Informationen, Fragen, Sorgen und Kritik

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Der Start zum Anhörverfahren «Tiefenlager Bözberg» erfolgte in der vollbesetzten Turnhalle in Unterbözberg. 200 Interessierte nahmen daran teil.

Edgar Zimmermann

«Willkommen in Unterbözberg», hiess es auf einem Transparent an der Turnhalle. Dass ein Atommüll-Endlager hier allerdings nicht besonders willkommen wäre, ging aus der Diskussionsrunde hervor; vor der Turnhalle verteilten Mitglieder gegnerischer Organisationen eifrig Werbung und Anmeldescheine.

Zunächst ging es an der Versammlung im prallvollen Lokal aber um Informationen zur Etappe 1 und zur beginnenden Etappe 2 des Auswahlverfahrens für ein geologisches Tiefenla-
ger. Fachleute waren zugegen, so der Direktor des Bundesam-
tes für Energie (BFE), Walter Steinmann, Projektleiter Michael Aebersold, Meinert Rahn vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat sowie Nagra-Direktor Thomas Ernst. Der nunmehr gestarteten öffentlichen Anhörung und Mitwirkung werde viel Bedeutung beigemessen, sagte Aebersold. Alle Eingaben würden genau geprüft und bewertet, man lege Wert auf Transparenz.

Peter Plüss, Gemeindeammann von Unterbözberg und Startteam-Leiter, stellte die Zielsetzung der Plattform Bözberg vor und betonte, das Team werde sich neutral verhalten, sei aber offen für alle. Regierungsrat Peter C. Beyeler gab zu, dass die Problematik auch für den Regierungsrat sehr komplex ist. Wichtig sei, dass bei der Standortwahl dem Sicherheitsaspekt die höchste Priorität eingeräumt werde. Sehr lebhaft verlief die Diskussionsrunde, moderiert von Ellinor von Kauffungen.

Opalinuston oder Granit?

Wäre ein Endlager im Granitgestein nicht sicherer als ein solches im Opalinuston wie im Bözberg? So lautete die Frage einer Unterbözbergerin. Nein, lautete die Antwort. Der Ton sei einerseits hart und undurchlässig, bei Bewegungen der Erdkruste könne er anderseits sich bildende Risse wieder verschliessen, dies im Gegensatz zum Granitgestein. Stehen die Abfallbehälter tatsächlich im Ton oder in betonierten Räumen? Thomas Ernst: Nur das Zugangsbauwerk wird aus Beton bestehen, das Lager befindet sich direkt im Opalinuston. Wäre eine oberirdische Lagerung nicht besser kontrollierbar und rückholbar, so die Frage eines Votanten aus Hausen. Rahn: Viele Prozesse laufen an der Oberfläche ab, im Gegensatz zum ruhigen Untergrund, wo ein Wirtgestein Sicherheit garantieren kann.

Ein Effinger Einwohner verwies auf wiederholte Erdbeben mit Kern im Gebiet Mönthal – welche Auswirkungen könnten diese auf ein Endlager haben? Rahn: Es handelte sich um schwache Erdbeben, ein fest eingeschlossenes unterirdisches Lager bleibe geschützt. Auch eine unerwünscht hohe Gas- oder Wärmeentwicklung werde unterbunden. Die Behälter müssen so solid sein, dass ihnen selbst Meerwasserreste im Ton nichts anhaben können. Welche Behälter am geeignetsten seien, werde noch untersucht. Dass sich ein Fall Kölliken wiederholen könnte, wurde von den Experten entschieden verneint.

Selbst mit einem Endlager könne die Geothermie des Bodens für Energiegewinnung genutzt werden.

«Imageschaden der Region»

Ein Endlager führe zu einer Gefährdung der Region, einem Imageschaden und einer Abwertung, meinte eine Unterbözbergerin. Wird nur die Standortgemeinde Entschädigungen erhalten? Der Chef des Bundesamtes für Energie sprach sich klar für einen regionalen Verteilerschlüssel aus. Dass das Verfahren und die Expertisen zu sehr «am Tropf der AKW hängen», stimme nicht, es seien genügend unabhängige Fachleute involviert – auch das Bundesamt lasse sich nicht beeinflussen.

Verlängerung der Mitwirkung?

Eine Einwohnerin aus Wölflinswil führte an, dass der Aargau schon heute genügend Atomlasten zu tragen habe. Eine Lagerung auf 100 000 bis 200 000 Jahre hinaus sei zu unsicher und unverantwortbar, urteilte ein Votant aus Wil. Jede Generation sollte ihre Probleme in ihrer Zeit lösen und nicht nachfolgenden Generationen überlassen.

Eine Windischerin bat um rege Teilnahme am Mitwirkungsverfahren. Allerdings, so eine Unterbözbergerin, sei die Zeit von 3 Monaten zu knapp bemessen, als dass man sich als Laie eine Meinung bilden könne. Regierungsrat Beyeler gab ihr recht und trug dem Bundesamt den Wunsch vor, das Mitwirkungsverfahren zu verlängern.

Ein Teil des Publikums beklatsche immer wieder die Voten von Kritikern. Der Schlussapplaus liess darauf schliessen, dass alle Besucher die interessante und sachliche Informations- und Diskussionsrunde zu schätzen wussten.

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