Party
Jetzt machen die 12 bis 17-Jährigen Party

Früher gab es die Wander-Discos. Heute können die Jugendlichen schon mit 12 Jahren in Clubs abtanzen – statt gelangweilt herumzuhängen.

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Erstmals Club-Luft schnuppern

Erstmals Club-Luft schnuppern

Silvia Schaub

Die Party beginnt für Nicky und Leonie bereits am Vorabend. Die Mädchen stehen vor dem Kleiderschrank und diskutieren eingehend, was sie am nächsten Tag tragen wollen. Es wird ausprobiert, kombiniert, wieder verworfen und nochmals von neuem gestylt. Ins Handtäschchen werden vorsorgehalber Lipgloss und Lidschatten gepackt. «Und den Spiegel auch», verrät die 12-jährige Leonie am nächsten Tag im Zug nach Basel.

Ihre erste Party steht vor der Tür. Die Freundinnen haben ein Ticket für das Chupa Chups Disco Dome im Basler Club Fame gewonnen und dürfen nun von 14 bis 17 Uhr für drei Stunden in die Welt der Erwachsenen hineinschnuppern – abtanzen und dabei sogar noch ihre Stars treffen und sich mit ihnen fotografieren lassen.

Kichernd und aufgeregt stehen sie inzwischen vor dem Eingang in der Schlange. Wie einige hundert andere Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren auch. Einige Jungs davon mit viel Gel in den Haaren und den neusten Gadgets in den Händen; einige der Mädchen haben nicht nur Lippenstift aufgetragen, sondern auch Wangenrouge, obwohl das gar nicht nötig wäre, weil ihre Backen ohnehin vor Nervosität glühen. «Ich möchte unbedingt ein Autogramm von Bligg», sagt die 14-jährige Soraya bestimmt. Eine Strategie hat sie bereits: Wenn er seinen Auftritt habe, werde sie gleich hinter dem Mischpult warten, meint sie strahlend.

Auch Pascal Kaeser strahlt. Er ist mit Mike Schälchli der Organisator des Anlasses. «In meiner Jugend gab es noch die Wander-Discos, die sind heute einfach verschwunden.» Ihre Agentur, die TIT-PIT GmbH, versucht, mit den Disco Domes diese Tradition wieder aufzugreifen. Und man erinnert sich wieder an die Nachmittage, an denen man für die Wander-Discos kilometerweit mit dem Mofa gefahren ist,
an das prickelnde Gefühl, ob wohl der Herzensjunge zum Tanz auffordert.

«Heute wissen die Jugendlichen oft nicht, was sie am Mittwochnachmittag unternehmen sollen. Wir wollen ihnen eine sinnvolle Alternative bieten.» Ohne Alkohol und Rauchen notabene. In der Tat wird am Basler Anlass strikt darauf geachtet, dass keine einzige Flasche Alkohol an der Bar sichtbar ist, die Zigarettenautomaten sind abgeklebt. Und die wenigen Raucher werden rigoros nach draussen auf den Platz geschickt.

Das mag man als Eltern nur begrüssen – und ist dennoch skeptisch: Müssen die Kids tatsächlich schon ab 12 Jahren mit der Clubwelt der Erwachsenen in Kontakt kommen? «Es ist eine Tatsache, dass die Clubwelt immer jünger wird», entgegnet Kaeser. Wenn die grosse Schwester am Freitag ausgehe, würde das der kleine Bruder auch gern. Es ist Kaeser bewusst, dass noch einiges an Überzeugungsarbeit für die Partys geleistet werden müsse – bei den Eltern, aber auch bei den Behörden. Und dann die ganze Konsumhaltung? Nicht bei Disco Dome. Bewusst wird kein Eintritt verlangt, der Anlass ist dank Sponsoren gratis. Hingegen muss man ein bisschen Glück haben: Die Tickets werden nämlich verlost.

Im Saal kommt die Party langsam auf Touren. Nebelschwaden sorgen für die authentische Party-Stimmung. Einige Dutzend haben die Tanzfläche geentert und bewegen sich ekstatisch zur Musik, manche machen auch nur Handyfotos von den DJs, andere wiederum lassen sich zuerst am Stand eines Sponsors beim Playstation-Spiel einstimmen oder stehen für ein Autogramm ihres Lieblings-DJs an, um hernach mit ihm zu posieren.

«Toll, dass ich hier meine jüngsten Fans treffe», meint DJ-Star Mr. Da-Nos und unterschreibt geduldig Autogrammkarte um Autogrammkarte. Ihm sei wichtig, dass er für die Jugendlichen ein Star zum Anfassen sei. «Das bin ich der nächsten Generation schuldig.»

Markus hat schon einige Autogramme. «Bis jetzt habe ich alle von hier», sagt der 13-Jährige im Skater-Shirt stolz. Er findet vor allem Mr. Pink cool. «Jetzt gehe ich aber mal tanzen», meint er und verschwindet. Ariana ist hier, «weil ich chillen und gute Musik hören kann». Klar, sei es auch geil, in einem richtig grossen Club zu sein. Sanja will unbedingt mal Rapper Bligg live sehen, «obwohl ich eigentlich gar nicht hier sein dürfte, ich bin nämlich schon 19».

Auch Nicky und Leonie fühlen sich wohl im Club-Ambiente. «Vor allem, weil die Musik so richtig laut ist», sagt Nicky. Zum Glück wurden am Eingang Oropax verteilt. «So laut würde ich zu Hause am liebsten auch Musik hören, aber meine Tiere und die Eltern wären wohl nicht begeistert.» Leonie stört es einzig, dass die Party am Nachmittag ist, «wo es doch so schön ist draussen». Auch die beiden Freundinnen wollen noch ein Autogramm von Bligg. Doch der zeigt nicht viel Interesse an seinen jungen Fans. Zum Glück kommt da ein junger Mann mit einer grossen Lollipop-Schachtel – und der Frust ist schon wieder vergessen.

Weitere Disco-Dome-Partys: Wankdorf, Bern (5.5.), Kaufleuten, Zürich (12.5.), Loft, Luzern (19.5.) und Globull, Bulle (26.5.), Infos unter www.chupachups.ch