Haus

Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Widerborstig: Am Sonntag hatten sich die Hausbesetzer auf den Dornacherplatz gewagt, gestern blieb ein Teil von ihnen den Tag hindurch in der ehemaligen Anlaufstelle (hinten rechts) präsent. Urs Lindt

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Widerborstig: Am Sonntag hatten sich die Hausbesetzer auf den Dornacherplatz gewagt, gestern blieb ein Teil von ihnen den Tag hindurch in der ehemaligen Anlaufstelle (hinten rechts) präsent. Urs Lindt

Auch gestern prägten bunte Transparente die ehemalige Anlaufstelle an der Dornacherstrasse. Die Hausbesetzer waren kaum sichtbar, und die Polizei wie der Stadtpräsident hüllen sich in Schweigen. Doch die Forderung nach einem Autonomen Jugendzentrum (AJZ) hat eine Vorgeschichte.

Wolfgang Wagmann

Fehlanzeige sowohl bei Stadtpolizeikommandant Peter Fedeli wie auch bei Stadtpräsident Kurt Fluri: Nein, Informationen gebe es keine, «wir informieren erst, wenn etwas passiert.» Das wäre dann wohl die Zwangsräumung des am Freitagabend okkupierten Hauses an der Dornacherstrasse - hatte doch Fluri Verhandlungen höchstens «über den Auszug der Besetzer» angekündigt (vgl. gestrige Ausgabe). Gestern vormittag war kurz einer der Besetzer auf dem Balkon sichtbar gewesen, ansonsten schien auch von Besetzerseite keine Kommunikation angesagt - die Gittertüre war mittags verriegelt und mit einem massiven Holzbalken zusätzlich von innen gesichert. Und an der Fassade leuchteten auf Leintüchtern Parolen wie «ein Problem löst sich nicht, wenn ihr es ignoriert» oder «mehr als ein Nüt war von Kurt Fluri nicht zu erwarten».

Für Asylbewerber bestimmt

Dass die Anlaufstelle zum geforderten Autonomen Jugendzentrum (AJZ) wird, wie die Gruppierung der Autonomen FreiraumBewegung (AFB) hofft und dies mit der Besetzung durchsetzen will, dafür gibt es keine Anzeichen. Im Gegenteil: Urs Bentz, Leiter Soziale Dienste der Stadt, sieht für das seit der «Adler»-Inbetriebnahme leerstehende Haus einen ganz anderen Verwendungszweck. «Bis eine Neuüberbauung wie Perron 1 entlang den SBB-Geleisen kommt und der Abbruch des Gebäudes erfolgt, möchten wir es für die Unterbringung von Asylbewerbern nutzen. Das macht für uns echt Sinn.» Denn gemäss Bentz sei die Stadt verpflichtet, weitere Asylbewerber aufzunehmen, ansonsten koste dies viel Geld. So gesehen sei der Besitz von Häusern wie an der Dornacherstrasse «vernünftig» - dort will man in der ehemaligen Anlaufstelle acht bis neun Asylbewerber unterbringen. «Dies ist konkret so vorgesehen», bestätigt Bentz die Absichten der Stadt. Im übrigen sei das Thema AJZ bei der Jugendkommission angesiedelt, die Sozialen Dienste befassten sich aktuell nicht damit.

Nicht da, um ein Haus zu suchen

«Seit Monaten herrscht in dieser Sache Funkstille», erklärte gestern Marco Lupi, Präsident der städtischen Jugendkommission zur Thematik, die von einigen Jugendlichen aus der Region im Januar 2008 aufs Tapet gebracht worden war. Zuerst nannte sich die Gruppierung Alternative Bewegung Solothurn (ABS) und versuchte mit Demonstrationen, einem Spontanbesuch im Gemeinderat oder der Teilnahme an einem Podiumsgespräch im Kofmehl Ende Februar ihre Anliegen nach einem Freiraum ohne Konsumzwang zu formulieren. «Wir sind mehrmals mit ihnen zusammengesessen und es sind immer die drei, vier gleichen Leute von ihnen gekommen», erinnerte sich Lupi. Die Anlaufstelle als AJZ sei damals damals zwar gefordert worden, «aber wir hatten damit nichts zu tun.»

Die Gespräche wurden auch von der städtischen Jugendarbeiterin Barbara Kläsi begleitet, doch verliefen sie allesamt im Sand. Marco Lupi: «Unser Job war es nicht, ihnen ein Haus zu suchen, sondern zu vermitteln, falls sie ein passendes Objekt in Aussicht hätten.» Die Stadt verfüge auch nicht über Häuser für ein solches Vorhaben wie ein autonomes Jugendzentrum, glaubt der Kommissionspräsident. Doch habe er habe gespürt, dass die Jugendlichen enttäuscht gewesen seien, und sich nicht ernst genommen gefühlt hätten - «ich verstehe, dass das Ganze für sie eine frustrierende Angelegenheit ist», so Lupi.

Kein Auftrag für die Repla

Im Verlauf des Sommers hatte auch ein Mail-Kontakt zwischen der AFB und dem Präsidenten der Regionalplanungsgruppe Solothurn und Umgebung, Johannes Friedli, bestanden. Die AFB hatte im Juni eine Aussage Friedlis dahingehend interpretiert, dass er ein Autonomes Jugendzentrum in der ehemaligen Anlaufstelle sehe. «Das war bei uns noch nie ein Thema», erklärte Friedli dazu gestern. Darüber könne man nur reden, wenn die Stadt und die Gemeinden einen konkreten Antrag an die Repla stellten. Diese habe deshalb kein Recht, sich einzumischen, betonte Friedli weiter. Auch den Tipp, sich mit ihren Anliegen an die Kulturfabrik Kofmehl und den kantonalen Jugendbeauftragten Marcus Casutt zu wenden, hatten die Jugendlichen abgelehnt. Vor den Ferien brach Friedli den Kontakt ab, nicht zuletzt «weil die Leute nur Forderungen stellten und dabei noch anonym bleiben wollten.»

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