Julian Perrenoud

Jahrelang hat Kurt über das Rothirsch-Gehege regiert. Er war der Hahn im Korb oder eben der Platzhirsch inmitten von Hirschdamen. Nun hat Kurt das Revier gewechselt: Seit diesem Frühling hängt sein Kopf im Vereinshaus des Tierparks. Sein mächtiges Geweih an der Wand ist ein Hingucker. Mit elf Jahren musste ihn Peter Ruckstuhl schiessen, weil er böse wurde, wie der Tierpark-Chef sagt.

An Kurts Stelle ist ein neuer, ein jüngerer, nachgerückt. Theo ist anderthalb Jahre alt und stammt von einem Züchter aus Roggliswil/LU. Eigentlich sollte er René heissen; da ihn aber der Langenthaler Unternehmer Theo Steimer dem Tierpark geschenkt hat, heisst er nun eben Theo. «Einige spenden Geld an ein Kinderheim, ich eben einen Hirsch für den Tierpark.» Steimer, Vertreter der Burgergemeinde und im Vorstand des Verschönerungsvereins Langenthal (VVL), ist oft hier oben. Ein Platzhirsch gehöre für ihn einfach dazu.

Platzhirsch bleibt Gitter fern

Die Brunftzeit ist eben vorbei. Theo scheint sich bei den Hirschdamen gut eingelebt zu haben. «Schliesslich muss er seine Vaterpflichten erfüllen», sagt VVL-Präsident Peter Richner. Mehrfach probiert habe er es zumindest. Therese Ischi, Presseverantwortliche des VVL, meint, dass sich seiner vielleicht eine Hirschkuh erbarmt habe, damit er die anderen in Ruhe lasse. Es ist nicht einfach, als Greenhorn eine Herde zu führen.

Beim Gang ums Gehege sagt Steimer, dass er mit seiner Spende jetzt eigentlich der Platzhirsch sei. Er lacht. Allzu mutig zeigt sich Theo bis jetzt noch nicht, dem Gitter bleibt er fern. Ihn von Hand zu füttern - ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem ist Tierpark-Chef Ruckstuhl mehr als zufrieden: «Er ist ein ungerader Achter, das gibt etwas!» Anhand seines Geweihs lasse sich feststellen, dass er bald ein ganz schöner Platzhirsch werde. «Schliesslich wollen wir bei uns im Park auch Horn sehen.» Seinem Vorgänger Kurt wird Theo also das Wasser reichen. Dieser brachte 200 Kilogramm auf die Waage.