Carlo Janka
Janka gegen Raich: Tag der Wahrheit

24 Stunden nach dem Sieg von Carlo Janka platziert Benni Raich in Garmisch den Konter und erwischt den Schweizer im Super-G auf dem falschen Fuss: Raich wird Sechster, Janka nur Elfter. Das Duell spitzt sich zu.

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Richard Hegglin, Garmisch

Nach der verpassten Chance im Super-G muss Carlo Janka heute im Riesenslalom voll angreifen. Jankas Vorsprung im Rennen um den Gesamtweltcup auf Verfolger Benjamin Raich schmolz gestern auf 38 Punkte - das Duell spitzt sich zu.
Anstatt den Vorsprung in der letzten Speed-Disziplin auf über 100 Punkte auszubauen, wie es Jankas insgeheimes Ziel war, schmolz dieser auf 38 Punkte zusammen. Der Schweizer musste sich mit einem 11. Rang begnügen, während Raich den 6. Platz belegte und damit im wahrsten Sinne des Wortes einen Punktsieg landete. Zum grossen Showdown kommt es nun heute im Riesenslalom (9 und 12 Uhr).

Obwohl sich Janka vorgenommen hatte, voll zu attackieren und nicht zu taktieren, wich er doch von seinem Vorhaben ab: «Ich habe gesehen, dass einige Fahrer ausschieden, und bin vorsichtig geworden. Deshalb fuhr ich zu brav, zu rund und ‹hing› zu viel auf dem Innenski.»

Jankas Trainer Sepp Brunner sieht aus dieser Konstellation nicht nur Nachteile: «Jetzt bleibt Carlo gar nichts anders übrig, als anzugreifen. So wird der Riesenslalom für ihn ein ganz normales Rennen.» Immerhin ist Janka in dieser Disziplin Olympiasieger und Weltmeister und gewann auch sonst schon zwei Rennen. Aber Spitzenplätze wechselten sich mit 7. oder 8. Rängen, sogar einem 18. Platz oder Ausfällen ab.

«Benni ist konstanter», attestiert Janka seinem Rivalen. Raich blieb zwar im Riesenslalom in diesem Winter sieglos, war aber mit einer Ausnahme immer zwischen den Rängen 2 und 6 klassiert. Und er war auch schon Olympiasieger und ist 14-facher Weltcupsieger - es wird ein Kampf auf Messers Schneide.

«Ich hoffe, dass ich an die gute Olympia-Form anknüpfen kann», sagt Janka. Im Gegensatz zu Raich fehlte aber die Zeit für ein Riesenslalomtraining. Der «Blitz aus Pitz» zog sich dagegen in seine Heimat ins Pitztal zurück und schaltete eine Zusatzlektion ein: «Solche technische Auffrischungen sind wichtig. Das spürte ich schon im Super-G.» In den beiden letzten Weltcuprennen in dieser Disziplin war er nur 19. und 27. geworden.

Janka rechnet damit, dass die Entscheidung erst im Slalom fallen wird, wo er nur unter optimalen Umständen Punkte holen kann. Deshalb hofft er, im Riesenslalom den Vorsprung wieder ausbauen zu können, um den Österreicher unter Druck zu setzen. Schon einmal brach dieser unter solchem Druck zusammen. Letztes Jahr hätte er nur einen 15.Rang gebraucht, schied aber aus.

Der Zufall will es, dass ausgerechnet in diesem kapitalen Rennen sein Freund Dani Albrecht als Vorfahrer auf die Weltcuppiste zurückkehrt - und allenfalls als wichtiger Informant? Trainer Sepp Brunner winkt ab: «In einem Super-G könnte das ein Vorteil sein, weil dort Tipps wertvoll sein können. Im Riesenslalom ist das nicht nötig.» Brunner relativiert auch Albrechts Einsatz in Garmisch: «Für Dani ist das nichts anderes als ein weiterer Teil seines Aufbauprogramms. Von einem Comeback zu sprechen, ist Blödsinn. Auch Danis Zeit wird unwichtig sein; es ist eine reine Trainingssache.»

Im Schatten des Duells Janka - Raich lieferten sich Michael Walchhofer, Aksel Lund Svindal und Erik Guay einen Dreikampf um den Disziplinensieg, den überraschend der Kanadier für sich entschied. Österreich geht demzufolge auch in dieser Disziplin leer aus.
Das Duell um den Gesamtweltcup

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