Füdlibürger

Interview der Woche mit dem «Füdlibürger»

Hieronymus Füdlibürger, kurz vor seiner Verurteilung.

Füdlibürger

Hieronymus Füdlibürger, kurz vor seiner Verurteilung.

Alljährlich steht am Schmutzigen Donnertag Hieronymus Füdlibürger im Zentrum der Badener Fasnächtler, denn der Tradition folgend, beginnt die 5. Jahreszeit erst mit dem Befehl des Schultheissen: «Scharfrichter zünd aa, d Bademer Fasnacht foht aa.» Dass dem auch so ist, dafür sorgt nun seit 80 Jahren die Spanischbrödlizunft Baden bzw. deren ausführendes Organ, der Brödlirat. Der «Sonntag» hat mit dem Malefizienten kurz vor dem Prozess noch ein Interview führen dürfen.

Herr Füdlibürger, woher kommt eigentlich dieser Name?
Hieronymus Füdlibürger: Er soll den gewöhnlichen Bürger versinnbildlichen, und da jeder Bürger ein Füdli hat, kann auch jedermann ein Füdlibürger sein.

Als Prozessbeobachter erhält man das Gefühl, alles, was schiefgelaufen ist, würde Ihnen zur Last gelegt.
Das ist auch so, und so muss es auch sein.

Wie ist das zu verstehen?
Genau so. Passiert ein Fehler, ein Verbrechen, oder es läuft etwas schief, dann kann man die Schuld dem Füdlibürger in die Schuhe schieben. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass man einen Sündenbock braucht. Bürger und Bürgerinnen sollen geläutert an die Fasnacht gehen, darum halte ich stellvertretend für alle kleinen und grösseren Sünder den Kopf hin.

Hat man schon darüber diskutiert, eine Füdlibürgerin, also eine Frau, zu verurteilen?
Seit vielerorts an der Fasnacht die Hexenverbrennungen gestoppt worden sind, taucht diese Diskussion immer wieder auf, und ich meine berechtigterweise. Ich denke aber, dass die Rollenverteilung festgefahren ist und sich daran nicht so rasch etwas ändern wird. Die Männer müssen erst das notwendige Selbstvertrauen gewinnen, damit sie sich gegenüber den Frauen durchsetzen und eine Füdlibürgerin bestimmen können.

Und Ihre persönliche Ansicht?
Es ist meine Überzeugung, dass die Zeit reif für eine Frau wäre.

Ihre Ähnlichkeit mit einem zeitgenössischen Regierungschef ist frappant.
Wirklich?

Unverkennbar. Mütze, spärlicher Bartwuchs, die Orden auf der Brust.
Auf diese bin ich stolz. Doch zu Ihrer Vermutung: Sie haben ja recht. Es gibt zwar nie ein Motto für mein Outfit, aber die Libyen-Affäre war wohl Anlass dafür. Heute, angesichts des Atomstreits, würde man mich wohl einem andern Regierungschef nachbilden.

Wie fühlt es sich an, jedes Jahr zum Feuertod verurteilt zu werden?
Man gewöhnt sich daran, auch an die Wärme. Die Verteidigung macht übrigens immer einen sehr guten Job. Irgendeinmal wird es zur Überraschung aller einen Freispruch geben. (-rr-)

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