Jetzt wird der Magen des Flamingos untersucht

Wovon hat der Flamingo am Flachsee bei Bremgarten gelebt? Litt er während der zweieinhalb Wochen in Freiheit wirklich Hunger? – Bald wird der Kadaver im Tierspital Zürich untersucht.

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Der Magen des Flamingos wird untersucht

Der Magen des Flamingos wird untersucht

Sabine Kuster

Er hätte seine Flügel später bloss für einen Luftsprung benutzen sollen, um ein Flamingo-Weibchen erfolgreich zu begatten. Doch stattdessen flog der Flamingo bis an den Flachsee. Nächste Woche kommt er zurück – tiefgekühlt in einem Auto des Zoos Zürich. «Unser Chauffeur hat den Transport in seinem Auftragsbuch», sagt Robert Zingg, Kuratur am Zoo Zürich. Sobald der Chauffeur Zeit hat, wird der tiefgefrorene Vogel zurück nach Zürich geholt.

Dass der Kadaver tiefgefroren wurde, ist ungewöhnlich – normalerweise kühlt der Zoo seine toten Tiere bloss, bis diese im Tierspital untersucht werden. Dass er tiefgefroren wurde, gibt dem Zoo mehr Zeit, mit der Untersuchung zu beginnen – allerdings ist nicht sicher, ob der Frost die Ergebnisse beeinträchtigen wird.

Hatte der Vogel noch Fettreserven?

Eine Arbeitsgruppe wird den Flamingo im Tierspital allgemein untersuchen. «Wir geben unsere toten Tiere generell in die Sektion, denn daraus erhalten wir interessante Informationen», sagt Zingg. In diesem Fall ist der Zoo aber vor allem am Inhalt des Magen-Darm-Traktes interessiert. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, welche Nahrung der Flamingo am Flachsee gefunden hat. Auch wird untersucht, wie viele Fettreserven der Vogel noch hatte. Danach wird klar sein, ob der Flamingo am Flachsee wirklich hungern musste.

Je nach Zustand des Vogelkörpers nach der Sektion wird der Flamingo dem Zoologischen Museum Zürich übergeben. Da Flamingos in der Regel lange leben und in Gefangenschaft bis zu 60 Jahre alt werden können, ist ein toter Flamingo entsprechend selten. Laut Zingg kommt jeweils infrage, ein Tier für Ausstellungszwecke auszustopfen oder bloss den Balg in die Sammlung zu geben. Dort werden die Hüllen der Tiere für wissenschaftliche Zwecke in Schubladen gelagert.

Bessere Kommunikation mit Aargau

Die Aargauer Jagdverwaltung und der Zoo Zürich wollen weiter in Kontakt bleiben. «Das Ziel ist, die Kommunikation zu verbessern», sagt Robert Zingg. Dies für den Fall, dass wieder einmal ein Tier ausbüxt und sich im Aargau niederlässt. – Der Zoo Zürich will jedoch auch seine Kompetenz zur Verfügung zu stellen, wie mit exotischen Tieren allgemein umzugehen ist. René Andermatt, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei, war gestern und vorgestern für eine Stellungnahme – insbesondere zu den heftigen Protesten aus der Bevölkerung – nicht erreichbar. Die Kommunikationsverantwortliche des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt, Susanne Steffen, berief sich weiterhin darauf, man habe den Vogel vor dem Hungertod bewahrt.

Im Zwillbrocker Venn, nahe der deutsch-holländischen Grenze, wo eine wilde Flamingo-Kolonie versuchsweise lebt, ernähren sie sich von Krebstierchen, Einzellern und Algen, die auch am Flachsee vorkommen dürften, berichtete der «Tages-Anzeiger».