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Kampf gegen das Pandemie-Virus

Die Verteilung des Grippemittels Tamiflu ist im Kantons gesichert, sagt Kantonsarzt Christian Lanz. Und: Er trifft Vorkehrungen für eine Massenimpfung im Herbst.

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Pandemie

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Solothurner Zeitung

Elisabeth Seifert

Stand Dienstag, 14. Juli, um 16 Uhr: In der Schweiz sind innerhalb nur eines Tages 30 neue Fälle von Schweinegrippe bestätigt worden - darunter ein neuer Fall auch im Kanton Solothurn. Insgesamt haben sich hierzulande seit dem 29. April, als das Virus A(H1N1) erstmals in der Schweiz aufgetaucht ist, 178 Menschen angesteckt, davon vier in Solothurn. Auffallend ist an diesen Zahlen, dass schweizweit rund ein Sechstel aller bestätigten Fälle innerhalb von nur 24 Stunden dazugekommen sind. Das aber zeigt vor allem eines: Die Virus-Erkrankung hat die Schweiz endgültig erreicht - und es ist in den nächsten Monaten mit einem starken Anstieg zu rechnen.

Neu für unser Immunsystem

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rechnet denn auch im Herbst mit bis zu fünfmal mehr Schweinegrippe-Fällen als bei einer herkömmlichen Epidemie der saisonalen Grippe (siehe Ausgabe vom 10. Juli). Während jeden Herbst zwischen 100 000 und 300 000 Menschen mit den typischen Grippesymptomen darniederliegen, werden es im Herbst bis zu 1,5 Millionen Betroffene sein.

«Das sind allerdings nur grobe Schätzungen», sagt der Solothurner Kantonsarzt Christian Lanz im Gespräch mit dieser Zeitung. «Der Schweinegrippe-Virus ist vermutlich erst vor kurzem entstanden und deshalb für unser Immunsystem völlig neu,» erklärt Lanz die starke Ausbreitung der Krankheit.

Um eine explosionsartige Zunahme zu verhindern, hat das BAG jetzt eine neue Strategie ausgearbeitet, welche die einzelnen Kantone vollziehen müssen. Lanz: «Vorderstes Ziel dieser Strategie ist es, die Ausbreitung zu verlangsamen und damit Zeit zu gewinnen, bis der Impfstoff gegen die Schweinegrippe im Herbst ausgeliefert werden kann.» Zudem sollen auf diese Weise Personen geschützt werden, die für Komplikationen anfällig sind.

«Wer krank ist, bleibt zu Hause»

Diese neue Strategie hat - aufgrund der immer grösseren Zahl der Erkrankungen - nicht mehr den Einzelfall im Blick, sondern vielmehr die Bevölkerung als Ganzes. Das aber heisst: Es wird nicht mehr jede einzelne Erkrankung gemeldet und untersucht, sondern nur wenn es zu einer Häufung kommt. Andererseits wird jeder Einzelne dazu aufgefordert, seine Verantwortung wahrzunehmen und Massnahmen zum Selbstschutz vor der Krankheit zu befolgen.

Die Info-Blätter des BAG und des kantonalen Gesundheitsamtes enthalten verschiedene Verhaltensregeln. Das wichtigste Gebot lautet dabei, so der Kantonsarzt, «wer krank ist bleibt zu Hause.» Und «krank» heisst in diesem Fall: Fieber über 38 Grad, Gliederschmerzen, Husten und ähnliches. Der empfohlene «Hausarrest» gilt dabei bis 24 Stunden nach Abklingen der Symptome.

Treten die Grippeerscheinungen auf, empfehlen Kantonsarzt und das Bundesamt für Gesundheit, den Hausarzt telefonisch zu kontaktieren. Dieser entscheidet dann, ob ein Arztbesuch wirklich nötig ist.

Tamiflu ist keine Wunderdroge

Neben der allgemeinen Informationspflicht haben die Kantone zudem die Aufgabe, einen Verteilplan für das rezeptpflichtige Grippemittel Tamiflu zu erstellen. Christian Lanz versichert: «Es ist beim Bund genügend Tamiflu vorhanden und die Verteilung im Kanton Solothurn ist gesichert.» So können die Kantone ein Kontingent der Bundesreserve anfordern, das dann über die bestehenden Lieferkanäle an Ärzte und Apotheken verteilt wird.

Der Kantonsarzt warnt allerdings davor, Tamiflu als Wunderdroge zu verstehen. «Nur wenige Personen benötigen Tamiflu. In den meisten Fällen genügt es, die Grippe ganz normal zu Hause auszukurieren.» Kein Verständnis hat Lanz zudem dafür, wenn jemand einfach Tamiflu schluckt und sich ganz normal in der Öffentlichkeit bewegt. «Dadurch bleibt die Ansteckungsgefahr hoch.»

Verzicht auf Impfzentren

Grosse Hoffnungen setzt Kantonsarzt hingegen auf den für Herbst in Aussicht gestellten Impfstoff. Eine Umfrage habe gezeigt, dass 80 Prozent der Bevölkerung bereit wäre, sich gegen das Pandemievirus impfen zu lassen. Bei der normalen saisonalen Grippe seien es nur etwa 20 Prozent. «Die Frage ist nur, ob die nötige Anzahl Dosen Impfstoff rechtzeitig ausgeliefert werden können.»

Sollte das der Fall sein und der Bund daraufhin eine Massenimpfung anordnen, ist das Organisationstalent des Kantonsarztes gefragt. «Wir setzten möglichst auf Individualmedizin», erläutert Christian Lanz die Strategie des Kantons Solothurn. Geimpft werden soll also nicht in eigentlichen Massen-Impfzentren, wie das etwa der Kanton Bern beabsichtigt, sondern vor allem in den Praxen der Hausärzte sowie in den Spitälern. Der Kanton führe derzeit erste Gespräche mit Ärztegesellschaft, der Solothurner Spitäler AG (soH) und einer privaten Organisation. Die soH habe bereits signalisiert, dass sie ihr Personal gerne zur Verfügung stellt. Aufgrund des Besucherandrangs sei eine Impfung in den Spitalräumlichkeiten aber wenig realistisch. Lanz: «Wir suchen nach Lösungen»

In der Kompetenz der einzelne Kantone liegt es unter anderem auch, die Schliessung einzelner Schulen anzuordnen. «Es macht wenig Sinn, dass der Kanton hier präzise Vorgaben macht», ist Lanz überzeugt. Es sei vielmehr den Schulen bzw. den Schulleitern überlassen, ob sie den Unterricht für einige Tage ausfallen lassen wollen. «Die Massnahmen müssen aber verhältnismässig sein», so das Credo des Kantonsarztes.

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