Bettina Hamilton-Irvine

«Ich werde schon seit Monaten nach der Schweinegrippeimpfung gefragt», sagt der Dietiker Hausarzt René Schmid. Dem Urdorfer Hausarzt Christopher Meerwein geht es ähnlich: «Ich werde immer wieder darauf angesprochen.» Mit grosser Verzögerung zu anderen Ländern ist die Schweiz nun auch in den Startlöchern für eine grossangelegte Impfaktion gegen das H1N1-Virus. Ab Mitte November sollen Risikogruppen geimpft werden, im Dezember dann der Rest der Bevölkerung.

Doch generell herrscht wenig Vorfreude: Laut einer Umfrage des «Sonntags-Blick» wollen sich 86,4 Prozent der Schweizer Bevölkerung nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Düstere Aussichten für das Bundesamt für Gesundheit (BAG), welches bei der Bestellung der Impfstoffe grosszügig war: 13 Millionen Dosen wurden bei GlaxoSmithKline und Novartis angefordert.

Darüber, ob diese nun wirklich auch benötigt werden, herrscht auch in der Region Unsicherheit. Im Spital Limmattal hat man sich noch nicht entschieden, ob ein Impf-Service für die Bevölkerung angeboten wird. «Wenn man davon ausgeht, dass sich wirklich fast niemand impfen lassen wird, dann reicht es, wenn die Hausärzte die Impfungen anbieten», sagt Basil Caduff, Chefarzt Medizin am Spital Limmattal. Er gehe jedoch davon aus, dass die Schweinegrippewelle nun Zürich erreicht habe und sich somit mehr Personen impfen lassen wollen. Wie Spitaldirektor Gregor Frei bestätigt, würden nun auf jeden Fall zuerst die Impfungen für das Personal und die Risikopatienten organisiert.

Noch Unsicherheit über Bedarf

Auch für die Hausärzte, welche den Impfstoff wohl ab nächster Woche beim Kanton bestellen können, ist es schwierig abzuschätzen, wie beliebt die Impfung sein wird. Der Bedarf sei sicher da, sagt Hausarzt René Schmid aus Dietikon: «Viele meiner Patienten sind treue Impfer.» Er habe jedoch bemerkt, dass sich auch viele Prominente kritisch gegen die Impfung äussern würden und dass sich die Leute teilweise vor Nebenwirkungen sorgten. «Aufgrund widersprüchlichen Aussagen könnte ich mir vorstellen, dass sich weniger impfen lassen als bei der saisonalen Grippe.»

«Keine medizinische Notwendigkeit»

Christopher Meerwein, Hausarzt aus Urdorf, spürt bei der Bevölkerung ebenfalls eine gewisse Verunsicherung: «So wie sich die Informationslage entwickelt hat, haben viele Leute genug von der Schweinegrippe und wollen sich auch nicht impfen lassen.» Doch er sei überzeugt, dass dies noch ins Gegenteil kippen werde. Er finde es wichtig, dass keine Panik verbreitet werde, betont Meerwein: «Ein gesunder Mensch hat von der Schweinegrippe nichts zu befürchten, ausser ein paar Tage im Bett. Die Impfung ist also keine medizinische Notwendigkeit, aber es gibt sicher Gründe, die dafür sprechen.»

Bisher sind in der Schweiz 1761 Personen an der Schweinegrippe erkrankt - gestorben ist noch niemand. Obwohl die Schweinegrippe sehr ansteckend ist, ist der Erreger relativ mild im Vergleich zum saisonalen Influenzavirus. An diesem erkranken in der Schweiz gemäss BAG jährlich rund 200 000 Personen, bis zu 1000 sterben daran. Weltweit sind es schätzungsweise 300 000 Personen pro Jahr. An der Schweinegrippe sind in Europa bisher 317 Personen gestorben.