Garten bereit für den Winter

Ist der Garten bereit für den Winter?

Äste schneiden, Beete abdecken, Pflanzen wässern und Neubepflanzungen jetzt vornehmen. Wer im Frühling ernten will, muss im Herbst säen.

Philippe Wenger

«Schuldner, die nicht zahlen; das Problem kenne ich nicht.» Beim Einholen von Gartentipps beim Urdorfer Gärtner Peter Hugentobler kann es schnell passieren, dass man auch etwas über Geschäftsführung lernt: «Mir ist die Beziehung zum einzelnen Kunden sehr wichtig, deshalb arbeite ich immer allein und falle nicht mit fünf Mitarbeitern beim Auftraggeber ein. Das senkt die Hemmschwelle, mal mit mir zu plaudern», begründet Hugentobler sein Debitorenglück. Er habe weiter eher zu viel als zu wenig Arbeit und die Kunden seien ihm treu.

Der ideale Zeitpunkt

Hugentobler ist seit rund 24 Jahren im Gewerbe aktiv und hat seine eigene Gartenbaufirma - eine Einzelfirma - aufgezogen. Da er praktisch nur bei Privatpersonen arbeitet, kennt er die Zustände in kleinen und nicht ganz so kleinen Privatgärten, und die Anliegen, welche Kunden haben können. Sein zentraler Gartentipp lautet: «Nichts ist zwingend.»

Und doch sollte man sich heute entschliessen, wie man vorgehen will, um im Frühling den Wunschgarten zu haben: «Für Neubepflanzungen ist jetzt der ideale Zeitpunkt», sagt Hugentobler. Die Sprösslinge dankten es, wenn sie genug Zeit haben noch vor dem trockeneren und warmen Sommer genug Wasser aufzunehmen und zu verwurzeln.

Seinen Gartenbautipp wendet der Gärtner auch auf seinen Lebensstil an: «Ich tue immer das, was ich für richtig halte.» So beginnt er seinen Arbeitstag grundsätzlich frühestens um acht und arbeitet maximal acht Stunden am Tag, hält sich das Wochenende frei und setzt bei ungünstiger Witterung auch mal einen Tag aus.

Gerade deshalb erfreue er sich auch mit 52 Jahren bester Gesundheit und empfinde noch immer grosse Freude an seiner Arbeit. Und «wenn es dann an die Arbeit geht, muss man diszipliniert an die Sache», fasst Hugentobler seinen Arbeitsstil zusammen.

«Nichts ist zwingend»

Sein Gartenbau-Motto verweist darauf, dass man einen Garten auch vollkommen sich selbst überlassen könne. Es komme immer darauf an, was man wünsche, sagt Hugentobler. Er plädiert für ein massvolles Arbeiten in den Gärten und die Pflanzen möglichst naturnah zu bearbeiten: «Ein Apfelbaum sollte nie wie eine Tanne aussehen.»

Auch darum ist er ein Gegner von Ecken und Kanten, zum Beispiel bei den Hecken. Aber das sei ebenfalls Geschmackssache. Wer seinen Garten nicht zu penibel säubere und ein paar Früchte und Laub liegen lässt, tue ausserdem den Vögeln und Igeln Gutes, sagt Hugentobler.

Der Schnee bringt Ruhe

Die Wintermonate nutzte Hugentobler in jüngeren Jahren, um zu reisen. «Von Dezember bis Januar war ich weg», sagte er. Heute, wo er verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist er auch in diesem Quartal mehrheitlich im Lande. Der Winter beschert auch den Gärten eine Pause - zumindest wenn Schnee liegt, was «in unseren Breitengraden relativ selten ist», meint der Gärtner. Er arbeite daher häufig bis in den Dezember und Januar. Die Winterferien seien aber Pflicht.

Eine Schneedecke kann für die Pflanzen im eigenen Garten zum Problem werden. So ist es manchmal nötig, Äste zu stutzen, damit sie nicht unter der Last des gewichtigen Weiss brechen. Aber auch hier sollte nicht blind gewütet werden, wie Hugentobler erklärte: «Man muss seine Pflanzen kennen.» So solle man sich eine Lorbeere erst im Frühjahr zur Schere nehmen.

Erfrieren oder platzen?

Erfahrene Gärtner decken ihre Beete im Herbst gerne mit Tannenreisig zu. Wer kein Reisig im Garten habe, könne auch synthetisches Vlies kaufen oder die Beete mit Jutesäcken abdecken. Hugentobler erklärt, dass dies weniger gegen das Erfrieren der Pflanzen geschehen sollte, sondern mehr, um den Pflanzen Schutz vor der Sonne zu spenden.

Wenn beispielsweise das Wasser im Rosenholz gefriere und dann durch intensive Sonneneinstrahlung wieder erwärmt wurde, könne die Pflanze platzen, was sie anfällig für Krankheiten mache.

Zuletzt erwähnt Hugentobler noch, dass man auch im Herbst nicht vergessen dürfe, dem durstigen Gewächs genügend Wasser zuzuführen.

Anschliessend musste Hugentobler gleich weiter zu einem der Kunden, welche «alle finanziell gut situiert» seien. Denn wer einen Garten habe und einen Gärtner engagieren könne, müsse sich dies auch leisten können, sagt er. Das hilft sicher auch gegen Debitorenprobleme.

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