Junge lösen Konflikte mit der Kamera

Mit Mikrofon und kamera - Jugendliche filmen ihre Lebenswelt und diskutieren mit Erwachsenen über Konflikte in ihrer Gemeinde. (Bild: zvg)

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Mit Mikrofon und kamera - Jugendliche filmen ihre Lebenswelt und diskutieren mit Erwachsenen über Konflikte in ihrer Gemeinde. (Bild: zvg)

Ob es um Abfall auf dem Dorfplatz, im Einkaufszentrum rumhängende Jugendliche oder Gewalt geht – «Peopletalk» will zwischen Jugendlichen und Erwachsenen ein Gespräch über Konflikte in ihrem Dorf auslösen.

Irena Jurinak

Zwischen Jugendlichen und Erwachsenen entstehen in einem Dorf immer wieder Konflikte. Meistens ist das Unverständnis auf beiden Seiten gross, egal, ob es um Lärm, Abfall oder Gewalt geht. Das Jugendprojekt «Peopletalk» möchte Jugendliche und Erwachsene dazu bringen, über solche heisse Themen in ihrem Wohnort miteinander zu reden und nach Lösungen zu suchen. Kern des Projektes ist ein Film, den Jugendliche zu den Konflikten in ihrem Dorf drehen.

Verein führt Projekt weiter

Entstanden ist «Peopletalk» vor zwei Jahren im Rahmen der Jugendarbeit Suhr/Buchs (siehe Artikel rechts). Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen beschloss der Initiator Roy Buschbaum, Soziokultureller Animator, das Projekt unabhängig von der Jugendarbeit Suhr/ Buchs weiterzuführen und in weiteren Orten anzubieten. Zwei Aargauer Gemeinden hätten bereits Interesse angemeldet, Start ist 2010.

Die juristische Trägerschaft ist neu der Verein «Peopletalk». Thomas Gautschi, Soziokultureller Animator und Co-Projektleiter des Friedensförderungsprojektes «Peacecamps», sowie Simon Häseli, Sozialpädagoge, gehören neu zum Team.

Das Projekt baut darauf auf, dass Jugendliche in einem Dorf zu Lösungen beitragen können. «Jugendliche sind ein Teil unserer Gesellschaft», sagt Roy Buschbaum, «dass sie anecken, gehört zu ihrem Ablösungsprozess.» Jugendliche müssten ihren eigenen Weg finden. «Deshalb ist Partizipation wichtig. Repression ist zwar ein Mittel, um Probleme zu lösen. Aber nur damit geht es nicht.» Oft hätten Jugendliche gute Ideen, wenn sie zu Wort kämen.

Film erzeugt Identität

Mit der Unterstützung des Teams von «Peopletalk» filmen die Jugendlichen ihr Lebensumfeld und interviewen andere Jugendliche, Dorfbewohner, Lehrerinnen, Eltern, Politiker oder Behörden. «Der Film erzeugt hohe Identität, weil bekannte Orte und Gesichter zu sehen sind.» Der Film mache Dialoge sichtbar, die sonst gar nicht entstünden. «Der Gemeinderat und Jugendliche, der Stammtisch und der Ausländerverein äussern sich dann zum gleichen Thema.»

Eine Plakataktion mit Fotos von lokalen Jugendlichen und Statements ergänzt das Projekt und weist auf die Filmpremiere hin. Ausserdem entsteht eine Website mit Infos zum Projekt sowie einem Diskussionsforum. Alle Bewohner können Ideen zur Problemlösung beitragen.

«Peopletalk» will mit kantonalen Fachstellen, Bund und privaten Fachorganisationen als Partnern zusammenarbeiten. Die Fachhochschule Nordwestschweiz soll das Projekt wissenschaftlich begleiten und dessen Wirksamkeit untersuchen. Welche Wirkung das Projekt haben kann, zeigt das Beispiel eines Jugendlichen, der am Urprojekt teilgenommen hatte. Er hatte Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden. Bis ein Personalchef erfuhr, dass er bei «Peopletalk» mitgewirkt hatte. Er fand den Film toll und lud den jungen Mann zum Vorstellungsgespräch ein.

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