Portraet fuer den Auftakt pionier arz ärzte ärztemangel nachwuchs jugend praxis arztpraxis oberentfelden

«Jungen Ärzten fehlt Pioniergeist»

Hausarzt Robert Hasler geht in Pension. Einen Nachfolger für seine Praxis in Oberentfelden hat er nicht gefunden.

Hausarzt Robert Hasler geht in Pension. Einen Nachfolger für seine Praxis in Oberentfelden hat er nicht gefunden.

Ein Oberentfelder Arzt ging diese Tage in Pension. Damit schliesst seine Praxis für immer. Denn Hausarzt Robert Hasler hat vergeblich einen Nachfolger für seine Praxis in Oberentfelden gesucht.

Deborah Balmer

Diese Woche hat der Hausarzt Robert Hasler an der Brunnmattstrasse in Oberentfelden zum letzten Mal Patienten empfangen. Er bat sie in sein Sprechzimmer und hörte ihnen geduldig zu, vielleicht hat er ein Medikament verschrieben – so, wie es der gelernte Chirurg stets tat. Am Dienstagabend dann hat Robert Hasler seine Hausarztpraxis nach 32 Jahren für immer geschlossen.

Die Aufgabe der Praxis ist genau geplant: Seine medizinischen Geräte, darunter auch eine Liege, schickt er in die Ukraine. «Dort können sie das gut brauchen», sagt Robert Hasler. Seine Patienten hat er schon vor längerer Zeit gebeten, ihre Dokumente und Unterlagen abzuholen. In einem Zeitungsinserat hat er über die Pensionierung informiert. Nur etwas hat nicht so geklappt, wie er es sich wünschte: Obwohl Doktor Hasler seit zwei Jahren nach einem Nachfolger sucht, hat er keinen Hausarzt gefunden, der seine Praxis weiterführen würde.

Nie gestreikt, nie demonstriert

Warum es nicht geklappt habe mit dem Nachfolger? Robert Hasler hat keine Antwort parat: «Es ist mir ein Rätsel, ich weiss es nicht.» Er führe doch eine ruhigere Praxis als andere, die trotzdem wirtschaftlich sei. Vielleicht bis zu 50 Stunden habe er pro Woche gearbeitet, sagt er.

Hasler hat sich nicht wie andere mit 65 pensionieren lassen, sondern hat bis 67 weitergearbeitet und in den letzten beiden Jahren aktiv nach einem Nachfolger gesucht.

Er liess einerseits seine persönlichen Beziehungen spielen, andererseits inserierte er im Internet. Und dann – und das erstaunte ihn besonders – hat er in Ärztezeitungen in der Schweiz und in Deutschland inseriert, ohne Erfolg. Hasler kämpfte weiter: Er beauftragte eine Firma, ähnlich einem Headhunter, deren Praxisanalyse gute Noten gab. Auch der Standort Entfelden wurde gut bewertet. Dieses Ergebnis samt Fotos der Praxis konnte in Spitälern und an Kongressen von jungen Ärzten eingesehen werden. «Es ist ein Jammer, habe ich niemanden gefunden», sagt Hasler. Er vermutet:

«Den jungen Ärzten fehlt wohl der Pioniergeist.»

In seiner Praxis hat er stets ein breites Spektrum angeboten: von der Chirurgie bis hin zum Beratungsdienst. Und was hat ihm am besten gefallen an seinem Beruf? «Die Beziehung zu den Patienten – das Vertrauen, das man aufbaute.»

Ist der Beruf tatsächlich nicht mehr so attraktiv, wie man immer wieder hört? Hasler sagt von sich, dass er nicht in das Klischee der geplagten Hausärzte passe: Über ein geringes Einkommen klagt er beispielsweise nicht.

«Über all die Jahre habe ich mich nie über das Geld gemessen – man muss zufrieden sein mit dem, was man hat», so Hasler. Zwar habe er über die Jahre immer weniger verdient – und es war ein ständiger Kampf. «Aber demonstriert und gestreikt habe ich deswegen nie.»

Meistgesehen

Artboard 1