PPal
John fordert 4,13 Milliarden

Am zweiten Verhandlungstag des PPal-Prozesses kamen die Beschuldigten zu Wort. Beide Anwälte verlangten für ihre Mandanten einen Freispruch in allen Punkten, verbunden mit Genugtuung und Schadenersatz.

Drucken
Teilen
Michael John

Michael John

Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

«Ohne das Strafverfahren mit Untersuchungshaft hätte die PPal ihre Produktion spätestens 2006 aufnehmen und Geld verdienen können», sagte Strafverteidiger Yves Derendinger, der den deutschen Geschäftsmann Michael John vor Amtsgericht Solothurn-Lebern verteidigte. John wird vorgeworfen, mehrere 100 000 Franken Firmenvermögen für Privatzwecke verwendet zu haben.

Die Vorwürfe «unwahre Angaben über kaufmänische Gewerbe, ungetreue Geschäftsbesorgung, Misswirtschaft und Unterlassung der Buchführung» werden von John integral abgestritten. Er verlangte über seinen Anwalt im Gegenteil jetzt eine geschäftliche Schadenersatzsumme von 4,13 Milliarden (sic!) Franken und eine private von 626 000 Franken.

Solidaritätswelle mit John

Es sei mitnichten so, dass John die Aktionäre der PPal hinters Licht geführt habe. «Der allergrösste Teil der Aktionäre fühlte sich nicht geschädigt oder getäuscht, sonst hätten sie nicht in einem Solidaritätschreiben die Freilassung von John aus der Untersuchungshaft gefordert», sagte Derendinger. Weniger als ein Drittel der Anleger forderten heute Schadenersatz. Dass sie ein riskantes Investment tätigen, sei ihnen bewusst gewesen.

Derendingers Hauptverteidigungslinie war hingegen formaler Natur. Das ganze PPal-Verfahren verletze den Anklagegrundsatz und damit ein zentrales Element eines jeden Strafprozesses: «Die Vorwürfe müssen so konkretisiert und mit Beweisunterlagen untermauert sein, dass sich die Angeklagten Punkt für Punkt wehren und die Anklagen entkräften können», kritisierte der Anwalt.

Genau dies sei hier nicht möglich, weil sich die allenfalls in Frage kommenden Beweismittel auf 30 000 Seiten in hundert Bundesordnern verstreuen. Auf diese Beweismittel würde in der Anklageschrift auch nur sehr rudimentär verwiesen. Das Plädoyer der Anklage habe zudem auf Sachverhalte verwiesen, die aus der Anklageschrift nicht hervorgehen.

Allein die Verletzung dieses Anklagegrundsatzes müsse zum Freispruch des Mandanten führen. John sei in allen Punkten freizusprechen, beispielsweise auch, weil sein Solothurner Partner H. als Verwaltungsratspräsident verantwortlich für die Buchhaltung gewesen sei.

Wer ist der Chef?

Genau hier, bei der Frage, wer für die Vorgänge der PPal die faktische Verantwortung trage, knüpfte Reto Gasser, der Strafverteidiger von H. an. Sein Mandant sei von Johns weltmännischem Auftritt und seiner Eloquenz zunächst beeindruckt gewesen - wie andere PPal Aktionäre auch.

In der Folge habe sich aber gezeigt, dass H. von John lediglich als Strohmann benutzt wurde, um seine Ziele zu erreichen. Wie von der Staatsanwaltschaft richtig dargestellt, habe John in der Firma alles bestimmt und selbstherrlich regiert. «H. musste ihm stets zu Diensten sein.»

Die für die Buchhaltung nötigen Belege habe H. wiederholt eingefordert, habe aber nur Ausreden und Vertröstungen gehört. Das hohe Beraterhonorar, das H. für John genehmigte, sei für dessen globale Aktivitäten nicht unüblich - «wenn er sie denn wirklich wahrgenommen hätte.»

Nach etwas über acht Monaten stieg H. aus der Firma aus, gab John aber weitere private Darlehen, in der Hoffnung, später doch noch Geld zu sehen. Privat und geschäftlich stehe H. jetzt als ruinierter Mann da - allein weil er sich auf Michael John einliess.

Staatsanwalt Rolf von Felten verteidigte in seiner Replik das prozessuale Vorgehen. Das Anklageprinzip sei keineswegs verletzt, denn dies hätte das Gericht und selbst die Beschuldigten längst vor dem Hauptprozess feststellen können. Sein Vorgehen stimme mit der (kantonalen) Strafprozessordnung völlig überein.

Während der Angeklagte H. in seinem Schlusswort Bedauern äusserte, landete John einen verbalen Rundumschlag, wobei er vor allem den Staatsanwalt mit harscher Kritik eindeckte und ihm «schlampiges Vorgehen» vorwarf. Das Urteil wird für heute erwartet.