Interview
Jetzt ist die ganze Oberstufe «am Schärme»

Eine kalte Dusche kann das Oberstufenzentrum in Wiedlisbach nicht mehr erschauern. Die Gemeinden haben es kürzlich an den «Schärme» getragen, wie es der Wiedlisbacher Gemeinderat Horst Allemann ausdrückt. Im Interview blickt er auf eine intensive Zeit zurück und erzählt, weshalb ihm unangenehme Situationen nichts anhaben konnten.

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Allemann

Allemann

Berner Rundschau

Marisa Cordeiro

So geht es weiter

Dem Oberstufenzentrum (OZ) haben kürzlich alle Gemeinden grünes Licht gegeben, startklar ist es aber jetzt noch nicht. Bis zum Sommer steht nämlich viel Arbeit erst noch bevor. Mit René Jendly, Herzogenbuchsee, und Ernst Stalder, Niederbipp, wurden zwei künftige Co-Schulleiter gewählt. Sie und die Schulkommission werden sich in den kommenden Wochen mit der Umsetzung des OZ auseinandersetzen. Gemäss dem künftigen Co-Schulleiter Jendly wird mit rund 160 Schülern gerechnet, die auf acht oder neun Klassen aufgeteilt werden sollen. Entsprechend müssen die Anzahl der Lektionen und die Lehrerpensen festgelegt werden. Unbestritten ist der Wechsel zum Schulmodell 3, ob a oder b ist noch unklar. Voraussichtlich im Frühjahr folgen weitere Infos. (com)

Herr Allemann, das Oberstufenzentrum (OZ) hätte ursprünglich vor einem halben Jahr starten sollen. Tatsächlich aber konnten die Gemeinden erst vor kurzem über das OZ befinden. Fühlen Sie sich jetzt gelöst, da alle Ja gesagt haben?

Horst Allemann (parteilos): Ja, eine gewisse Erleichterung ist da, selbst wenn ich nie Angst hatte, dass eine der sechs Gemeinden die Vorlage ablehnen könnte.

Wirklich? Das OZ hat doch immer wieder Diskussionen aufflammen lassen.

Allemann: Das OZ selber nicht. Viel mehr für Diskussionen sorgte der Baurechtsvertrag respektive der Baurechtszins. Bekanntlich holten wir diesen schon im Sommer 2008 «a Schärme». Ausserdem war die Vorlage sehr gut vorbereitet, so dass ich keine Zweifel hatte.

An der Gemeindeversammlung in Wiedlisbach aber kam es sogar zu einem Antrag auf Rückweisung. Nicht aufgrund des OgR, sondern aufgrund der Ansicht, dass die Gemeinde die finanziellen Folgen eines OZ gar nicht tragen könne. Der Antrag wurde nicht einstimmig abgelehnt.

Allemann: Sehen Sie: Wie die Schule in fünf oder zehn Jahren aussieht, kann jetzt noch niemand sagen. Dies hängt massgeblich von den Schülerzahlen ab, und von diesen wiederum, ob die Schule ausgebaut werden muss oder nicht. Hält der Trend der sinkenden Schülerzahlen an, wird ein Anbau meiner Ansicht nach nicht nötig. Definitiv wissen wir das aber erst, wenn die Fakten für weitere Diskussionen vorliegen. Für den Start zumindest reicht die bestehende Infrastruktur aus.

Können Sie sich noch an die Zeit erinnern, als die Idee eines OZ aufkam?

Allemann: Nicht wirklich, da der Zeitpunkt weit vor meiner Amtszeit, also vor etwa sechs oder acht Jahren, liegt. Damals gerieten die Verhandlungen aus mir unbekannten Gründen ins Stocken, die Vision aber verblasste nicht. Der zweite Anlauf geht auf Initiative von Kurt Zobrist aus Oberbipp, Gemeinderat Ressort Bildung, zurück. Deshalb hat er später auch die Leitung der Arbeitsgruppe übernommen, in der sich gut ein Dutzend Personen engagiert haben.

Hätten Sie sich damals erträumen lassen, was damit auf Sie alle zukommt?

Allemann: Die Arbeit habe ich nie unterschätzt. Mir war bewusst, dass das OZ zu einer grossen Aufgabe wird. Auch wusste ich von Beginn an, dass es diesmal klappt. In der Arbeitsgruppe war die Zugkraft nämlich spürbar stark.

Weshalb kam trotzdem Sand ins Getriebe?

Allemann: Nebst dem Baurechtszins hat uns vor allem die Klärung des Raumbedarfs absorbiert. Den Rest der Zeit nahm schliesslich das übliche Verfahren in Anspruch.

Gab es einen Zeitpunkt, in dem Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten?

Allemann: Nein, nie. Wir hatten das Ziel immer vor Augen. Das will aber nicht heissen, dass wir alle stets einer Meinung waren, im Gegenteil. Es gab einen Moment, in dem mir klar wurde: Einfach wird es nicht.

Weshalb?

Allemann: Wie so oft im Leben ging es damals ums Geld. Für Wiedlisbach stand der Baurechtszins von vier Prozent bereits fest. Andere Gemeinden hätten lieber nur 3,8 Prozent oder weniger gehabt. Weil aber das OZ für alle unbestritten war, kam ich nie ins Zweifeln. Zwei Meter unter dem Gipfel gibt man schliesslich nicht auf.

Und ausserhalb der Arbeitsgruppe? Sahen Sie sich nie mit einer unangenehmen Situation konfrontiert?

Allemann: Kaum. An der Gemeindeversammlung beispielsweise konnte ich mir Wissenslücken nicht leisten. Ausserdem hat die Arbeitsgruppe einwandfreie Grundlagen erarbeitet und auf die Pfeiler der Fachleute müssen wir uns schliesslich stützen können. (überlegt) Doch, eine Situation fällt mir ein. Irgendwann und irgendwo habe ich den Ausspruch «Der Allemann verschenkt das Haus» aufgeschnappt. Zermürbt hat mich dies aber nicht. Ich wusste ja, dass es nicht stimmt. Und geredet wird schliesslich immer viel. Das OZ ist für Wiedlisbach auf jeden Fall ein Gewinn. Künftig erhält die Gemeinde vom Verband 17 526 Franken pro Jahr, und sollte das Schulhaus einst an die Gemeinde zurückfallen, würde es wieder zum Nullsummenspiel kommen.

Herr Allemann, Sie ziehen sich aus beruflichen Gründen aus der Kommunalpolitik zurück. Nebst dem OZ, was fällt noch in Ihre Amtszeit?

Allemann: Als neuer Gemeinderat wird man ja meist mit Ideen überhäuft (lacht). Dazu zähle ich den Wunsch nach einem Raum für Jugendliche. Ehe ich aber mit der Suche loslegen konnte, musste unter Beizug eines Jugendarbeiters ein Konzept her. Darum habe ich mich solange gekümmert, bis, kurz nach meinem Amtsantritt, das OZ kam. Letzteres genoss - wohl auch zu Recht - Priorität und war zeitausfüllend.

Wie werden Sie den Lebensabschnitt als Gemeinderat in Erinnerung behalten?

Allemann: Als sehr intensiv. Die vier Jahre ermöglichten mir nicht nur einen Blick hinter die Kulissen einer Gemeinde. Nebenher konnte ich auch meine kommunikativen Fähigkeiten verbessern. Weiter bescherte mir die Zeit interessante Begegnungen - und manchmal lernte ich auch bekannte Personen von einer ganz neuen Seite kennen - und das war nicht selten reizvoll.