Ganz Nordamerika friert – nicht allein wegen des Tiefs «Hercules». Schuld daran ist auch der neue Beautytrend namens Kryolipolyse.

Hollywoodstar Daniel Craig soll auf eine spezielle Kryo-Anwendung schwören, um seinen Muskelkater nach einem intensiven Training loszuwerden. Und auch Berufskollegin Demi Moore lässt sich schon mal ein paar Fältchen und Pölsterchen wegfrieren.

Die Eiszeit hat inzwischen auch die Schweiz erreicht. Immer mehr Schönheitschirurgen und Kosmetiksalons bieten das Verfahren mit dem Zungenbrecher-Namen an.

Kryolipolyse (von altgriechisch: kryos = Frost, lipa = Fett und lysis = Auflösung) oder auch Coolsculpting genannt bedeutet nichts anderes, als dass unschönen Fettpölsterchen mit Kälte knapp unter dem Gefrierpunkt auf den Leib gerückt wird.

Kein schneller Effekt

Weil Fettzellen empfindlich auf Kälte reagieren, bildet sich unter der kontrollierten Kühlung das Gewebe zurück. «Aber es braucht etwas Geduld», mahnt Kosmetikerin Sabrina Klee von Kosmetik Dermacare aus Baden-Dättwil.

Durch die extreme Abkühlung reagiert zwar das Körperfett so empfindlich, dass es eine sogenannte Apoptose (programmierter Zelltod) auslöst. Das heisst, die Zellen sterben ab. Sie müssen aber erst über die Leberfunktion aus dem Körper transportiert werden.

«Und das dauert ein paar Wochen, bis dieser Abbau angekurbelt wird», erklärt die diplomierte Kosmetikerin. Danach folgt ein natürlicher, langsamer Abbauprozess, der zwei bis vier Monate dauert. Normalerweise braucht es zwei bis drei Behandlungen, die je ab 350 Franken kosten, bis das gewünschte Resultat erreicht ist.

Die Problemzone wird mittels eines Vakuumgerätes zwischen zwei Kälteplatten angesaugt. Während einer Stunde wird die Stelle kontrolliert gekühlt, was sich wie eine Art Schröpfvorgang anfühlt.

Im ersten Moment sind der Druck und die Kälte etwas unangenehm. Ansonsten aber ist die Behandlung schmerzfrei, wie der Selbstversuch zeigt. Einzig eine gewisse Spannung an der behandelten Stelle – ähnlich einem Muskelkater – spürt man noch ein paar Stunden nach.

Ohne Narkose und Narben

Der grosse Vorteil bei der Kryolipolyse: Es braucht weder eine Narkose noch eine örtliche Betäubung und hinterlässt auch keine Narben. «Die Methode funktioniert und ist ein nicht-invasives, schmerzfreies Verfahren mit geringem Nebenwirkungspotenzial», betont Daniel A. Fuchs, Facharzt für Dermatologie in Zürich.

Genau solche Behandlungen sind im Moment gefragt. Stephan Hägeli, Geschäftsführer von Acredis, der Gruppe führender Spezialzentren für ästhetische Chirurgie, geht deshalb auch davon aus, dass das Angebot in der Schweiz sprunghaft ansteigen wird.

Trotzdem kann auch der neue Beautytrend keine Wunder vollbringen. Wer übergewichtig ist, wird damit keine Gewichtsreduktion erreichen. «Die Kryolipolyse eignet sich für Leute, die auf die Ernährung achten und regelmässig Sport treiben, aber da und dort ein paar Fettpölsterchen weniger hätten», sagt Sabrina Klee. Weil dabei weder Spritzen noch Messer zum Einsatz kommen, sprechen Männer gut darauf an.

Laut Stephan Hägeli wächst die ästhetische Dermatologie überproportional stark. «Schönheit war schon immer ein Statussymbol und ein beliebtes Konsumgut.» Besonders bei den Schweizern und Schweizerinnen: Im europäischen Vergleich gelten sie als besonders Beauty-bewusst. 206 Euro pro Jahr gibt hierzulande jeder für die Schönheit aus. Sie rangieren damit gemäss den Zahlen des Verbandes Cosmetics Europe nach den Norwegern auf Rang zwei.