Marion Kaden

Sie realisierten zudem aufwändige klinische Studien zum Wirkungsvergleich von chemischen Standardtherapeutika und Pflanzenheilmittel und konnten nicht selten die Gleichwertigkeit von pflanzlichen und synthetischen Präparaten bei leichten und mittelschweren Depressionen zeigen. Doch die Kritik an chemisch-synthetischen Antidepressiva trifft auch die Beurteilung pflanzlicher Präparate.



Denn wenn Standard-Antidepressiva nicht viel taugen, ist auch der Nachweis einer Wirkung von Johanniskraut-Präparaten nicht gerade aussagefähig. Hinzu kommen weitere Erschwernisse. Nach wie vor ist nicht klar, welche Inhaltsstoffe von H. perforatum eigentlich für die antidepressiven Effekte verantwortlich sind. Die Bedeutung des bisher im Vordergrund stehenden Inhaltsstoffs Hypericin wird zunehmend angezweifelt. Zudem fordern schulmedizinisch orientierte Wissenschaftler neue und sinnvolle Standardisierungen der Extrakte, um so überhaupt vergleichbare Behandlungen durchführen zu können.

Interessenfreie Forschung nötig


Das englische Cochrane-Netzwerk, eine unabhängige Institution von Wissenschaftlern und Ärzten, die weltweit Übersichtsarbeiten zur Bewertung medizinischer Therapien auf Grundlage wissenschaftlicher Publikationen vornimmt, fand in einer Metaanalyse zur Studienlage bei der antidepressiven Wirkung von Johanniskraut heraus, dass etliche Autoren finanziell nicht unabhängig gearbeitet hatten. In grösseren, methodisch einwandfreien Studien, welche die Wirkung von Präparaten anhand der Hamilton-Depressionsskala ermittelten, zeigte sich ein zwar statistisch signifikanter, aber dennoch nur sehr geringer Vorteil von Johanniskraut gegenüber Placebowirkstoffen.

Das fragwürdige Vorgehen rund um die Erforschung von Antidepressiva zeigt auch, dass die Zulassungsbedingungen von chemisch definierten Präparaten einer dringenden Überarbeitung bedürfen. Es zeigt, dass eine unkritische Anlehnung an schulmedizinische Kriterien zum Nachweis der Wirkung pflanzlicher Arzneien in methodische oder inhaltliche Sackgassen führen kann. Nötig wären grosszügige Investitionen, um Inhaltsstoffe und Wirkweisen pflanzlicher Präparate interessenfrei zu erforschen. Das wäre ganz im Sinn der Bevölkerung, die nach wie vor Wert auf nebenwirkungsarme und heilwirksame Phytotherapeutika legt.

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