Kunsthochschule
Kahlschlag an der Kunsthochschule

Die Zürcher Kunsthochschule streicht Weiterbildungskurse und entlässt 50 Teilzeitangestellte. Der Verband des Personals öffentlicher Dienste ist empört. Der Fachhochschulrat spricht von einer fälligen Massnahme.

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Andrea Trueb

Auslöser des Entscheids ist laut Mitteilung der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) die im Frühjahr 2009 erfolgte Bekräftigung des Fachhochschulrats, wonach die gestalterischen Weiterbildungskurse - gemäss gesamtschweizerischer Praxis - kostendeckend geführt werden müssten. Der ZHdK sei dafür eine Übergangsfrist bis 2013 gewährt worden. Verschärfend wirkten die Sanierungsmassnahmen des Kantons. Von der Einstellung der Kurse betroffen sind 50Mitarbeitende mit 1100Stellenprozenten. Die für das Frühlingssemester ausgeschriebenen Kurse sollen bei genügender Anmeldezahl durchgeführt werden. Ab September 2010 bietet die ZHdK keine solchen Kurse mehr an.

Um die Vorgabe zu erfüllen, strich die Hochschule auf das Herbstsemester 09/10 hin die Rabatte für Studierende und Mitarbeitende und erhöhte die Kurspreise um 15 bis 30Prozent. Rund jeder dritte Kurs fiel daraufhin mangels Anmeldungen aus, 26Dozierende mit 460Stellenprozenten erhielten Kündigungen oder Teilkündigungen. Für den kostendeckenden Betrieb reichten diese Massnahmen laut Mitteilung aber nicht. Weitere massive Kursgelderhöhungen wären nötig gewesen. Damit wäre das Angebot nach Ansicht der Verantwortlichen aber nicht mehr marktfähig gewesen und werde deshalb gestrichen. Davon betroffen sind weitere 24Mitarbeitende mit 700Stellenprozenten. Die Schulleitung will nun mit den Sozialpartnern tragbare Lösungen ausarbeiten.

«Schon länger fällige Massnahme»

Als «schon länger fällige Massnahme» bezeichnet Sebastian Brändli namens des Fachhochschulrats den Entscheid. Der Fachhochschulrat ist das oberste Organ der Zürcher Fachhochschule; er wird von der Bildungsdirektion geleitet. Das Angebot der gestalterischen Weiterbildungskurse sei historisch gewachsen, so Brändli, seit der Umwandlung der Kunstgewerbeschule in eine Fachhochschule aber eigentlich nicht mehr Aufgabe der Schule. Die bisherige Unterstützung sei lediglich als Übergangslösung toleriert gewesen, sei aber vom Fachhochschulgesetz nicht vorgesehen. Allgemeine Weiterbildung unterstehe vielmehr dem Berufsbildungsgesetz. In diesem Rahmen wäre eine Subventionierung der ZHdK grundsätzlich möglich, wobei die Dozentinnen und Dozenten der Weiterbildung nicht nach Fachhochschulrecht anzustellen wären.

«Skandalöser Kahlschlag»

Als «Skandal» und «Kahlschlag bei der öffentlichen Bildung» bezeichnet der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) den Entscheid. Weniger als ein Prozent des Globalbudgets der Schule hätte investiert werden müssen, um «ein beliebtes Angebot» und 50Teilzeitarbeitsplätze zu erhalten. Noch sei die ZHdK kein Elfenbeinturm. Insbesondere die gestalterischen Weiterbildungskurse stellten eine wichtige Verbindung zwischen Hochschule und Bevölkerung dar. Um gegen die Abbaumassnahmen vorgehen zu können, wurde laut VPOD am 1.Februar ein Komitee gegründet zur Erhaltung der gestalterischen Weiterbildung. «Konkrete Aktionen» zusammen mit den Mitarbeitenden sind geplant. Die politischen Behörden des Kantons Zürich fordert der VPOD auf, das öffentliche Interesse an einem erschwinglichen gestalterischen Weiterbildungsangebot für alle zu schützen. Eine Einzelinitiative von Lucia Degonda und Ursula Guhl, welche sich gegen die «happigen Aufschläge» der ZHdK-Kurse richtete, fand am 5.Januar dieses Jahres im Kantonsrat allerdings kein Gehör.
Statt die Bedeutung der Kreativwirtschaft zu erkennen, habe sich die Hochschulleitung allein an finanziellen Detailvorschriften orientiert, so der VPOD weiter. In ihrem Vorgehen habe die Leitung der ZHdK ausserdem interne und gesetzliche Mitwirkungsrechte missachtet. So seien schulinterne Gremien nicht mit einbezogen worden.

«Äusserst negativ»

Die Abschaffung der Weiterbildungskurse sei «äusserst negativ zu beurteilen», teilte der Studierendenrat der Uni Zürich (StuRa) gestern mit. Durch solche Massnahmen würden etwa 700Studierende von verschiedenen Hochschulen des Kantons und rund 1500Privatpersonen die Möglichkeit einer Weiterbildung im Bereich Grafik, Fotografieren, Filme drehen verwehrt. Die Abschaffung der Kurse würde auch zu einer Minderung der Ausbildungsvielfalt im Kanton führen.