Andrea Flückiger

Obwohl Sarah Roder erst 25 Jahre alt ist, kann sie auf eine lange Karriere als Ehrendame zurückblicken: das erste Mal durfte sie nämlich bereits als 14-Jährige diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen. «Meine Grossmutter hatte eine wunderschöne Berner Sonntagstracht und lieh diese auch gerne aus, wenn jemand sie tragen wollte.» Da Sarah Roder nach ihrem ersten Auftritt bei der Musikgesellschaft Thörigen ihre Grossmutter immer wieder um die Tracht bat, meinte diese eines Tages: «Weisch was? Ig schänke dir doch mini Tracht.»

Seit diesem Tag trägt die junge Thörigerin mit Stolz die etwa 70-jährige Tracht: «Es ist immer noch die Originaltracht, die meine Grossmutter wahrscheinlich auf ihre Hochzeit hin bekam - bis auf beispielsweise die Samt, die in all den Jahren des Tragens gelitten hatte und ersetzt werden musste.»

Sie ist weit herumgekommen

Da der Vater schon damals bei den Hornussern gewesen war, fragte er Sarah bald einmal, ob sie nicht auch bei ihnen als Ehrendame auftreten wollte. «Da habe ich natürlich sofort zugesagt.» Heute macht Roder nicht nur bei der Musikgesellschaft Thörigen, sondern auch bei der Musikgesellschaft Inkwil und bei Hornussergesellschaften aus der Umgebung mit.

Einmal durfte sie mit einer Kollegin bei den Berner Schützen als Ehrendame auftreten. Sehr eindrücklich sei es gewesen, neben dem damaligen Bundesrat Samuel Schmid zu stehen. «Einen grösseren Gentleman als ihn habe ich übrigens nirgends erlebt. Er hat stets Rücksicht auf uns genommen - und ist auch immer erst abgesessen, wenn wir bereits Platz genommen hatten.»

Trachten gehören einfach dazu

Ein besonderes Erlebnis sei auch ein Auftritt mit der Musikgesellschaft Thörigen in Deutschland gewesen, sagt Sarah Roder: «Dort hat man richtig gemerkt, dass die Leute so reiche Trachten wie die Berner Sonntagstracht nicht gewohnt sind. Das Publikum hat uns nämlich während des Marschs immer wieder applaudiert und zugerufen, wie wunderschön wir anzusehen seien.»

Für Sarah Roder gehört die Tracht zum Amt der Ehrendame dazu: «Wir wurden als Ehrendame auch schon modern eingekleidet - aber das ist einfach nicht dasselbe.» Erstens verleihe das Tragen der Tracht jedem Anlass sofort einen feierlichen Rahmen, zweitens stehe die Tracht einfach jeder Frau - unabhängig von deren Alter und Figur.

Deswegen sei sie auch sehr glücklich, dass die Höchstetter Hornusser es zustande bringen würden, für das Eidgenössische Hornusserfest im August genügend Ehrendamen in Tracht aufzubieten: «Immerhin sind wir insgesamt etwa 70 Ehrendamen, die über die beiden Wochenenden im Einsatz stehen.»

Vom Küssen und Tauschen

Die Hauptaufgabe der Ehrendamen am Hornusserfest wird natürlich die Übergabe der Preise und das Küssen der Gewinner sein. Sarah Roder grinst, als sie erzählt, dass an den Preisverleihungen jeweils alles zu erwarten sei: «Da gibt es solche, die vor der Preisverleihung extra duschen gehen, sich schön anziehen und sich gar frisch rasieren - und andere kommen mit Dreitagebart direkt vom Spielfeld.»

Natürlich würden auch diejenigen, die bei den Festen geehrt werden, im Voraus abzählen, zu welcher Ehrendame sie es beim Ehrenkuss treffen werden: «Und da wird manchmal auch noch mehr oder weniger heimlich die Reihenfolge gewechselt, wenn eine besonders hübsche Ehrendame einen entsprechenden Preis trägt», weiss die 25-Jährige.

Ob die Hornusser allerdings dieses Mal bei der Siegerehrung auch tauschen werden, steht noch gar nicht fest. Denn Gerüchten zufolge soll es in Höchstetten nur hübsche Ehrendamen geben - und eine davon wird Sarah Roder sein.