«Junge Dame

«Junge Dame, sie fahren ohne Vignette»

Licht, Bremsen und Vignette sind in Ordnung. Nur das Rücklicht ist defekt.  (Bild. Angelo Zambelli)

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Licht, Bremsen und Vignette sind in Ordnung. Nur das Rücklicht ist defekt. (Bild. Angelo Zambelli)

Polizei, bfu-Sicherheitsdelegierte und Schulpfleger kontrollieren die Fahrräder der Schülerinnen und Schüler. Die Polizisten finden, dass die Velos in deutlich besserem Zustand sind als in den Vorjahren.

Angelo Zambelli

7.20 Uhr: Es ist empfindlich kalt. Spätherbstnebel liegt über dem unteren Aaretal. Beim Velounterstand der Schule Kleindöttingen stehen zwei Beamte der Kantonspolizei Klingnau und unterhalten sich mit den beiden Schulpflegern Franco La Rosa und Pius Sutter. Eine erste Tranche von knapp über 50 jugendlichen Velofahrerinnen und Velofahrern haben die vier Männern bereits auf ihre Fahrtüchtigkeit überprüft. Jetzt ist Zeit für einen kurzen Schwatz

7.30 Uhr: Die erste Schülerin der zweiten Welle kommt angefahren. Die Polizeipräsenz auf dem Areal irritiert sie. Doch die Polizisten haben nicht die Absicht, als Staatsgewalt aufzutreten. Sie möchten aufklären über die Gefahren, denen sich Jugendliche aussetzen, wenn sie ohne Licht unterwegs sind oder wenn die Bremsen nicht mehr richtig funktionieren.

Der Beamte geht auf das Mädchen zu und fragt in väterlichem Ton, ob er sich das Velo genauer anschauen könne. «Licht und Bremsen sind in Ordnung. Aber die junge Dame fährt ohne Vignette», stellt der Polizist schon nach wenigen Sekunden fest. «Tschuldigung», sagt das Mädchen, «Das ist so: Mein Papi hat eine Vignette gekauft und auf das Velo geklebt. Aber jemand hat sie wieder abgerissen.» «Dann musst Du halt zum Papi gehen und ihm sagen, dass er eine neue kaufen muss», entgegnet der Polizist und erteilt der «jungen Dame» noch den Ratschlag, das Fahrrad mit dem Schloss vor Diebstahl zu sichern.

Damit ist die Sache aber noch lange nicht erledigt. Schulpfleger Pius Sutter notiert Name und Beanstandung auf einer Liste. Die Eltern werden über die festgestellten Mängel unterrichtet und sind aufgefordert, diese zu beheben oder beheben zu lassen. Nach einer bestimmten Zeit kontrollieren die Klassenlehrer, ob die Fahrräder tatächlich in Ordnung gebracht worden sind.

7.35 Uhr: Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Die Jugendlichen fahren im Sekundentakt auf das Schulareal. Ganz schlaue haben den Braten gerochen - oder sind vorgewarnt worden - und wollen ihre Fahrräder unbemerkt beim kleinen Velounterstand am Kirchweg abstellen. Doch da stehen bereits der bfu-Sicherheitsdelegierte Bruno Bernet und Schulpfleger Ueli Moser und nehmen die jugendlichen Radfahrer in Empfang. Weshalb die Schüler die Kontrolle umgehen wollten, ist schnell klar: «Von 9 kontrollierten Fahrrädern waren beim kleinen Unterstand nur gerade 2 in Ordnung. Alle anderen wiesen Mängel auf», bilanzieren Bernet und Moser nach getaner Arbeit.

Beim grossen Unterstand jedoch machen die Polizisten und Schulpfleger überwiegend positive Erfahrungen: «Die Velos sind in diesem Jahr in deutlich besserem Zustand als in den Vorjahren», sagt Schulpflegepräsident Franco La Rosa. Er führt die Fortschritte in erster Linie auf die Aktion «Nationaler Tag des Lichts» zurück, die in diesem Jahr zum dritten Mal durchgeführt wurde. La Rosa: «Es ist offensichtlich, dass die Mehrzahl der Eltern die Beratung schätzt und auch ohne Anzeige bereit ist, die Fahrräder ihrer Kinder periodisch zu prüfen und in Ordnung zu halten.» Schulpfleger Pius Sutter sieht die Sache ein wenig anders, vermutlich, weil er das Sündenregister führt und seine Pappenheimer kennt. Seine Erkenntnis: «Bei so vielen Schülern gibt es neben den vielen Pflichtbewussten immer auch einige, die beratungsresistent sind.»

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