Setzlingsmarkt
Jedem sein besonderes Pflänzchen...

Nicht nur Ochsenherzen und White Beauty haben am Wochenende auf Schloss Wildegg ihre Käufer gefunden. Am Setzlingsmarkt von Pro Specie Rara konnten sich Gartenbesitzer mit ausgefallenen oder seltenen Gemüsesorten eindecken.

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Setzlingsmarkt Schloss Wildegg
11 Bilder
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Alois Schälin
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Marietta Cathomen und Mattia Müller

Setzlingsmarkt Schloss Wildegg

Sibylle Haltiner

Einmal im Jahr steigen die Leute mit Taschen oder Klappkistchen in den Händen zum Schloss Wildegg hinauf. Am Wochenende trugen sie ausserdem festes Schuhwerk, Regenjacken und Schirme. Der Setzlingsmarkt von Pro Specie Rara zog trotz Dauerregen viele Besucher an.

Verschiedene Händler boten auf der Schlossanlage ihre Jungpflanzen an. Auf der Lindenterrasse war die überraschende Vielfalt an Gemüsesorten zu bewundern. Setzlinge für schwarze, goldene, gestreifte oder weisse Tomaten, Zitronengurken oder Glockenpaprika und Hunderte mehr standen zur Auswahl. Darunter viele fast vergessene Raritäten, die von Pro Specie Rara gefördert werden.

Die Besucher genossen es sichtlich, bei der Planung ihres Gemüsegartens aus dem Vollen schöpfen zu können.

Auch bei Gemüse gibts Trends

«Ochsenherz-Tomaten gehen heuer ausgezeichnet», meinte einer der Händler. «Früher kauften die Leute viele Baselbieter Röteli, doch dieses Jahr laufen sie nicht so gut. Viele Besucher schauen auch auf die Farbe und kaufen zum Beispiel die helle White Beauty.» Ein anderer Anbieter hatte bereits am Samstagmittag alle Setzlinge für gelbe Birnentomaten verkauft.

Philipp Holzherr, Projektleiter Vermarktung bei Pro Specie Rara, hat die Beobachtung gemacht, dass Sorten, die man auch an anderen Orten kaufen kann, am Setzlingsmarkt jeweils ebenfalls sehr gut laufen. Er rät, nicht nur diverse Sorten von bekanntem Gemüse auszuprobieren, sondern auch einmal Pflanzen zu ziehen, die man vorher nicht gekannt hat, zum Beispiel Knollenziest oder Erdmandel.

Um diese beinahe unbekannten Kulturpflanzen kennen zu lernen, boten sich die Führungen durch den Sortengarten an. Im barocken Schlossgarten zeigte Marianna Serena unter anderem die feinen Wurzeln des Knollenziest. «Leider sind die kleinen, essbaren Knollen in der Zubereitung recht zeitraubend, weil sie aufwändig geputzt werden müssen.»

Angebot bleibt bestehen

Philipp Holzherr ist zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit von Pro Specie Rara mit der Wildegg wie gewohnt weitergeführt werden kann, auch wenn die Anlage 2011 vom Bund in die Hände des Kantons Aargau übergeht. «Wir haben nichts anderes gehört und nehmen an, dass wir weiterhin den Anbau des Schlossgartens planen und den Setzlingsmarkt auf dem Schloss durchführen können.»

Trotz Dauerregen war der Markt gut frequentiert. Philipp Holzherr schätzte die Zahl der Besucher auf gegen 8000. Das sind zwar etwas weniger als in den letzten Jahren, die Veranstalter waren angesichts des Wetters jedoch trotzdem positiv überrascht. «Besonders am Samstag kommen Leute, die unbedingt Setzlinge für ihren Garten haben wollen. Diese lassen sich vom Regen nicht abhalten», erklärte auch einer der Händler.

Nur noch pflanzen

Der Markt bot jedoch für seine Besucher nicht nur Setzlinge an. Beim Aufstieg zum Schloss konnten verschiedene Schafrassen auf der Weide beobachtet werden.

Pilz-Paella oder ein Salat mit Pro-Specie-Rara-Sorten sowie Apfelsaft von Hochstammbäumen stillten nach dem Setzlingskauf Hunger und Durst. Das Essen konnten die Besucher in der Schlossscheune im Trockenen geniessen.

Wer viel eingekauft hatte, liess sich zum Schluss seine Einkäufe mit dem «Setzlingstaxi», einem Handwägeli, zum Auto oder zur Bushaltestelle transportieren.
Nun müssen die Jungpflänzlein nur noch gesetzt werden. Das Giessen wird ja zurzeit von oben übernommen.