Daniela Deck

Maria Bahar sprüht vor Energie. Die zierliche Russin ist Mutter einer 4-jährigen Tochter und eines 1-jährigen Sohnes. Seit elf Jahren lebt sie in der Schweiz. Vor acht Jahren begann die Bürerin auf privater Basis Russischkurse in Bern zu geben. Letztes Jahr gründete sie dafür eine eigene Sprachschule.

Ihr jüngstes «Kind» ist nun eine Spielgruppe in russischer Sprache. In Anlehnung an ihren Mädchennamen Lagunova heisst diese Laguna. Das Mammutprogramm geht auf Kosten des Schlafes, erzählt sie freimütig und lacht. «Ich fühle mich am wohlsten, wenn eine Menge läuft.» Eigentlich suchte sie bloss einen Betreuungsplatz für ihre Tochter, an dem diese die Muttersprache pflegen konnte. In Bern gab es derartige Angebote, aber nicht im Stedtli. «Da habe ich mich entschieden, selbst etwas zu organisieren», erklärt sie. «Das Bedürfnis besteht. Bloss hat bisher niemand gewagt, etwas zu machen.»

Keine Integrationsverweigerung

Ein- bis zweimal pro Woche geniesst die russische Spielgruppe nun Gastrecht am Graben 7. «Dort bekommen wir viel Unterstützung, und dafür sind wir dankbar.» Maria Bahar betreut die bisher sieben Kinder nur aushilfsweise. «Unsere Leiterin ist eine Russin aus Arch. Alle nennen sie nur Larissa.» Das Einzugsgebiet der neuen Gruppe reicht bis nach Solothurn und Brügg. Gegenwärtig hätten alle Kinder wenigstens einen russischen Elternteil. Aber Maria Bahar kann sich vorstellen, künftig auch Kinder aufzunehmen, die keinen solchen Sprachhintergrund haben.

«Russische Eltern geben ihren Kindern gern vor der Schule Bildungsmöglichkeiten», ist Maria Bahar überzeugt. Die neue Spielgruppe kommt diesem Bedürfnis entgegen. Die Initiantin bestellt altersgerechtes Lernmaterial in Moskau. «Das dauert seine Zeit, und grosse Sendungen sind nicht möglich.» Neben Spiel, Spass und Zvieri (das Angebot besteht nur nachmittags) hören die 2- bis 5-Jährigen Volksmärchen und lernen das kyrillische Alphabet sowie Zahlenbegriffe.

Maria Bahar ist wichtig, dass ihr Engagement nicht als Integrationsverweigerung aufgefasst wird. «Wer im Ausland lebt, muss Respekt zeigen für das Gastland. Aber dabei darf die eigene Kultur nicht vergessen gehen. Denn niemand weiss, wohin ihn das Schicksal führt.» Anders als etwa Albaner pflegten die Russen in der Schweiz keine Subkultur mit Vereinen.

Deshalb will sie ihr Angebot möglichst bald auf Schulkinder ausweiten. «Reden können sie, aber mit der Grammatik ist es schwierig.» Noch ein zweites Ziel hat Maria Bahar in Sachen Nachwuchs vor Augen: eine Kindertanzgruppe. «Unsere Spielgruppenleiterin hat in Russland bereits als Choreografin mit Kindern gearbeitet.» Maria Bahar möchte die Tanzstunden als Bestandteil der Spielgruppe anbieten. Es soll aber möglich sein, nur das eine oder andere zu besuchen.

Multikultureller Hintergrund

Maria Bahar lebt mit ihrer Familie multikulturell. Sie ist nämlich nicht etwa mit einem Schweizer verheiratet, sondern mit einem Türken. «Ich habe ihn kennen gelernt, als ich in Bern auf dem russischen Konsulat gearbeitet habe.» Drei Pässe hätten die Kinder. Und spätestens bei Schuleintritt, so die Meinung der Mutter, sollen sie dann auch drei Sprachen beherrschen: Russisch, Türkisch und Berndeutsch.

Die Spielgruppe Laguna soll dazu beitragen, dass möglichst viele Kinder sprachlich und kulturell ihren Horizont erweitern können. Um das Angebot bekannter zu machen, ist gegenwärtig eine Homepage im Aufbau: www.laguna-gruppe.ch Bis im Juni soll die Internetseite stehen.
Spielgruppe Laguna am Graben 7 in Büren 14.30 bis 17.30 Uhr. Weitere Infos bei Maria Bahar, Telefon 079 583 03 74.