Kinder in Not
Jazz und Rock für Kinder in Not

Alle zwei Jahre findet auf dem Bottminger Burggartenareal das «Openair Bottmingen» statt. In diesem Herbst ist es wieder soweit. Der Anlass gehört seit 2002 zum musikalischen Terminkalender der Gemeinde. Dabei hat der 25-jährige Olivier Bieli alle Fäden in der Hand.

Merken
Drucken
Teilen
Olivier Bieli

Olivier Bieli

bz Basellandschaftliche Zeitung

Tobias Gfeller

Wer den Aufwand auf sich nimmt, um ein Musik-Openair zu organisieren, müsste sehr mit der Musik verbunden sein. Nicht so Olivier Bieli. Der Bottminger kennt sich in der Musikbranche nicht aus. Er hat das Openair 2002 aus einem anderen Grund ins Leben gerufen: «Als ich 16 war, erkrankte meine Mutter an Krebs. Dies hat mich damals sehr mitgenommen und beschäftigt.»

Er wollte mehr über die Krankheit erfahren und stiess dabei auf die hohe Zahl krebskranker Kinder in Basel. Lange habe er überlegt, was er als gesunder, junger Mann gegen dieses Elend unternehmen könnte. «Ich hatte die fixe Idee, in Bottmingen dafür ein Openair zu organisieren und die Einnahmen den krebskranken Kindern zu spenden.»

Krise gefährdet das Open Air

Wie auch bei den letzten Austragungen des Bottminger Open Airs steht der Samstag eher der Jugend zu. Der Sonntag steht im Zeichen der Gediegenheit. «Es wird um zehn Uhr ein Frühstück und eine Jazz-Matinée geben», verrät Olivier Bieli. Speziell in diesem Jahr wird auch zusätzlich noch ein Oldtimertreffen stattfinden, das den eher gemütlichen Jazzsonntag abrunden soll.
Bisheriger Topact am Samstag des Open Airs ist die Basler Band «Featherlike». Daneben wird die ZZ-Top-Coverband «Fuzz Boxx» aus Pratteln das Burggartenareal rocken. Die Planungen kommen voran, Verhandlungen mit einer bekannten nationalen Gruppe sind am laufen, sagt Bieli, noch ohne Details zu nennen.
Doch die aktuelle Wirtschaftskrise ist auch im Leimental zu spüren. Ob in Bottmingen im September wirklich Gitarrenriffs und Beats zu hören sind, ist deshalb noch unklar. «Wir spüren die Krise. Es wird immer schwieriger, Sponsoren zu halten oder neue zu gewinnen. Wenn nicht genug Geld da ist, um überhaupt die Spesen der Bands zu bezahlen, bringt es nichts, den Anlass durchzuziehen», sagt Olivier Bieli. (tgf)

Ausbildung zum Polizisten

Er zog das Openair völlig auf sich allein gestellt durch und spendete die Einnahmen von 22 222 Franken der Organisation der krebserkrankten Kinder in Basel. Bieli schloss aus diesem Erfolg, dass er alle zwei Jahre ein weiteres Openair machen will. Nur im letzten Jahr fiel der Anlass aus, weil Bieli zu sehr mit seiner Ausbildung zum Polizisten beschäftigt war.

2004 und 2006 konnte Bieli weiter eifrig Geld spenden. Mitverantwortlich waren damals Topacts wie «Fools Garden» («Lemon Tree»), Nubya oder Adrian Stern. Für das Openair vom 5. und 6. September 2009 ist Bieli mit seinem Team daran, interessante Bands zusammenzutrommeln (siehe Kästchen rechts). Überschüssige Einnahmen werden einer Missionsstiftung in Ecuador gespendet.

Seine soziale Ader lebt Olivier Bieli aber nicht nur mit dem Openair Bottmingen aus. Erst kürzlich hat er in Basel die Polizeischule beendet; heute arbeitet er auf dem Claraposten. Eine Arbeit, die ihm Spass macht: «Ich kann dabei durch meinen eigenen Einsatz etwas bewirken, was mich persönlich befriedigt.» Daneben engagiert er sich mit weiteren Projekten für die gute Sache. Am 29. April organisierte er die «1. Basler Anti-Gewalt-Tage 2009» - ein Podium gegen Gewalt an Kindern.

Weitere Projekte in Planung

Für die Zukunft hat er noch einiges im Hinterkopf: «Ich möchte in der Schweiz eine Koordinationsstelle für ein bekanntes Tierschutzprojekt auf Mallorca ins Leben rufen und so den bedrohten Hunden auf der Insel tatkräftig helfen.» Olivier Bieli redet nicht nur über die «gute Sache», er handelt auch danach - und meistens erfolgreich. Nur die Wahl für die EVP in den Bottminger Gemeinderat hat er nicht geschafft. Das hindert ihn aber nicht daran, weiter für seine Ideale zu kämpfen.