Vogelwelt

Jungadler als Stressfaktor für brütende Steinadler

Adulter Steinadler (Archiv)

Adulter Steinadler (Archiv)

Nur rund die Hälfte der Steinadlerpaare im Engadin haben dieses Jahr Lust am Brüten gezeigt. Schuld sind Jungadler, die die Brutpaare stressen. Damit werden die Jungen zur «natürlichen «Geburtenkontrolle».

Der Grund dafür ist der reich gedeckte Tisch im Alpenraum. Der harte Winter hat viele tierische Opfer gefordert - Leckereien für die Adler. Unverpaarte Jungadler - auf Streifzügen durch die Alpen - dringen auf ihrem Gourmetzug in das Territorium von lokalen Paaren ein.

Luftkämpfe seien dann vorprogrammiert, teilte die Vogelwarte Sempach mit. Nicht selten führen diese zum Tod der Rivalen. Seit Januar seien deshalb im Val Lumnez GR ein Weibchen und ein junges Männchen gleichzeitig und im Engadin zwei verpaarte Adler zu Tode gekommen.

"Es liegt auf der Hand, dass derart gestresste Adlerpaare kaum Zeit für ihr Brutgeschäft finden", schrieb die Vogelwarte. Von 31 Steinadlerpaaren im Engadin konnten diesen Frühling bei 18 von ihnen Bruten nachgewiesen werden, 6 haben ihre Brut bis Ende Juni wieder abgebrochen. Im südlich angrenzenden Nationalpark Stilfser Joch (I) brüteten von 13 Paaren nur vier.

Damit liegt die Brutaktivität der Steinadler deutlich tiefer als im langjährigen Mittel. Der geringe Bruterfolg sei Ausdruck einer hohen Dichte von Steinadlern im Alpenraum.

In den Schweizer Alpen gibt es heute wieder 320 Steinadlerpaare. Für weitere Paare ist kaum mehr Platz. Vor hundert Jahren war der Steinadler praktisch ausgestorben.

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