Interview

«Je länger man hier ist, desto mehr Sinn macht es»

Gewalt: Romano* sitzt im Arxhof, weil er als 16-Jähriger einen Mann krankenhausreif geprügelt hatte. (Symbolbild)

Symbolbild Gewalt

Gewalt: Romano* sitzt im Arxhof, weil er als 16-Jähriger einen Mann krankenhausreif geprügelt hatte. (Symbolbild)

Der 20-jährige Romano* hat vor vier Jahren einen Mann verprügelt. Seit zwei Jahren bereitet er sich im Arxhof nun auf ein besseres Leben vor.

Birgit Günter

Warum bist Du hierher auf den Arxhof gekommen?

Romano: Ich habe jemanden halbblind geschlagen. Damals war ich 16.

Warum hast Du das getan?

Romano: Es war einfach geil, auf der Strasse zu sein. Und um selber auch geil zu sein, hat man so etwas gemacht. Ich habe mir damals dabei überhaupt nichts überlegt. Ich habe auch nicht gedacht, dass meine Tat Konsequenzen haben könnte. Oder dass ich eine Strafe erhalten oder sogar in eine Anstalt wie diese hier kommen könnte.

Wie waren die ersten Tage hier?

Romano: Sehr, sehr schwer. Der Alltag ist so anders als in meinem bisherigen Leben. Hier gab es plötzlich Strukturen und ganz viele Regeln.

Hast Du Dir auch schon überlegt, zu fliehen?

Romano: Klar, schon 100 Mal. Daran denkt man immer wieder. In meinen zwei Jahren, in denen ich jetzt hier bin, bin ich bisher schon acht Mal geflohen - vor allem am Anfang. Dann bin ich jeweils bei Kollegen in Basel gelandet. Doch irgendwann einmal kapiert man es.

Was kapiert man?

Romano: Dass ein solches Leben, also mein früheres Leben, nichts bringt. Dass es keinen Sinn hat. Es war immer das Gleiche, auch auf der Flucht. Man muss immer überlegen, wo man jetzt wieder Geld herholt. Irgendwann scheisst Dich dieses Leben an.

Und jetzt, nach zwei Jahren, denkst Du nicht mehr ans Fliehen?

Romano: Doch, aber viel, viel seltener. Vielleicht noch ein Mal im Monat. Wenn überhaupt. Je länger man hier ist, desto mehr Sinn macht es hier. Man kapiert langsam, was die mit einem wollen. Dass die vielen Regeln auch einen Sinn haben.

Was motiviert Dich, hier zu bleiben?

Romano: Ganz klar die Tatsache, dass ich am Schluss eine Lehre im Sack habe. Ich mache eine Lehre als Koch. Darauf kann ich aufbauen. Motivierend ist für mich auch, dass man intern einen höheren Status erreichen kann, wenn man Fortschritte macht. Das zu erreichen, ist mein Ziel. Ich will mich weiterentwickeln.

Was macht Dir Spass hier?

Romano: Vor allem der Sport. Wir können viel Sport treiben. Ich spiele am liebsten Fussball, und dabei motiviere ich mich zum Durchhalten. Und dann freue ich mich natürlich jeweils auch auf den Ausgang.

Wie schätzt Du die Wahrscheinlichkeit ein, dass Du einen Rückfall erleidest und wieder eine solche Tat begehst, wie damals, als Du 16 warst?

Romano: Das wird sich nicht wiederholen, da bin ich sicher. Ich bin jetzt älter, gereifter. Wenn ich hier rauskomme, habe ich einen Lehrabschluss. Es wird ein neues, anderes Leben sein.

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