Internet-Wetten geraten ausser Kontrolle

Internet-Wetten geraten ausser Kontrolle

Wo gewettet wird, wird auch manipuliert.

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Wo gewettet wird, wird auch manipuliert.

Das Wettbusiness war schon immer anfällig für Betrug. In Zeiten der Globalisierung können sich Wettanbieter kaum schützen.

Christoph Bopp

Herr Hegi, private Wettanbieter argumentieren, dass man mit einem liberalisierten, aber streng reglementierten Wettenmarkt die schlimmsten Manipulationen von Sportereignissen besser verhindern könne. Würde das auch für die Schweiz gelten?

Roger Hegi: In der Schweiz haben wir ja von Gesetzes wegen einen regulierten Wettmarkt, indem nur von den Kantonen zugelassene Anbieter (Swisslos und die Loterie Romande) Wetten anbieten dürfen. Allerdings halten sich private

Wettanbieter aus dem Ausland nicht an diese Regulierung, indem sie ihre Wetten hauptsächlich übers Internet auch in der Schweiz anbieten. Das ist nicht legal, aber strafrechtlich nur schwer zu verfolgen. Manipulationen von
Sportereignissen hängen weniger von der Regulierung als vielmehr von der kriminellen Gesinnung und fehlender Kontrolle ab.

Ist Wetten übers Internet in der Schweiz verboten?

Hegi: Der einzelne Wettfreak in der Schweiz macht sich nicht strafbar, wenn er im Ausland wettet. Es ist ausländischen Anbietern aber verboten, in der Schweiz Werbung zu machen. Das gilt auch für Lotterieanbieter.

Was würde ein liberalisierter Markt bewirken?

Hegi: Es würden zusätzliche Anbieter zugelassen, die sehr aggressiv um jeden einzelnen Zocker kämpfen würden, und zwar mit hohen Ausschüttungsquoten, Sonderangeboten, hohen Einsatzlimits. Einen solchen Markt zu kontrollieren, wäre praktisch unmöglich. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass ein Teil der Manipulationen hier in Europa stattgefunden hat, die Einsätze aber anderswo, vor al-lem in Asien, getätigt wurden. Dort geht es um die ganz grossen Beträge.

Man hört, das MonitoringSystem habe versagt.

Hegi: Nach dem Skandal um den deutschen Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte man die meisten Wettanbieter darauf verpflichtet, Unregelmässigkeiten bei den Wettabläufen, also zum Beispiel hohe Einsätze auf gewisse Spiele, den Spielveranstaltern und Verbänden zu melden. Diese informierten daraufhin die beteiligten Klubs, Schiedsrichter usw. Das hat dann meistens gereicht, um gröbere Manipulationen zu verhindern. Bei Spielen, die vor einer gewissen Öffentlichkeit stattfinden, leuchtet das auch ein. Anders ist es - wie jetzt - bei Freundschaftsspielen im Sommer oder bei Spielen unterer Ligen.

Was spricht für ein Monopol?

Hegi: Mehr Kontrolle in einem überschaubaren Markt, weniger sozialschädliche Probleme (Spielsucht, Betrügereien, Geldwäscherei), da weni-ger Konkurrenzkampf. Zudem müssen die Erträge der staatlichen Wettanbieter vollumfänglich für gemeinnützige Zwecke verwendet werden, kommen also auch wieder dem Sport zugute.
Das illegale Wetten wird für Zocker aber immer attraktiver sein?
Hegi: Finanziell auf jeden Fall. Private Anbieter haben eine Auszahlungsquote von bis zu 97 Prozent, staatliche Anbieter dagegen um 75 Prozent herum. Bei uns bezahlt man zudem auch Verrechnungssteuer auf Gewinnen über 50Franken, im Internet dagegen nicht.

Was macht Ihnen Sorgen?

Hegi: Zwei Dinge: Wir bewegen uns in der Schweiz zum Glück nicht in jenen Dimensionen, in denen es für die organisierte Kriminalität lohnend ist, mitzuspielen. Wir können uns gar nicht vorstellen, wie massiv der Druck durch Drohungen auf Spieler und Funktionäre sein kann. Und das andere sind die Live-Wetten: Hier ist wirklich alles möglich, da muss nicht einmal ein ganzes Spiel verschoben werden. Solche Manipulationsversuche sind nicht zu erkennen.

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