Jurapark

Jurapark scheidet die Geister

Noch im  Nebel: Der Nutzen regionaler Zusammenarbeit scheint vielen Gemeindevertretern noch zu wenig greifbar.

Nebel

Noch im Nebel: Der Nutzen regionaler Zusammenarbeit scheint vielen Gemeindevertretern noch zu wenig greifbar.

Ist der Jurapark ein trojanisches Pferd, welches das Oberbaselbiet einschränken wird? Oder ist er eine Chance, koordiniert die eigene Stärke zu entwickeln? Die Meinungen gehen auseinander.

Daniel Haller

Das solothurnische Thal ist bereits ein Naturpark, und morgen wird bekannt, ob der Aargauer Jura zusammen mit acht weiteren Kandidaten vom Bund als Naturpark anerkannt wird. Dazwischen, im Oberbaselbiet, rauchen dagegen in den Gemeinderäten die Köpfe, ob man ein Naturpark werden sollte - oder eben gerade nicht.

Die Meinungen sind geteilt, und teilweise auch noch nicht gemacht. So im Diegter Gemeinderat: «Das Wort ‹Park› schreckt viele ab. Vor allem Bauern befürchten, dass da alles unter eine Käseglocke gestellt wird», berichtet Gemeindepräsidentin Myrta Stohler.

Bedenken hat der Obstproduzent und SVP-Landrat Hansruedi Wirz vor einer Woche auch in der bz geäussert: Der Park sei «zu naturlastig und geht an Einwohnern und Bauern vorbei». Auf Nachfrage wird grundsätzliches Misstrauen deutlich: «In fünf Jahren kommen sie dann mit neuen Vorschriften: Gibt man ihnen den kleinen Finger, nehmen sie die ganze Hand. Und vom Geld profitieren am Schluss nur Planungsbüros.»

Ganzheitlicher Ansatz

«Es geht um ganzheitliche regionale Ansätze ländlicher Entwicklung», betont dagegen Bruno Stephan Walder, Leiter der Sektion Landschaften von nationaler Bedeutung im Bundesamt für Umwelt (Bafu). Die Qualität einer Landschaft zu bewahren und gleichzeitig eine nachhaltig betriebene Wirtschaft zu fördern, heisse nicht zuletzt, regionale Kreisläufe zu stärken.

«Davon profitieren gerade auch die Bauern.» Das Konzept gehe zudem über die Förderung nachhaltiger Wirtschaft hinaus: «Durch gemeinde- und talschaftsübergreifende, soziale und kulturelle Zusammenarbeit unter einem gemeinsamen Dach entsteht auch ein neues Bewusstsein.»

Martin Rüegg, SP-Landrat und Präsident der Steuergruppe Jurapark Baselland, erklärt, dass es keine neuen Gesetzesvorschriften geben werde. Die Landwirtschaft werde zudem stärker durch Zersiedelung bedroht als durch Landschaftsschutz. Ein touristisch nutzbares Gütesiegel für die Landschaft, sei aber nur erhältlich, «wenn nicht jeder allein vor sich hinwurstelt. Zudem ist die Mitgliedschaft freiwillig, und die Gemeinden werden selbst bestimmen, was läuft.»

Skepsis auch bei Befürwortern

Gerade der Schwerpunkt auf Landschaft und sanften Tourismus lässt aber Unentschlossene zweifeln: «Im Diegter Tal haben wir die Autobahn, da ist im Tourismus nicht viel zu holen», meint Myrta Stohler.
In einen grösseren Zusammenhang stellt Thomas Ruppli, Geschäftsführer des Vereins Pro Waldenburgertal (VPW), den Wert der Landschaft: «Standortqualität besteht nicht nur aus Wirtschaftsfaktoren. Vielmehr geht es um die Ausgewogenheit von wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und unter anderem landschaftlichen Aspekten.» Der VPW betreibe bereits, was der Jurapark nun für das ganze Oberbaselbiet anreissen möchte.

«Der VPW wird als ganzes für die Errichtungsphase des Juraparks dem Verein beitreten», erklärt Anita Schweizer (SVP), Gemeindepräsidentin von Hölstein. Die Gemeinden des Waldenburgertals werden für den Jurapark aber kein zusätzliches Geld budgetieren, sondern die Beiträge aus dem von ihnen alimentierten VPW-Topf bezahlen. «Ich bin nicht Feuer und Flamme, aber durch Diskussion lässt sich der Jurapark verändern.»

Ins gleiche Horn stösst Dieter Forter, Gemeindepräsident von Läufelfingen: «An den ursprünglichen Entwürfen übten wir Kritik. Aber wir machen mit, weil wir eine aktive Rolle übernehmen und mitgestalten wollen.»

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