1. Akt: Die Anfrage

Am Anfang war da nur eine Anfrage. Per Mail wandte sich Elle Darby an das Hotel «The White Moose Café» in Dublin und schlug einen Deal vor: Für vier Gratisnächte werde sie das Hotel ihren Followern auf Youtube und Instagram empfehlen, schrieb die 22-jährige Engländerin. 

«Ich arbeite als Social-Media-Influencer», erklärte Darby. «Ich habe über 87'000 YouTube-Abonnenten, dazu 76'000 Instagram-Followers.» Sie habe vor, mit ihrem Partner vom 8. bis zum 12. Februar Dublin zu besuchen und sei auf der Suche nach einer Unterkunft auf dieses «fantastische Hotel» gestossen.

Gern würde sie es in ihren YouTube-Videos und Instagram-Posts empfehlen, wenn sie dafür gratis buchen dürfe. «Letztes Jahr arbeitete ich mit Universal Orlando in Florida zusammen, und es war unglaublich für sie», empfahl sich Darby. 

Darby hat auch eine Website, über die sie kommerzielle Fitness-Angebote vertreibt.

Darby hat auch eine Website, über die sie kommerzielle Fitness-Angebote vertreibt.

2. Akt: Die Antwort

Die Antwort fiel indes nicht wie erwartet aus. Hotelier Paul Stenson postete Darbys Mail – ohne ihren Namen zu nennen – auf der Facebook-Seite seines Hotels. Und kommentierte: «Es braucht Eier, eine solche Mail zu schreiben, wenn auch nicht viel Selbstrespekt und Würde.» Danach fragt er Darby, wer denn das Personal bezahlen werde, wenn er sie gratis im Hotel logieren liesse. «Wer bezahlt die Reinigungskräfte, die dein Zimmer putzen? Die Bedienung, die dir dein Frühstück serviert?» Womöglich sollte er seinen Angestellten sagen, sie würden – statt Lohn für ihre Arbeit zu erhalten – in Darbys Video erwähnt. 

Nicht genug damit. Stenson wirft nun auch mit Zahlen um sich: «Wir haben 186'000 Follower auf unsren zwei Facebook-Seiten, 80'000 auf Snapchat, 32'000 auf Instagram und erbärmliche 12'000 auf Twitter.» Aber «nie in einer Million Jahren» würde er deswegen jemanden bitten, etwas gratis zu bekommen. «Ich blogge auch ein bisschen, in meinen Augen ist das einfach eine andere Art zu sagen ‹etwas im Internet schreiben›.» Die vielen Follower, betont Stenson, machten ihn nicht besser als sonst irgendjemanden und gäben ihm kein Recht, etwas nicht zu bezahlen, das alle anderen bezahlen müssten.

In Zukunft solle sie doch bezahlen wie jeder sonst auch – und wenn ein Hotel ihre Berichterstattung schätze, dann erhalte sie vielleicht ein kostenloses Upgrade für ihr Zimmer. «Dies würde mehr Selbstrespekt von deiner Seite zeigen und wäre – seien wir ehrlich – auch weniger blamabel für dich», schliesst Stenson. 

Stenson (vorn links) und seine Angestellten in Paris.

Stenson (vorn links) und seine Angestellten in Paris.

Damit hätte die Sache beigelegt sein können. Immerhin hatte Stenson Darby nicht namentlich geoutet. Das tat Darby nun selber – sie postete ein 17-minütiges Video auf ihrem Youtube-Kanal: 

3. Akt: «Ich wurde blossgestellt!»

«Ich bin wütend und fühle mich traurig und gedemütigt zugleich», beklagt sich die Bloggerin aus Bath. «Ich verdiene Geld als Influencerin, es ist der einzige Job, in dem ich mich glücklich fühle. Ich hab den Eindruck, dass ich anderen so auch helfe.» 

«In den letzten drei Jahren habe ich gratis Kleider und Essen von meinen Lieblingsmarken erhalten», bemerkt Darby. «Auch Hotels und Reisebüros trugen ihr Scherflein dazu bei, so kam ich an Orte, von denen ich sonst nur hätte träumen können. Und gibt zu: In einer Zeitschrift oder am Fernsehen gibt es Werbung auch nicht einfach gratis.» 

Die Influencerin beklagt sich auch über den Umstand, dass eine Mail, die sie im Vertrauen geschickt habe, einfach veröffentlicht worden sei. Nun erhalte sie hunderte von bösartigen Reaktionen, und zwar vornehmlich von Über-30-Jährigen, die nun versuchten, sie – ein 22-jähriges Mädchen – kaputt zu machen. «Sie haben absolut keine Ahnung, wie Social Media gegenwärtig funktionieren.» 

Mit ihrem Video mobilisierte Darby ihre Gefolgschaft, die nun Stenson attackierte. 

4. Akt: «Danke, liebe Blogger!»

Stenson reagierte zunächst, indem er alle Blogger in seinem Hotel als unwillkommen erklärte: 

Doch dann ging er mit sich selbst ins Gericht – allerdings nur ironisch: «Liebe Blogger, ich könnte mir selber auf den Kopf schlagen, weil mir das nicht früher eingefallen ist», schrieb er. «Je wütender ihr auf mich seid, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass wieder ein paar Leute mehr den Namen unseres Hotels kennenlernen. Es lohnt sich viel mehr, euch zu ärgern als die Veganer oder die Glutenallergiker.» 

Dazu warf Stenson der Influencerin vor, sie habe den ganzen Aufruhr selber verursacht, weil sie ein Video über die Sache gemacht habe. 

5. Akt: Fortsetzung folgt ...

Der Hotelier, der auf TripAdvisor für sein Etablissement in Dublin immerhin 41/2 von 5 Punkten erhält, bekommt in den Kommentaren und Umfragen in der englischen Presse deutlich mehr Support als Darby. Sogar auf dem Web-Portal Bathchronicle.co.uk – also in der Heimatstadt der Influencerin – stellen sich in einer Umfrage nur etwa 13 Prozent auf ihre Seite. 

Doch Darby erhält nach wie vor auch Unterstützung. Auf Youtube kursieren Videos, in denen Stenson beschuldigt wird, er wende selber die Methoden an, die er Darby vorwerfe: 

Während das Schlachtgetümmel der Hilfstruppen noch hin und her wogt, hat sich der eine der Protagonisten vorläufig vom Schlachtfeld verabschiedet. Stenson postete eine Nachricht an alle Zeitungen, Radiosender und Online-Medien, die ihn für ein Interview kontaktieren möchten. Er sei in Amsterdam und habe etwas zu feiern. Und: Man solle ihn nicht anrufen, denn die Wahrscheinlichkeit sei ziemlich gross, dass er dann stoned sei. 

(dhr)