Jetzt hat Villigen seine Geschichte

Vor bald fünf Jahren hatten die Villiger Ortsbürger grünes Licht für die Erarbeitung einer Ortsgeschichte gegeben. Jetzt ist das von Max Baumann verfasste Werk erschienen. Bereits der erste Blick in das Buch zeigt: Das Warten hat sich gelohnt.

Merken
Drucken
Teilen
Villigen.jpg

Villigen.jpg

Aargauer Zeitung

Louis Probst

«Gut Ding will Weile haben», meinte der Villiger Gemeindeammann Schebi Baumann an der Vernissage des Buches «Villigen. Die Geschichte». «Und jetzt liegt das Buch vor.»

Immerhin hatten bereits im Jahre 2004 die Ortsbürger mit einem ersten Kredit von 90 000 Franken grünes Licht für die Aufarbeitung der Geschichte des Dorfes gegeben. Mit dem Historiker Max Baumann hatten die Villiger Ortsbürger auch einen kompetenten Autor gewinnen können. Im letzten Jahr hatten die Ortsbürger nochmals 85 000 Franken für den Druck der knapp 500 Seiten starken Ortsgeschichte nachgeschoben. Am Sonntagnachmittag konnte das Werk der Bevölkerung vorgestellt werden. Dem Publikumsaufmarsch in der Trotte nach zu schliessen war das Buch offensichtlich sehnlich erwartet worden. Angekündigt wurde das Buch denn auch stilgerecht durch eine Fanfare des Bläserquartetts der vier Märkis aus Mandach.

Vom Ur-Villiger bis zum PSI

Zwischen den Deckeln des Werkes «Villigen. Die Geschichte» findet sich gewissermassen eine Zeitepoche, die vom Ur-Villiger - der um 620 nach Christus gelebt hatte und der in einem Gräberfeld seine Spuren hinterlassen hatte - bis zur Forschung am PSI reicht. In acht Themenkreisen werden Ur- und Frühgeschichte; Macht und Politik; Villigerinnen und Villiger; Landwirtschaft, Weinbau und Waldnutzung; Handwerk und Gewerbe; Villigens Weg zum heutigen Lebensstandard; Schule und Kirche sowie Privatleben und Freizeitgestaltung behandelt. Das reich illustrierte und schön gestaltete Buch kann bei der Gemeindekanzlei Villigen bezogen werden. (az)

Im Zentrum stehen die Menschen

«Das Buch ist da, aber was steht drin?», meinte Autor Max Baumann - und gab die Antwort gleich selber: «Die Hauptfrage ist: Wie haben die Villigerinnen und Villiger gelebt? Wie hat sich ihr Leben im Laufe der Zeit verändert?» Im Zentrum würden dabei aber nicht Könige und Staatsmänner stehen, sondern die Männer und Frauen aus Villigen mit ihren Problemen im Wandel der Zeit, betonte Max Baumann.

In seinem Buch geht er denn auch Fragen nach, wie etwa derjenigen, wo die Villigerinnen und Villiger ihre Lebenspartner gefunden haben, wie viele Kinder sie hatten und durch welche Ursachen sie von dieser Welt Abschied nehmen mussten. Eingehend untersucht werden auch das soziale und das wirtschaftliche Gefüge des Dorfes. «Was hiess es, in Villigen arm oder aber reich zu sein?», sagte dazu Max Baumann. Die Antworten auch auf diese Fragen finden sich in den umfangreichen Ausführungen über die Bevölkerung und über die Landwirtschaft und insbesondere den Weinbau - die zusammen mit Handwerk und Gewerbe - über Jahrhunderte hinweg die Existenzgrundlagen bildeten. Umfassend dargestellt wird aber auch die Entwicklung der Infrastruktur bis hin zu jenem Standard, den heute niemand mehr missen möchte. Dabei lässt der Autor auch spannende Episoden aus dem Dunkel der Geschichte aufscheinen, wie etwa jene Villiger «Eisenbahnträume», die allerdings bald ausgeträumt waren.

«Man muss das Buch ja nicht wie einen Roman in einem Zug durchlesen», gab Max Baumann zu bedenken. «Man kann, anhand des Inhaltsverzeichnisses, heraussuchen, was einen gerade besonders anspricht.»

Dank an viele gute Geister

Max Baumann dankte den Mitgliedern der Kommission Ortsgeschichte, die das Entstehen des Werkes kritisch begleitet hatte. Er dankte aber auch jenen älteren Bewohnerinnen und Bewohnern von Villigen, die Fragen beantwortet oder aus früheren Zeiten berichtet hatten. Ganz besonderen Dank stattete er dem verstorbenen Oskar Widmer ab, der Zeit seines Lebens Dokumente zur Geschichte von Villigen gesammelt hatte. «Die Arbeit von Oskar Widmer war mir eine grosse Hilfe», stellte Max Baumann fest.