Jobticket und Jackpot für Bahnreisende

Wie verbessert man die Mobilität und spart gleichzeitig Kosten? Um diese Frage drehte sich ein Anlass im Briefpostzentrum Härkingen, organisiert von so!mobil, dem Mobilitätsmanagement im Kanton.

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Solothurner Zeitung

Urs Amacher

Mobilität gehört zum Alltag: Wir pendeln zur Arbeit, reisen geschäftlich an Sitzungen und Tagungen und machen Kundenbesuche. Mit dem Resultat, dass die Strassen mehr und mehr überlastet sind. Hier setzt das Mobilitätsmanagement an. «Es geht darum, Verkehr zu vermeiden, allenfalls den Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr zu verlagern und ihn erträglicher zu gestalten», erläuterte Andreas Blumenstein vom Beratungsunternehmen Büro für Mobilität (BfM). Mit einem optimierten Mobilitätsverhalten lassen sich Kosten sparen, die Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit erhöhen und erst noch etwas zur Umweltschonung beitragen. Nicht zu reden von der Gesundheit.

Häufig ist der zunehmende Mangel an Parkplätzen der Auslöser, dass Unternehmen aktiv werden. In diesem Zusammenhang konnte Blumenstein auch gleich ein Vorurteil ausräumen: «Dort, wo man die Parkplätze versteigerte, zeigte sich, dass diese gar nicht so begehrt waren.» Das verbale Aufbegehren war offensichtlich grösser als die Steigerungsgebote. Um Firmen bei ihrem Mobilitätsmanagement zu unterstützen, bietet ihnen so! Mobil eine Erstberatung an. Diese beinhaltet ein kurzer Bericht mit Handlungsansätzen, eine Kosten-Nutzen-Analyse und Anregungen zur Umsetzung.

Christoph Mösch, Leiter des Härkinger Briefpostzentrums, erläuterte, wie sein Unternehmen mit der Baubewilligung die Auflage erhielt, maximal 1070 Fahrten pro Tag zu generieren. Zudem musste das Briefpostzentrum an den öffentlichen Verkehr angebunden werden. Heute fährt die auf die SBB abgestimmte Buslinie 513 im Halbstundentakt direkt vor den Eingang. Gleichzeitig werden unter anderem die Parkplätze bewirtschaftet und Fahrgemeinschaften durch finanzielle Anreize gefördert.

Diverse Unterstützungen von Firmen

Andreas Ellenberger, der Umweltbeauftragte der Firma Weleda, berichtete ebenfalls von seinen praktischen Erfahrungen. Für Weleda, die natürliche Heilmittel und Kosmetika herstellt, gehört die Schonung der Umwelt zur Unternehmensphilosophie. Sie legt jährlich Rechenschaft darüber ab. Der studierte Agronom Ellenberger pflichtet Andreas Blumenstein bei: es braucht eine Vielfalt von Massnahmen, die sich gegenseitig unterstützen. Weleda subventioniert die Bahn- und Busabonnements seiner Mitarbeiter, unterstützt auch die Teams, die bei «bike to work» mitmachen, initiierte einen Aktionstag «weg vom motorisierten Individualverkehr», wo auch Flyer-Velos getestet werden konnten. Zudem animierte Weleda das Personal, Fahrgemeinschaften zu bilden und macht Vorstösse bei den Behörden, das Angebot des öffentlichen Verkehrs zu verbessern. Konkrete - auch finanzielle - Einsparungen wurden erzielt durch Videokonferenzen statt Reisen, durch ständige Optimierung der Fahrzeugflotte und durch intelligente Nutzung der Bahn für weite Distanzen. Als nächstes ist geplant, Elektrobikes anzuschaffen, um bei Fahrten im Nahbereich schneller und beweglicher zu werden.

Eine kleine Umfrage bei Anwesenden zeigt: Die Mobilitätsveranstaltung war wertvoll. Daniel Vogel, Logistik-Verantwortlicher bei der Firma Hörmann Schweiz AG in Oensingen, ist neu motiviert worden, sich für die Optimierung der Fahrzeugflotte weiter zu engagieren. Und Robert Vogt von der Regio Energie Solothurn betont, dass seine Firma seit Jahren Abonnements und Jobtickets der Mitarbeiter subventioniert. Als gute Anregung nimmt er die Firmen-Elektrobikes mit: «Mit dem Zweirad ist man im städtischen Verkehr sicher beweglicher».

Info www.so-mobil.ch

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