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«Jetzt kann ich sagen: Ich war überall in der Schweiz»

Stolz auf sein Werk: Auguste Zurkinden aus Obersiggenthal zeigt seine Sammlung von Gemeindestempeln. (Sandra Kohler)

Stempel

Stolz auf sein Werk: Auguste Zurkinden aus Obersiggenthal zeigt seine Sammlung von Gemeindestempeln. (Sandra Kohler)

Andere Leute sammeln Briefmarken, Rahmdeckeli oder Frösche. Er hingegen die Stempel sämtlicher Gemeinden in der Schweiz. Doch eigentlich ist Auguste Zurkinden aus Nussbaumen gar keine Sammlernatur.

Sandra Kohler

Zwei rote Bundesordner gefüllt mit den Stempeln sämtlicher Gemeinden der Schweiz liegen vor ihm auf dem Tisch. Genau 2684 Gemeindestempel an der Zahl. «Heute wären es bereits weniger, da in der Zwischenzeit einige Gemeinden fusioniert haben», sagt Auguste Zurkinden. Fein säuberlich geordnet nach Kantonen und Bezirken, immer fünf Stempel auf einem Blatt. Diejenigen der Gemeinden im Kanton Waadt sind grösstenteils oval, diejenigen der jurassischen Gemeinden hingegen auch mal mit roter oder grüner Tinte gestempelt. Eigentlich mag Auguste Zurkinden alle seine gesammelten Stempel, dennoch gefallen ihm der sehr grosse der Gemeinde Samnaun und der Stempel mit dem Matterhorn von Zermatt besonders gut.

«Tour de Suisse des communes»

Vor rund drei Jahren hat sich Auguste Zurkinden früh pensionieren lassen und das Projekt «Tour de Suisse des communes» begann in seinem Innern zu reifen. In der Vergangenheit waren seine Frau und er viel gereist, meist aber ins Ausland. Der Maschineningenieur ETH wollte es sich nicht nehmen lassen, nun endlich die schöne Schweiz richtig kennen zu lernen. So entstand die Idee, bei jeder Gemeindeverwaltung vorbeizugehen und sich einen offiziellen Stempel geben zu lassen. Schliesslich wollte er auch beweisen, dass er dort gewesen ist. «Eigentlich bin ich gar kein Sammler. Auch als Kind habe ich nie etwas gesammelt, ich werfe eher alles weg», erzählt der 63-Jährige. Dennoch habe ihn das Projekt gereizt.

Durchhaltewille war nötig

Gestartet ist er in seiner Wohngemeinde Obersiggenthal, arbeitete sich danach durch den Kanton Aargau, weiter nach Basel Stadt und -land, Solothurn usw. Gemäss seinen eigenen Schätzungen hat Zurkinden zwischen 50 000 und 100 000 Kilometer abgefahren, um alle Gemeinden zu besuchen. Die Routen stellte er jeweils gemäss den Öffnungszeiten der Amtsstellen zusammen. Einige Male stand er dann aber trotz guten Vorrecherchen vor verschlossener Tür und musste noch ein zweites, manchmal sogar noch ein drittes Mal vorbeigehen, bis er seinen begehrten Stempel hatte.

Zwei Gemeinden lehnten ab

Unterschiedlich waren denn auch die Reaktionen der Leute vor Ort. Von zwei Gemeinden hat Auguste Zurkinden bis heute keinen Stempel erhalten. Einmal mit und einmal ohne Begründung. In der Gemeinde Morens im Kanton Freiburg wurde die Sache gar vom Gemeinderat beraten, welcher eben dann die Stempelgabe ohne Begründung verweigerte. Eine Gemeinde im Kanton Bern hatte zu grosse Angst vor Missbrauch. «Mit der Zeit wusste ich dann genau, was ich den Leuten sagen muss-te, damit sie nicht misstrauisch werden», sagt Zurkinden mit einem Grinsen. «Viele interessierten sich denn auch sehr für meine Sammlung. Einer nahm sogar meinen Ordner und zeigte ihn seinen Mitarbeitenden.» Der gebürtige Freiburger ist stolz auf seine Arbeit, war sie doch nicht immer leicht und hat viel Durchhaltewillen von ihm abverlangt. Letzte Woche, nach fast drei Jahren, hat Auguste Zurkinden sein Werk vollendet: «Jetzt kann ich sagen: Ich war überall in der Schweiz.»

Ein weiteres Projekt in Sicht

Langweilig wird es Auguste Zurkinden auch in Zukunft nicht: Nebst Golfspielen und seinem Freiwilligendienst als Chauffeur beim Roten Kreuz, reifen bereits neue Projekte, wie beispielsweise die geplante Begehung des Jakobweges oder die derzeitige Mitarbeit an einem Buch zur Geschichte der nuklearen Entsorgung in der Schweiz.

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