-Präsident Richard Wullschleger. Die neuen Energien seien zwar teurer, aber im Preismix mit dem günstigen Atomstrom wirke sich das nur langsam aus. Was die Strombezüger enorm stört, ist die fehlende Transparenz und die ungleiche Behandlung. «Wir Endverteiler dürfen nur minimale Gewinne machen und werden kontrolliert, die Produzenten und Vorlieferanten aber nicht», kritisiert Wullschleger.

Die Elektrizitätskommission (Elcom) müsse auf allen Stufen tätig sein und nicht nur bei den Endverteilern. Jedenfalls gehen die Stromversorger davon aus, die AEW Energie AG werde die 1,2 Rappen voll weiterverrechnen. Einerseits an die 115 Gemeindewerke, anderseits an die Direktbezüger des AEW-Stroms. Sobald der Aufschlag offiziell ist, «wehren wir uns mit allen Mitteln via Elcom, Preisüberwacher, Wettbewerbskommission und der Politik», kündigt Wullschleger unmissverständlich an.

Kantone sind die Preistreiber

Die Preistreiber sind laut VAS keine ominösen Strombarone, sondern schlicht und einfach die Kantone selber. Denn sie besitzen 50 Prozent, die Gemeinden weitere 30 Prozent von Produktion und Verteilung des Stroms im Land. «Die Kantone stehen hinter den höheren Konzessionsgebühren und Wasserzinsen und sie unterstützen oder fordern sogar höhere Preise der Axpo», erklärt der VAS-Präsident. Den Aargau nimmt er speziell ins Visier, weil er mit der AEW Energie AG total 28 Prozent der Axpo besitzt und zusammen mit dem Kanton Zürich über eine komfortable Mehrheit verfügt.

Richard Wullschleger hat den Eindruck, der Strompreis werde gezielt auf das Europa-Niveau angehoben. Warum? «Um die Kassen des Kantons, aber auch jene der Axpo und der AEW Energie AG zu füllen», stellte er an der GV in Leibstadt fest. Fazit: Wenn die Kantone einen Teil des Stromgeldes in die Staatskassen leiten wollten, sollten sie der Bevölkerung sagen, «wer für die massiven Preisschübe verantwortlich ist».

Weitere Aufschläge in Sicht

Vor zwei Jahren kam die Verteuerung wegen einer komplizierten, teils unsinnigen Administration im Vorfeld der Marktöffnung. Die separate Netznutzung liess die Preise steigen, jetzt ist es die Produktion. Dazu kommt die auf Anfang 2011 um 0,4 Prozent höhere Mehrwertsteuer. Ihren Preis haben auch die alternativen Energien: Die Kostendeckende Einspeisevergügung (KEV) wird vorerst auf 0,45 Rappen je kWh bleiben, für 2012 wird bereits mit einer Aufstockung gerechnet.

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