Juso-Chef Wermuth will den 1. August abschaffen
Juso-Chef Wermuth will den 1. August abschaffen

Mit der Gründung der Schweiz und ihrer demokratischen Tradition habe der 1. August nichts zu tun, sagt Juso-Chef Cédric Wermut. Das Datum erinner vielmehr an eine Feier zur Privilegiensicherung. Der 1. August gehöre daher abgeschafft.

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«Zu Anfang des Monats August» 1291 trafen sich die drei Gesandten aus Uri, Schwyz und Unterwalden. Sie schworen sich dabei Treue und «Beistand zur Abwehr und Vergeltung von böswilligen Angriffen» durch fremde Aggressoren. So steht es im Bundesbrief von 1291. Mit diesem ewigen Bund im Kampf gegen die Österreicher legten sie den Grundstein der Schweiz.

Ein Blödsinn

Für Juso-Chef Cédric Wermuth ist dies Auslegung des Rütlischwurs Blödsinn. Das hat er in der Aargauer Zeitung geschrieben.
Beim Bundesbrief von 1291 handele es sich um ein Landfriedensbündnis, die zu dieser Zeit zu Dutzenden geschlossen wuden. «Mit einer heroischen Widerstandserklärung an die Habsburger oder gar der Gründung eines Staates hat das Dokument herzlich wenig zu tun», so Wermuth. Der Bundesbrief habe vor allem der Sicherung der Privilegien der Oberschicht und des Adels gedient. Das stehe sogar Schwarz auf Weiss in dem Dokument, schreibt der Juso-Chef.

«Mit dem, auf was wir heute in der Schweiz tatsächlich stolz sein können, unsere demokratische Tradition, hat der 1. August nichts zu tun – ganz im Gegenteil. Er entstammt einer Zeit, in der die Mehrheit der damaligen «SchweizerInnen» in bitterster Armut, in Knechtschaft lebend und ohne die geringsten bürgerlichen, sozialen und politischen Rechte von ihren Herren ausgebeutet wurde. Das ist nicht die Schweiz, auf die ich stolz sein kann und will.» Der 1. August als Nationalfeiertag gehört für Wermuth daher abgeschafft.

Der 12. September?

Ganz ohne Nationalfeiertag will Wermuth die Schweiz nicht lassen. Er schlägt nämlich einen neuen vor, den 12. September. An diesem Datum wurde 1848 die erste moderne Bundesverfassung der Schweiz in Kraft gesetzt. Sie fusst auf einem zentralen Grundgedanken: Nie wieder wollten sich die Menschen wegen kultureller, religiöser, sprachlicher oder politischer Unterschiede Gewalt antun. «Der 12. September steht für den Anfang der Demokratie. Eine selbst gewählte und erkämpfte Demokratie. Die Willensnation Schweiz war geboren», schreibt Wermuth.

Der Juso-Chef schlägt gleich noch ein paar weitere Gedenktage vor. Etwa einen für die Toten des Generalstreiks von 1918, einen für die Einführung der AHV, einen für das Frauenstimmrecht und einen für die Demokratie.Und noch ein paar mehr.
Wie hält es der Jungpolitiker Wermuth eigentlich selbst mit dem 1. August? Schweigt er dann? Oder hält er Festreden? Er tut Letzteres. Wermut hält an dem Tag eine Festrede - in der Zürcher Gemeinde Urdorf.

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