Beruf
Integration ist wichtig, finden (fast) alle

Eine Interpellation aus den Kreisen der CVP fordert Berufsinformationsanlässe für Eltern von Migrantenkindern. Das Anliegen stösst bei fast allen auf offene Ohren.

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Solothurner Zeitung

Elisabeth Seifert

«Die Regierung hat das Problem erkannt», freute sich CVP-Kantonsrätin Susan von Sury (Solothurn) gestern über die Antwort der Regierung auf ihre Interpellation. Mit dieser erkundigte sie sich nach Massnahmen zur Verbesserung der Berufswahlchancen von Migrantenkindern und fordert konkret Berufsorientierungsanlässe für deren Eltern. «Migrantenkinder haben häufig grosse Probleme, eine Lehrstelle zu finden, und werden dann aus einem Gefühl der Frustration heraus leicht gewalttätig», begründet die CVP-Frau ihren Vorstoss. «Und weil die Eltern das hiesige Berufssystem nicht kennen, können sie ihre Kinder auch nur schlecht beraten.»

«Wir erkennen im angesprochenen Bereich ebenfalls Verbesserungspotenzial», heisst es dazu in der regierungsrätlichen Stellungnahme. So bilde das Thema Integration der ausländischen Wohnbevölkerung und die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit einen Schwerpunkt im Legislaturplan 2009 bis 2013. Konkret sei das Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen (ABMH) derzeit damit beschäftigt, ein Projekt «Interkulturelle Vermittlung» vorzubereiten, dank dem Eltern mit Migrationshintergrund besser in den Berufswahlprozess ihrer Kinder miteinbezogen werden. Mit diesem Projekt, zu dem bereits Pilotversuche stattfinden, sollen beruflich und gesellschaftlich gut integrierte Personen aus den entsprechenden Kulturkreisen Klassenlehrpersonen und die Berufsberatung unterstützen. Zudem sei, ganz im Sinne der Interpellation, vorgesehen, Berufsinformationsanlässe für verschiedenen Sprachgruppen durchzuführen. Die breitere Umsetzung des Projekts werde demnächst beginnen.

SVP: Integration bringt nichts

«Befriedigt» von der Antwort der Regierung sind neben der Interpellantin und der Fraktion CVP/EVP/GLP auch die SP und die Grünen. Die Sprecherin der SP, Franziska Roth (Solothurn), hob unter anderem hervor, dass die Beteiligung der Eltern an solchen Berufsinformationsanlässen obligatorisch erklärt werden kann. Und wer seiner Pflicht nicht nachkomme, müsse mit einer Mahnung oder einer Busse rechnen. Auf für die FdP sei «Integration extrem wichtig», wie Sprecherin Verena Meyer (Mühledorf) betonte. Bevor das Projekt «Interkulturelle Vermittlung» Allerdings flächendeckend umgesetzt werde, sollten die Pilotversuche sorgfältig ausgewertet werden.

Heinz Müller (SVP, Grenchen) hingegen erachtete gestern namens seiner Fraktion «weitere Integrationsgefässe, die nicht genutzt werden», als sinnlos. Die Regierung solle sich hier grösste Zurückhaltung auferlegen. Eine Gesellschaft, deren Ausländeranteil 15 Prozent übersteige, sei mit der Integration ohnedies überfordert, unterstrich Müller. «Wir haben hier schon lange ein Problem», meinte er - und verwies auf die Ausschaffungsinitiative der Volkspartei.