«Integration muss sehr früh beginnen»

Der erste Anlass «Schule und Politik» an der Kreisschule Oberstufe Rohrdorferberg war dem brisanten Thema Jugendgewalt gewidmet. Zuvor hatten Vertreterinnen und Vertreter der Jungparteien Ziele und Profil ihrer Partei bei der Schülerschaft präsentieren dürfen.

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Aargauer Zeitung

Peter Riner

SP-Grossrätin Marie-Louise Nussbaumer hat Formen der Gewalt auch schon zu ihrer Schulzeit erlebt. Allerdings in geringem Mass und kaum je mal im Ausgang. Andrea Arezina sieht ein probates Mittel, um Gewalt erst gar nicht aufkommen zu lassen, bei aktiver Betätigung in Sportvereinen. Für Vreni Friker wird es dann gefährlich, wenn in Gruppen gegen Einzelne vorgegangen wird. Auch für Sandra Hanselmann steht Cliquenbildung meist am Anfang von Gewaltausbrüchen. «Ich wurde in der Schule auch abgeschlagen», sagte Maja Wanner. Sie fände es gut, wenn Jugendliche in Vereine kontrolliert kämpfen lernten. Die ehemalige Niederrohrdorfer Schulpflegepräsidentin Dora Fritschi hat in ihrer Amtszeit nur Schlägereien im kleinen Rahmen erlebt. Frühzeitiges Eingreifen und Erkennen ist für sie das A und O. Sascha Winterberger hat selber Gewalt erfahren und miterleben müssen, dass eine Anzeige für den Übeltäter kaum Konsequenzen hatte.

Mobbing wird zum Problem

Schulleiterin Sabina Brändli wurde vom Gesprächsleiter aufgefordert, etwas mit Bezug auf die Kreisschule Rohrdorferberg-Fislisbach zu sagen. Körperliche Gewalt stellt sie während der Schulzeit wenig fest. Probleme gibt es eher mit verbaler Gewalt und Mobbing, das meist ausserhalb der Schule. Es sei auch schon zu Time-outs oder Schulwechseln gekommen und man habe sich professionelle Beratung geholt.
«Wer mobbt, übt auch Gewalt aus», ist Lucien Looser überzeugt. Überhaupt wurde Mobbing an diesem Morgen als schweres Delikt bezeichnet, denn es beeinträchtigt die Persönlichkeit (Sascha Winterberger). Juso-Vertreterin Andrea Arezina glaubt aber, dass das Thema Jugendgewalt hochgespielt wird. Bei den Massnahmen legten die Podiumsteilnehmer das Hauptaugenmerk auf die Prävention. Allerdings gingen die Meinungen auseinander. Zu viele Überwachungskameras sind Arezina ein Gräuel. Für diese Aussage erntete sie viel Beifall von der Schülerschaft. Maja Wanner ist für therapeutische Massnahmen von Gewalttätern, aber auch für sinnvolle Strafaktionen. Man müsse jedem eine zweite Chance geben, forderte die Grossrätin. Bei ganz schweren Fällen müsse es möglich sein, auch Jugendliche ab 14 Jahren ins Gefängnis zu stecken, meinte Sandra Hanselmann.

Gamer sehen kaum Probleme

Mit Gewaltszenen bei Videospielen können Schülerinnen und Schüler offenbar gut umgehen. Sie sehen darin keine Gefahr, selber gewalttätig zu werden. Den Kindern öfter beim Gamen mal über die Schultern schauen und rechtzeitig eingreifen, das sei wohl der sinnvollste Umgang mit diesem Phänomen, wurde verschiedentlich betont.

Schliesslich forderte Wanner beim Thema Integration gemeinsame Anstrengungen von Gemeinden und Schulen. Integration müsse möglichst früh einsetzen, denn es gelte für viele, zuerst einmal einen Kulturschock zu überwinden. Auch die SVP sei durchaus für Integrationsmassnamen, so Friker, aber das Angebot werde oftmals viel zu wenig genutzt.

Die Soziologin Marie-Louise Nussbaumer forderte Chancengleichheit für alle. Wer nicht integriert sei, habe auch weniger Chancen im Berufsleben. Arezina sieht noch ein weiteres Problem: Viele Ausländer müssten sich mit zwei bis drei Jobs über Wasser halten und hätten schlicht keine Zeit, sich vernünftig zu integrieren. Dazu meinte ein Schüler: «Es gibt gute und schlechte Schweizer und ebenso gute und schlechte Ausländer.»

Ein unerwarteter Ausgang

Am Schluss der Veranstaltung liess die Schulleiterin darüber abstimmen, welche Partei denn bei der Schülerschaft am besten abgeschlossen habe. Die überwiegende Mehrheit streckte für Juso/SP die Finger in die Höhe. Für CVP und SVP gab es nur wenige Stimmen, für die FDP gar keine. Die Parteien-Vertreter nahmen das Resultat mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.