Umfrage
Jugendliche auf der Sinnsuche

2000 Jugendliche beteiligten sich an der Umfrage zu den Sorgen junger Menschen. Auffallend ist: Jeder und jede fünfte hadert mit dem Leben.

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Semesterarbeit Jugendsorgen

Semesterarbeit Jugendsorgen

Solothurner Zeitung

Nicole Aregger

«Die Hauptsorge war einerseits überraschend, andererseits auch vorhersehbar», meint Beat Baumann, Geschäftsführer des Vereins Livenet. «Über die Hälfte der Teilnehmenden machen sich nämlich über die Schule und den dort herrschenden Leistungsdruck Sorgen.»

Dies ergaben die Auswertungen einer Online-Umfrage, die Livenet im Rahmen einer Semsterarbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz durchführte. «An zweiter Stelle kommen Beziehungsstress, dicht gefolgt von finanziellen und familiären Problemen.» Platz fünf erstaunte Baumann allerdings.

«Quasi jeder fünfte sorgt sich um den Sinn des Lebens.» Deshalb überrasche es nicht, dass 17 Prozent der Teilnehmenden an Niedergeschlagenheit und Depressionen leiden und fast 3 Prozent der Jugendlichen angaben, schon mal Suizidgedanken gehabt zu haben.

Die Wirtschaftskrise hingegen scheint sich nicht speziell auf die Befindlichkeit der Jugendlichen zu schlagen. «Es wurden schon Sorgen im Bereich von Beruf und Zukunft protokolliert, aber das ist nicht vorherrschend», so Baumann.

Hilfe bei Suizidgedanken

Nach dem Motto: «Ich bin für dich da», suchen Jugendliche bei Problemen und Sorgen Hilfe bei Freunden und Familie. «Die konkrete Auseinandersetzung mit den ‹Sorgen auslösenden› Personen ist weniger der Fall», erkennt Baumann aus der Studie. «So kommt es bei der Hauptsorge von Jugendlichen, der Schule, nicht zum Gespräch mit den Lehrern, um eine Lösung für die Probleme zu finden.»

Von Jugendlichen Für jugendliche

Im Rahmen einer Semsterarbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten befassten sich die vier Wirtschaftsstudenten Natalia Nechitaylova, Christina Peterhans, Thomas Hostettler und Stefan Zumsteg mit den Anliegen und Sorgen junger Menschen (16 bis 25 Jahre). Zwecks repräsentativer Ergebnisse hofften die Studierenden auf 1000 Teilnehmende. Schliesslich kam es zu 2000 gültigen Rückmeldungen. (nag)

Telefonberatung, Chats und E-Mail Kontakt seien die beliebtesten ausserfamiliären Anlaufstellen, um sich den Frust von der Seele zu reden und Lösungen zu finden. Soziale Netzwerk-Portale wie Facebook hingegen haben lediglich untergeordnete Bedeutung.

«Bei Facebook ist die Anonymität nicht gewahrt.» Vielen sei dies unangenehm. «Bei existenziellen Problemen wie Suizidgedanken, wollen die Betroffenen aber auch nicht mit Freunden und der Familie reden», erklärt Baumann. In diesem Zusammenhang bevorzugen die Jugendlichen Internetseiten wie jene des Vereins Livenet, wo sie anonym ihre Probleme schildern können und beraten werden.

Die Studie hat - bezogen auf den Frageraster und die Anzahl der Teilnehmenden - in der Schweiz Seltenheitswert. Natürlich seien, so Baumann, viele der Erkenntnisse nicht neu. Die Befragung habe aber auch überraschende Aspekte zu Tage gefördert - wie die situationsbezogene Wahl der Kommunikationskanäle. Baumann kann sich deshalb durchaus vorstellen, eine ähnliche Umfrage erneut durchzuführen.

Die detaillierten Ergebnisse der Semesterarbeit können unter www.jugendsorgenbarometer.ch eingesehen werden.

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