Gesundheit und Lebensstil bei Jugendlichen in der Stadt Zürich

Jungen sind glücklicher als Mädchen

Jugendliche: Verlässliche Daten über ihre Befindlichkeit sind Mangelware. Eine Zürcher Studie ändert dies. (Bild: Walter Schwager)

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Jugendliche: Verlässliche Daten über ihre Befindlichkeit sind Mangelware. Eine Zürcher Studie ändert dies. (Bild: Walter Schwager)

Die grosse Mehrheit der Jugendlichen in Zürich ist glücklich. Doch das Glück ist ungleich verteilt: Jungen geht es besser als Mädchen, und wer einen bildungsfernen Hintergrund hat, dem geht es häufiger schlecht, besagt eine neue Studie.

Matthias Scharrer

Verlässliche Daten über Gesundheit und Lebensstil der Jugend sind Mangelware, wie Daniel Frey, Direktor des Schulgesundheitsdiensts der Stadt Zürich gestern vor den Medien sagte. Umso wichtiger sei die neue Zürcher Studie, in der Ferdinanda Pini vom schulärztlichen Dienst der Stadt einen kompletten Sekundarschul-Jahrgang per Fragebogen befragte. «Zumal sich in einer Stadt Trends häufig früher abzeichnen, die dann im ganzen Land spürbar sind», so Frey weiter. Wie gehts also Zürichs Jugend? 1652 von 1923 Befragten im Alter von 13 bis 16 Jahren gaben dazu Antworten.

Geschlechtsspezifische Prävention gefordert

84% der Jungen bezeichneten sich als glücklich. Bei den Mädchen lag die Quote mit 73% deutlich tiefer. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind markant: 23% der Mädchen hatten Selbstmordgedanken, bei den Jungen waren es 9%. Schmerzmittel konsumierten 57% der Mädchen und 36% der Buben. Mädchen wurden zu Hause auch häufiger körperlich bestraft als Jungen (17% gegenüber 10%). Und: Mädchen betrieben massiv weniger Sport als Jungen (15% gegenüber 44%). Pinis Fazit: «Sie sind insgesamt unzufriedener mit ihrer Lebenssituation.»

Ein Grund ist für Pini, dass Mädchen in der Pubertät häufig in Konflikt mit dem gängigen Schönheitsideal kommen, da sich die Fettverteilung in ihrem Körper ändere. In Zahlen: 52% der befragten Mädchen bezeichneten sich als zu dick. Bei den Jungen waren es 30%. Wobei zu beachten ist, dass drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler normalgewichtig sind.

Pini leitet aus ihren Befunden die Forderung nach geschlechtsspezifischer Prävention ab. Jürg Forster, Leiter des schulpsychologischen Diensts der Stadt Zürich, pflichtet dem bei. Und verweist darauf, dass 60 Prozent der Anmeldungen bei Zürichs Schulpsychologen Jungen beträfen, die durch ihr Verhalten den Unterricht störten. «Die einen haben das Gefühl, sie haben mehr Probleme, die anderen machen mehr Probleme», so Forster. Sein Fazit: «Wir müssen vermehrt auf die Stillen achten.»

Gesunde Durchmischung

Pinis im Winter 2007/8 durchgeführte Befragung zeigt auch, dass die schulisch schwächeren Jugendlichen der Sekundarstufe C und der Sonderklassen grösseren Gesundheitsrisiken ausgesetzt waren als die A- und B-Schülerinnen und -Schüler. Konkret: Übergewicht, Suchtmittelkonsum, Gewalt, Suizidgedanken und ungeschützter Geschlechtsverkehr kamen in Sek-C-Klassen klar häufiger vor. Auch die Sorge um ihre berufliche Zukunft bereitete den schwächeren Schülern mehr Sorgen.

Für den Schulpsychologen Forster bestätigen diese Befunde, dass es richtig war, Sonderklassen und Sek C in Zürich aufzuheben. «Der Gruppendruck spielt eine grosse Rolle», so Forster. Die stärkere Durchmischung ermögliche es hingegen, dass stärkere Schüler schwächere mitreissen.

Bemerkenswert sind auch Pinis Befunde zum Suchtmittelkonsum. So konsumieren Zürcher Jugendliche weniger Alkohol (Mädchen 24%/Buben 22%), Tabak (21%/19%) und Cannabis (11%/15%) als im Schweizer Durchschnitt. Allerdings liegt das Einstiegsalter in Zürich mit zwölf Jahren ein Jahr tiefer.

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