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Intensiver kommt besser an

Neuland: Die 14 Kinder unterschiedlichster Herkunft werden von Brigitte Käser (links) und Inge Schnetzler während elf Wochen intensiv geschult. (zvg)

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Neuland: Die 14 Kinder unterschiedlichster Herkunft werden von Brigitte Käser (links) und Inge Schnetzler während elf Wochen intensiv geschult. (zvg)

Unsere Sprache ist anspruchsvoll, das merken in die Schweiz kommende Ausländer. Die neuen Intensivkurse sollen helfen, erste Brücken zu schlagen.

Julian Perrenoud

Ihre Stirn runzelt sich. Das Mädchen mit den kastanienbraunen Augen und dem schwarzen Haarschopf streicht mit dem Finger über eine Karte. Ein Laib Brot, eine Tasse Kaffee und etwas Gelbes ist drauf abgebildet. «Kä-äse», sagt es langsam. Das andere Mädchen am Tisch nickt und lächelt. Lehrerin Brigitte Käser flüstert: «Gut gemacht.» Im Untergeschoss des Kreuzfeldschulhauses 5 lernen sieben Kinder eine Sprache, die alles andere als einfach ist. Aus Portugal, Thailand, Tansania, Serbien und Bulgarien kommen sie. Deutschkenntnisse: null.

Seit dem 12. August unterrichten Käser und Inge Schnetzler Deutsch-Intensivkurse. 11 Wochen lang, je 18 Lektionen. Ein happiges Programm. Seit der Kanton Bern den Integrationsartikel änderte (siehe Kasten), ist es möglich, Deutschkurse für Migrantenschüler ohne Deutschkenntnisse regional anzubieten. In Langenthal stehen dieses Schuljahr vier Kurse an. Die Nachfrage ist gross; den zweiten Kurs musste die Schule im Sommer vorziehen. Die Intensivkurse sollen die Kinder mit der Sprache vertraut machen, bevor sie die Regelklasse in ihrer Schulgemeinde und dort Aufbau-Deutschlektionen besuchen.

«Wollen vertrauen schaffen»

Die Kinder lernen in einem behüteten Rahmen, wie Nathalie Scheibli, Schulleiterin Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ), sagt: «Sie wissen anfangs kaum, wies ist, in der Schweiz zur Schule zu gehen.» Die Kinder im Kurs kennen einander nicht. Sie kennen die Sprache nicht. Sie kennen die Kultur nicht. «Wir wollen Vertrauen schaffen», sagt Scheibli. Und Schnetzler, Leitung Intensivkurse, ergänzt: «Viele Kinder haben wahnsinnig Angst, wenn sie Neuland betreten.» Sie sollen sehen, dass sie bei diesem Schritt nicht alleine sind.

Erst gaben sich beide Lehrerinnen skeptisch ob des neuen Modells mit 18 Lektionen pro Woche: Sind Intensivkurse wirklich sinnvoll - überfordern sie die Kinder nicht? Mittlerweile sind die ersten beiden Kurse vorbei. Ein weiterer beginnt Ende Monat. Einer nächstes Jahr. Die Bedenken haben sich verflüchtigt, Scheibli sagt, für sie habe das Projekt eine Zukunft. Auch die Eltern sollen am Integrationsprozess teilhaben: Die Kursleiterinnen führen mit ihnen im Vorfeld ein Einzelgespräch, informieren mit Broschüren in zehn verschiedenen Sprachen über das Schulsystem des Kantons Bern. Zudem thematisieren sie den Migrationshintergrund. Das Echo der Kinder und Eltern ist bisher positiv.

Ein Kind unter Jugendlichen

Die Form des Deutschunterrichts für Schüler ohne Deutschkenntnisse war bis letzten Sommer den Gemeinden selber überlassen. Nun kommen die Migrantenkinder aus Langenthal, Huttwil, Oberes Langetenthal, Wangen Nord und Herzogenbuchsee ins Schulzentrum Kreuzfeld. Die Transportkosten übernimmt die jeweilige Gemeinde. Der Vorteil: Da nun Ressourcen gebündelt sind, können auch Kinder aus kleinen Gemeinden wie Lotzwil intensiv Deutsch lernen. Die Kinder können sich beim Klasseneintritt auf Deutsch verständigen. Ins Negative fällt, dass diese Kindergruppen äusserst heterogen sein können - also etwa unterschiedlich alt. So kommts, dass in einem Kurs ein Kind unter lauter Jugendlichen ist, oder ein Mädchen unter Jungs. Kein Problem, findet Scheibli, sondern eine Herausforderung für die Lehrerinnen: «In solchen Fällen müssen wir unser Programm anpassen.»

Der Unterricht umfasst Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben. Inhaltliche und grammatikalische Themen können sein: Sich selber vorstellen, Zahlen, Einkaufen, Jahreszeiten; Satzbau, Präpositionen ... Früher hatte jedes Migrantenkind in seiner neuen Gemeinde 40 Deutschlektionen zugute. «In dieser kurzen Zeit lernten sie kein Deutsch», bemängelt Schnetzler. Langenthal begab sich deshalb schon 2005 mit einem Grundkurs auf den jetzigen Weg.

Die sieben Kinder bei Brigitte Käser dürfen bald in die Regelklasse; ihr Intensivkurs endet demnächst. Drei Buben wetteifern in der Pause bei einem Frage-und-Antwort-Spiel. Ein Mädchen erklärt einem anderen auf Deutsch, wie sie Jasskarten halten muss. Das Mädchen mit den schwarzen Haaren und dunklen Augen steht an der Tafel, kritzelt mit der Kreide eine Additions-Rechenaufgabe. Ihre Kollegin schaut gebannt zu. Gekannt haben sie sich in der ersten Lektion nicht - und verstanden noch weniger.

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