Roman Schenkel

Der Angeklagte wurde beschuldigt, sich im Sommer 2007 beim Baden in der Suhre vor zwei Mädchen entblösst und sein bestes Stück präsentiert zu haben. Darauf erstatteten die damals 13 und 16 Jahre alten Mädchen Anzeige. Das Bezirksamt Aarau verurteilte den Mann zu einer Busse von 600 Franken, gegen die er Einsprache erhob. Vorgestern kam es deshalb vor dem Bezirksgericht Aarau zur Verhandlung.

Widersprüchliche Aussagen

Laut Aussage der Klägerinnen lief der Mann am 27. Juli 2007 den beiden Mädchen hinterher und versuchte, ein Date mit den Mädchen abzumachen. Plötzlich habe er sich der Jeans und der Unterhosen entledigt und sei mit dem T-Shirt bekleidet in die Suhre gesprungen. Der Angeklagte bestreitet dies nicht, er sagte aber aus, aus Angst vor dem Hund der Mädchen - einem Pitbull - ins Wasser gesprungen zu sein. Er habe sich aber hinter einem Baum umgezogen. Die Zeugenaussagen der beiden jungen Frauen waren in vielen Punkten widersprüchlich. Hat der Mann seine Unterhose wirklich ausgezogen oder nicht? Wollte er sich effektiv mit den Mädchen verabreden?

Ihre Aussagen widersprachen teilweise auch den Polizeiprotokollen bei der Einvernahme. Die Gerichtspräsidentin machte die Zeuginnen wiederholt darauf aufmerksam.

«Dem Gericht blieb aufgrund der widersprüchlichen und unklaren Aussagen nichts anderes übrig, als den Angeklagten freizusprechen», erklärt der Gerichtsschreiber Fabian Meier. Dabei gehe es nicht darum, den Angeklagten zu schützen. Die fehlenden Beweise und widersprüchlichen Aussagen verpflichteten das Gericht, im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden.

Zu langsame Untersuchung?

Der Vater der Mädchen wirft den Untersuchungsbehörden vor, den Vorfall auf die lange Bank geschoben zu haben. Tatsächlich scheint die Frage berechtigt, wieso es fast zwei Jahre dauerte, bis das Bezirksamt Aarau den Strafbefehl ausstellte. Die beiden Mädchen hatten sichtlich Mühe, sich an die Details des Vorfalls im Juli 2007 zu erinnern. Auf Nachfrage konnte die zuständige Untersuchungsrichterin gestern aber keine genauen Gründe dafür nennen.